Freitag, 20. Oktober 2017

Hohe Ansprüche in Zeiten von Niedrigzins Uni Harvard erzielt 8 Prozent Rendite - und ist "enttäuscht"

Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts: Hohe Ansprüche an die Geldanlage
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Harvard Universität in Cambridge, Massachusetts: Hohe Ansprüche an die Geldanlage

Ist das die Arroganz der akademischen Elite? Die Universität Harvard, eine der Top-Adressen unter den Ausbildungsstätten der USA, ist bekannt für ihre hohen Ansprüche, wenn es darum geht, das eigene Vermögen zu vermehren. Immerhin sitzt die Stiftung der Hochschule, die für das Kapitalmanagement zuständig ist, auf einem Berg von rund 37 Milliarden Dollar - das ist Rekord unter den Universitäten der USA und wohl auch weltweit.

Jetzt hat die Harvard-Stiftung ihren jüngsten Jahresbericht vorgelegt. Demnach erzielten die Investments der Universität im vergangenen Jahr eine Rendite von 8,1 Prozent - und damit ein "enttäuschendes" Ergebnis, wie die Stiftungs-Leitung findet.

8,1 Prozent Jahresrendite - enttäuschend? Da könnte manch ein Beobachter verwundert die Augenbrauen hochziehen, angesichts von einem allgemeinen Zinsniveau, das sich seit geraumer Zeit auf historisch niedrigem Level bewegt. Doch die Investmentmanager von Harvard und übrigens auch anderen Hochschulen in den USA denken in anderen Kategorien. Sie investieren ihr Geld traditionell stark in nicht festverzinste Assetklassen, wie Aktien, Hedgefonds oder auch Unternehmensbeteiligungen sowie Wald- oder Energieinvestments.

In diesem Umfeld liegt Harvard mit seiner jüngsten Performance tatsächlich nicht besonders gut im Rennen, wozu dem Bericht zufolge vor allem Misserfolge bei Umweltinvestments beigetragen haben. Zwar konnte sich die Uni im Vergleich zum Vorjahr, als ein Verlust von 2 Prozent zu Buche stand, deutlich verbessern. Der Schnitt der US-amerikanischen Spitzenunis kam im letzten Jahr jedoch auf eine Rendite von fast 13 Prozent, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Das Dartmouth College in Hanover, New Hamphire, welches als erste der acht Elite-Unis aus der sogenannten Ivy-League in diesem Jahr seine Ergebnisse vorlegte, kam laut "WSJ" sogar auf 14,6 Prozent.

Bei ihren Anlageerfolgen profitierten die Hochschulen insbesondere von der Rallye, die die weltweiten Aktienmärkte hingelegt haben. Allein der breite US-Aktienindex S&P 500 beispielsweise stieg 2016 um 17 Prozent.

Der Grund für die Underperformance der Harvard-Investments ist denn auch an anderer Stelle zu suchen. "Unsere Leistung ist enttäuschend", schrieb Chef-Anleger N.P. Narvekar in seinem Jahresbericht. Dies sei Ausdruck "tiefer, struktureller Probleme", die auch in Zukunft auf das Ergebnis drücken dürften, so Narvekar.

Was nach heftiger Selbstkritik klingt, ist für den Chef-Investor allerdings kaum verfänglich: Die Harvard-Stiftung kämpft bereits seit einiger Zeit gegen schlechte Anlageergebnisse, und nach einigen Führungswechseln hat Narvekar erst Ende vergangenen Jahres als vierter Chef innerhalb von zehn Jahren das Ruder übernommen.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Seitdem versucht er den Großanleger Harvard Stiftung durch Umstrukturierungen wieder auf Kurs zu bringen. So sollen künftig vermehrt externe Investmentfirmen, gegründet von ehemaligen Investmentprofis der Stiftung, die Anlagen übernehmen. Bis diese Maßnahmen auch in der Performance Wirkung zeigen, werden nach Angaben des Chef-Investors aber noch einige Jahre vergehen.

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