Mittwoch, 29. Juni 2016

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Vermögenserhalt trotz Nullzins Wie Geldanleger auch sieben magere Jahre durchhalten

Geldanlage: Die letzten Renditegeheimnisse
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Konstantin Mettenheimer
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    Konstantin Mettenheimer ist Chairman und Mitinhaber von PMB Capital Ltd. Private Merchant Banking London, er berät Familienunternehmer und Investoren in Fragen der Strategie, der Vermögensanlage und der Strukturierung. Zuvor war er Partner der Edmond de Rothschild Private Merchant Banking LLP, London, und davor weltweiter Chairman der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.
Seit 1815 werden Zinsen durchgehend aufgezeichnet. Noch nie waren sie so niedrig. Die Bank of England schreibt, es habe wohl seit 5000 Jahren keine so niedrigen Zinsen gegeben. Wir befinden uns in wirtschaftlichem Neuland. Was sind die größten Risiken, was müssen Geldanleger beachten? Die Zeit ist reif für diese Überlegungen, denn die Folgen von Finanzkrisen werden meistens in sieben Jahren überwunden. Die Finanzkrise dauerte von 2007-2009. 2016 ist also das Jahr des Handelns - gerade auch für Geldanleger. Noch müssen diese aber mit der Nullzinspolitik zurechtkommen. Es geht um Vermögenserhalt in unsicheren Jahren.

Jüngst wurde behauptet, die Deutschen profitierten von der Niedrigzinspolitik, weil der Staat weniger Zinsen zahle und der Steuerzahler entlastet werde. Dabei wird verschwiegen, dass der Sparer bei Null Zinsen nach Steuern und Inflation enteignet wird. Der Staat entlastet die Schuldner und belastet die Sparer. Es findet eine gewaltige Umverteilung statt.

Die Nullzinspolitik hat aber noch mehr negative Effekte. Eine der vielen Funktionen des Geldes ist die Wertbewahrung. Wenn Geld Wert aber nicht mehr erhält, schwindet das Vertrauen in die Währung - auch ohne Inflation.

Bei Null Zinsen kann alles finanziert werden, gute und schlechte Risiken. Die Investition braucht keine Mindestrendite zu erzielen. Dies führt zu Blasen.

Pensionskassen sind nicht mehr in der Lage, Pensionsverpflichtungen zu erfüllen. Rückstellungen müssen aufgestockt oder Renten herabgesetzt werden.

In der nächsten Krise fehlt den Zentralbanken das Instrument des leichten Geldes, um die Volkswirtschaften zu stützen.

Die niedrigen Zinsen waren nach der Krise ein probates Mittel, um gegenzusteuern. Denn ein großer Teil der Geldanlage wechselt von Nominalwerten zu Realwerten (also Produktionsmitteln) und kurbelt so die Wirtschaft an - aber dieser Einmaleffekt wiederholt sich nicht.

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