Freitag, 19. Oktober 2018

Türkischer Präsident Erdogan unter Druck Lira fällt immer weiter - Finanzministerium wiegelt ab

Recep Tayyip Erdogan will die Notenbank stärker kontrollieren - und setzt damit die Lira weiter unter Druck

Das türkische Finanzministerium versucht die Börsen angesichts des anhaltenden Verfalls der Landeswährung zu beruhigen. Türkischen Banken und anderen Unternehmen drohten keine Liquiditätsengpässe, teilte es am Donnerstag mit. Die Wirtschaft werde 2019 voraussichtlich um 3 bis 4 Prozent wachsen. Im vergangenen Jahr waren es aber noch 7,4 Prozent - so viel wie seit 2013 nicht mehr. Das Haushaltsdefizit werde bei rund 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts begrenzt. Finanzminister Berat Albayrak werde die neuen Pläne für die Wirtschaft am Freitag vorstellen.

Seit Jahresbeginn hat die Lira rund ein Viertel ihres Wertes gegenüber dem Dollar und dem Euro eingebüßt. Am Donnerstag fiel sie zum Dollar und Euro auf neue Rekordtiefstände, nachdem bekannt wurde, dass die heutigen Gespräche zwischen den USA und der Türkei ergebnislos verliefen. Der US-Dollar erreichte einen Höchststand von 5,4487 Lira.

Andrew Brunsen: Die Türkei wirft dem Geistlichen Kontakte zur Gülen-Bewegung vor
AFP/Dogan News Agency
Andrew Brunsen: Die Türkei wirft dem Geistlichen Kontakte zur Gülen-Bewegung vor

Bei den heutigen Gesprächen ging es vor allem um den in der Türkei festgehaltenen Pastor Andrew Brunsen. Mit Blick auf die Kern-Forderung der US-Regierung nach einer Freilassung des amerikanischen Geistlichen sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums: "Soweit sind wir noch nicht."

Die türkische Justiz wirft Brunsen vor, Kontakte zu dem in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen unterhalten zu haben, den die Regierung in Ankara als Drahtzieher für den Putschversuch von 2016 verantwortlich macht. Brunson hat dies zurückgewiesen. Die USA und die Türkei haben inzwischen Sanktionen gegen Minister des jeweils anderen Landes verhängt.

Erdogans Einfluss auf Zentralbank macht Investoren nervös

Die Regierung in Washington stellt auch den teilweise zollfreien Zugang der Türkei zum amerikanischen Markt auf den Prüfstand. Betroffen sind türkische Importe im Volumen von 1,66 Milliarden Dollar mit Produkten wie Autos, Schmuck oder Edelmetallen. Hintergrund dafür sind offenbar Vergeltungsmaßnahmen der Regierung in Ankara, die als Reaktion auf die US-Sonderzölle auf Stahl und Aluminium erlassen wurden.

Aber es gibt auch hausgemachte Probleme. Der wachsende Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die eigentlich unabhängige Zentralbank macht internationale Investoren nervös. Die Inflation in der Türkei ist auf mehr als 15 Prozent gestiegen, das Leistungsbilanzdefizit vergleichsweise hoch.

"Für die Türkei mit ihrem sehr hohen ausländischen Liquiditätsbedarf dürften sich die jüngsten politischen Weichenstellungen sowie die beginnende weltweite Normalisierung der Geldpolitik zu einer erheblichen Herausforderung entwickeln", sagt Lucas Irisik vom Vermögensverwalter Nikko Asset Management. "Denn steigende Finanzierungskosten könnten in naher Zukunft mit einer deutlichen Verlangsamung der heimischen Wirtschaft zusammenfallen."

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