Mittwoch, 21. November 2018

Türkei im Abwärtsstrudel Lira-Krise wird zur Wirtschaftskrise

In Treue ergeben: Mitte August noch folgten türkische Geschäftsleute vor laufender Kamera dem Aufruf von Präsident Erdogan und tauschten demonstrativ Dollar in türkische Lira. Tatsächlich aber fließt immer mehr Geld aus der Türkei ab

Auch wenn die türkische Lira in dieser Woche ein wenig Boden gut gemacht hat - immer noch beträgt der Verlust zum Dollar Börsen-Chart zeigen oder Euro Börsen-Chart zeigen gut 40 Prozent seit Jahresbeginn. Die türkische Währungskrise - losgetreten durch politische Spannungen und die wachsenden Zweifel an der Unabhängigkeit der türkischen Notenbank - wird zusehends zur Wirtschaftskrise in dem 82-Millionen-Einwohner-Land.

Die Menschen in der Türkei mussten allein im August eine Preissteigerung von 18 Prozent hinnehmen. Die schwache türkische Lira verteuert importierte Waren erheblich. Artikel des täglichen Bedarfs in türkischen Supermärkten werden nahezu täglich umetikettiert, schreibt der österreichische "Standard". Klammheimlich verringern Produzenten mittlerweile den Packungsinhalt beliebter Waren um bis zu 20 Prozent, damit die Preissteigerung optisch nicht ganz so drastisch ausfällt.

Doch türkische Konsumenten sind wachsam, entlarven derlei Tricksereien sofort über Twitter oder andere soziale Kanäle.

Strom wiederum verteuerte sich Anfang September um rund 10 Prozent, Gewerbe und Industrie mussten sogar 14 Prozent mehr zahlen. Gas verteuerte sich ebenfalls um rund 14 Prozent.

Die enormen Preissteigerungen für Energie, Benzin oder Lebensmittel treiben die Menschen mittlerweile auf die Straße - jedenfalls da, wo sich trauen: In der Hauptstadt Nikosia zum Beispiel demonstrierten am Donnerstag hunderte türkische Zyprioten gegen die Preisexplosion. Auf der seit 1974 faktisch geteilten Mittelmeerinsel müssen die Menschen noch mehr importieren als anderswo: Die Preise für importierte Waren hätten sich in den vergangenen sechs Monaten fast verdoppelt, schreibt AP. Die türkische Lira ist hier offizielle Währung, denn die türkische Republik Nordzypern hängt am Tropf von Ankara.

Unternehmen leiden, Banken werden zum Risiko

Der Währungsverfall trifft schon längst auch die Unternehmen. In Dollar aufgenommene Kredite können sie kaum noch begleichen. Darunter leiden nicht zuletzt die türkischen Banken. Die Bonitätswächter von Moody's stuften wegen der finanziellen Risiken kürzlich sage und schreibe 20 Geldinstitute in der Türkei ab, manche Großbanken gleich um zwei Stufen. Ein wichtiger Grund ist ihr hoher Anteil der Auslandsschulden. Sollte der Dollar auf 7,10 Lira steigen, hätten die Institute keinerlei Sicherheitspolster mehr, warnte Goldman Sachs.

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