Samstag, 25. Juni 2016

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Sorge um US-Häusermarkt Die gefürchteten "Immobilien-Dreher" sind wieder da

Häuser zu verkaufen: Der Markteinbruch 2007 hat viele Amerikaner ruiniert - jetzt sind die Preise wieder auf hohem Niveau

Die meisten dürften es noch in unguter Erinnerung haben: Das Platzen der Immobilienblase in den USA löste 2007 erst die Finanzkrise und dann die Weltwirtschaftskrise aus. Vorausgegangen war ein beinahe beispielloser Hype am amerikanischen Immobilienmarkt: Mit Rückendeckung aus Washington vergaben Banken massenhaft Hypothekenkredite auch an Leute, die sich die eigenen vier Wände eigentlich nicht leisten konnten. So stiegen die Immobilienpreise landesweit steil an - bis es 2007 zum Markteinbruch kam.

Von diesem Crash haben sich die US-Immobilienmärkte inzwischen wieder erholt. Mehr noch: In vielen Städten bewegen sich die Preise heute auf einem Niveau, das jenes zum Zeitpunkt des 2007er Markteinbruchs sogar noch übersteigt. Manch einem treibt das bereits wieder die Sorgenfalten auf die Stirn.

Vor dem Hintergrund wirken die News, die jetzt über den großen Teich kommen, alles andere als beruhigend: Wie US-Medien berichten, nimmt das so genannte Immobilien-Flipping in den USA erstmals seit Jahren wieder zu.

Hintergrund: Großen Anteil an der ungesunden Marktüberhitzung bis 2007 hatte dieses "Immobilien-Flipping" (flipping = umdrehen). Gemeint ist das kurzfristige Kaufen und Verkaufen von Objekten binnen weniger Monate. Damit wollten Investoren in der Regel ausschließlich das schnelle Geld machen. Und sie trieben mit ihren Aktivitäten die US-Immobilienpreise enorm an.

Dieser Spuk beginnt nun also offenbar von Neuem. Nachdem die Umsätze in diesem Segment vier Jahre in Folge gesunken waren, gingen sie 2015 erstmals wieder nach oben, wie aus Daten der Immobiliengesellschaft RealtyTrac hervorgeht. Demnach stieg der Anteil der Hausverkäufe, die als "Flips" zählen (Kauf und Verkauf binnen zwölf Monaten), im vergangenen Jahr US-weit von 5,3 Prozent auf 5,5 Prozent. Besonders hoch war der Anteil in Nevada (8,8 Prozent), Florida (8 Prozent) und Arizona (7,1 Prozent), so RealtyTrac.

Im Durchschnitt, das ist ebenfalls den Informationen von RealtyTrac zu entnehmen, verdienen Investoren mit dem "Immobilien-Flipping" aktuell 55.000 Dollar je Deal. Das ist der höchste Wert seit 2005. Aber, wie beispielsweise auch das "Time"-Magazin bemerkt, eins sollten Investoren beachten: Aus Gewinnen können schnell Verluste werden. Das wisse jeder, der den Oscar-nominierten Film "The Big Short" gesehen hat, so "Time".

Einige Aspekte gibt es zudem, die die gegenwärtige Situation auf dem US-Immobilienmarkt von jener 2007 unterscheiden. Der wohl wichtigste: Seinerzeit waren Unmengen an Krediten im Spiel. Lediglich 34 Prozent der "Flipper" agierten vor zehn Jahren mit eigenem Geld, so "Time". Das sei heute anders: 70 Prozent der gefürchteten "Immobilien-Dreher" nehmen für ihre Geschäfte ausschließlich eigenes Geld in die Hand. Das Risiko, dass sich Probleme im Falle eines eventuellen Scheiterns auf andere Teile der Finanzindustrie ausbreiten könnten, ist daher aktuell wohl deutlich geringer.


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