Montag, 5. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Staatsanleihen Argentinien droht nach Hedgefonds-Urteil neue Pleite

Argentiniens Präsidentin Kirchner: "Lassen uns nicht erpressen"

Argentinien muss zwei Hedgefonds insgesamt 1,3 Milliarden Dollar zahlen, entschied der US Supreme Court. Damit droht dem südamerikanischen Land erneut die Staatspleite.

Buenos Aires - Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA könnte für Argentinien erneut die Staatspleite bedeuten. Der Supreme Court entschied am Montag, das südamerikanische Land müsse zwei US-Hedgefonds bis Ende Juni 1,3 Milliarden Dollar (960 Millionen Euro) zahlen. Nun könnten weitere private Gläubiger große Summen von Argentinien einfordern. Das Land hat aber nur noch Devisenreserven in Höhe von 28 Milliarden Dollar. Präsidentin Cristina Kirchner will nun verhandeln.

Argentinien war 2001 pleite, die Schulden beliefen sich auf fast 100 Milliarden Dollar. Mit den meisten Gläubigern - 93 Prozent - konnte sich das Land seit 2008 auf eine Umschuldung einigen: die Gläubiger verzichteten auf einen Großteil des Geldes. Erst im Mai vereinbarte Argentinien einen Rückzahlungsplan über den Rest der Schulden mit den im Pariser Club versammelten staatlichen Kreditgebern.

7 Prozent der Gläubiger verweigerten damals die Umschuldung - unter ihnen die US-Hedgefonds NML Capital und Aurelius Management, von Präsidentin Kirchner "Geierfonds" genannt. NML Capital etwa hatte laut Kirchner 2008 für 48 Millionen Dollar argentinische Staatsanleihen billig aufgekauft und verlangt jetzt die Auszahlung im Nennwert in Höhe von 832 Millionen Dollar - also mehr als 17 mal so viel.

Der US-Gerichtshof wies am Montag ohne Begründung die Beschwerde Argentiniens gegen das Urteil einer niedrigeren Instanz zurück und verpflichtete das Land zur Zahlung der 1,3 Milliarden Dollar. In einer zweiten Entscheidung gaben die Richter der Forderung der Hedgefonds statt, Informationen über Besitz des argentinischen Staates in den USA und woanders zu bekommen - so können sie diesen zum Beispiel pfänden lassen. Dies hatte NML Capital im vergangenen Jahr getan: Es ließ ein argentinisches Marineschiff in Ghana pfänden.

Kirchner: "Lassen uns nicht erpressen"

Buenos Aires hatte in seiner Argumentation vor dem Obersten Gericht davor gewarnt, dass bei der Zurückweisung der Beschwerde die "ernste Gefahr eines unmittelbaren Zahlungsausfalls" bestehe. Nach der Entscheidung des Gerichtshofs fielen die Kurse an der argentinischen Börse um mehr als zehn Prozent, der Peso verlor gegenüber dem Dollar.

Präsidentin Kirchner versuchte gegenzusteuern. Im Fernsehen versicherte sie, Argentinien werde nicht zahlungsunfähig. Es sei zwar die Verpflichtung des Landes, die Gläubiger auszuzahlen - "aber wir lassen uns nicht erpressen". Die Regierung habe ihre Bereitschaft zu Verhandlungen gezeigt.

Die Entwicklungshilfeorganisation Jubilee äußerte sich entsetzt über das Urteil. Es belohne Spekulanten und bestrafe die Mehrheit der Gläubiger. "Unglücklicherweise bedeutet die Entscheidung des Supreme Court, dass die Finanzwelt sich nun darauf berufen kann, dass ihr Verhalten legitim ist - und profitabel." Das Urteil stelle bisherige Umschuldungsvereinbarungen komplett in Frage.

Hoffen kann Argentinien allerdings, dass das Urteil nicht vor 2015 vollstreckt wird. Ab 2015 hat das Land nämlich keine Verpflichtung mehr, den Hedgefonds und anderen privaten Gläubigern die Schulden zu einem höheren Preis zurückzahlen zu müssen als den Gläubigern, die eine Umschuldung akzeptiert hatten. Bis dahin könnte sich Argentinien mit NML Capital und Aurelius einigen.

ts/afp

Nachrichtenticker

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH