Montag, 24. September 2018

Die Networking-Plattformen der Super-Elite: Teil 1 Warum Georges Soros bei meinem Anruf gehörig der Appetit verging 

Einer der mächtigsten Investoren der Welt: George Soros, hier auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2015.

In ihrem Buch "Super Hubs" beschreibt Sandra Navidi zum Teil aus eigener Erfahrung, wie aus ihrer Sicht die Finanzelite und deren Netzwerke die Welt regieren. In insgesamt fünf Teilen veröffentlichen wir eine von der Autorin leicht überarbeitete Fassung des Kapitel 7 "Members Only: Die exklusiven Networking-Plattformen der globalen Super-Elite". Dies ist Teil 1.

Auf dem Höhepunkt der Eurokrise 2010 arbeitete ich mit dem Ökonomen Nouriel Roubini in dessen Beratungsfirma, wo ich unter anderem auch in die Organisation von Kundendinnern involviert war. Zu solchen Diskussionsrunden mit Finanztitanen wie George Soros, Louis Bacon von Moore Capital, Steve Schwarzman von Blackstone, Michael Novogratz von Fortress, Dan Loeb von Third Point, Eric Mindich von Eaton Park und vielen anderen luden wir regelmäßig ein.

Die Abende begannen mit einem Cocktailempfang, an den sich ein Dinner anschloss. Nachfolgend gab Roubini zunächst seinen Wirtschaftsausblick und stellte ihn dann zur Diskussion mit den rund 15 Gästen. Derartige Zusammenkünfte sind in der Finanzwelt üblich und ich hatte schon zu vielen solcher Events geladen.

Sandra Navidi
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    Dirk Eusterbrock
    Sandra Navidi ist Gründerin der Unternehmensberatung Beyond Global. Zuvor arbeitete sie als Research Director mit Starökonom Nouriel Roubini, war Investmentbankerin und Chefjustiziarin. Sie ist in Deutschland und den USA als Rechtsanwältin zugelassen. Als Finanzexpertin hat sie über 500 Interviews in internationalen Medien gegeben und Vorträge auf zahlreichen Fachveranstaltungen gehalten.

Auch bei meinem vorherigen Arbeitgeber, Scarsdale Equities, waren solche Treffen seit den Sechzigerjahren eine Firmentradition. 1 Zweimal in der Woche empfingen wir rund ein Dutzend Lunch-Gäste im legendären Rainbow Room an der Spitze des Rockefeller Plaza, dem eindrucksvollen Wahrzeichen New Yorks, in dem sich auch unsere Büros befanden. Der festliche kreisförmige Saal auf der 65. Etage schwebte wie ein Glasturm über der Skyline von Manhattan. Schwere, mit Kristall behangene Kronleuchter und verspiegelte Dekorationen reflektierten das Sonnenlicht und tauchten die aufwendig gedeckten Tische und goldenen Stühle in ein warmes Licht.

Betrieben wurde das Restaurant von der berühmten Cipriani-Gastronomiefamilie, die das reichhaltigste und köstlichste Buffet von ganz New York zubereitete. Dies war sogar für verwöhnte Wall-Street-Finanziers etwas Besonderes, und viele bekannte Investoren ließen es sich trotz des zeitraubenden New Yorker Stadtverkehrs nicht nehmen, mit ihresgleichen Investmentideen im Himmel über New York auszutauschen. Danach schickten wir eine protokollierte Zusammenfassung der Gespräche an unsere Kunden.

Nun mit der Organisation des Roubini-Dinners betraut, durchstöberte ich mein Adressbuch. Ganz oben auf meiner Einladungsliste stand George Soros, der in der Vergangenheit schon häufiger meinen Einladungen gefolgt war.

Das Buch

Sandra Navidi
Super Hubs: Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren


FinanzBuch, 320 Seiten, gebunden, Januar 2016, 19,99 Euro

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Dieses Mal jedoch wies er sie zu meiner Überraschung recht schroff zurück. Wie sich herausstellte, hatte das Wall Street Journal gerade einen Bericht über ein kürzlich stattgefundenes Dinner veröffentlicht. Die relativ unbekannte Investmentfirma Monness Crespi hatte 18 Hedgefonds-Manager zu einer Dinner Diskussion eingeladen, die ein PR-Desaster ausgelöst und ein unerwartetes rechtliches Nachspiel hatte.

Laut der Zeitung hatten die Anwesenden über den Niedergang des Euro diskutiert. Der Artikel legte nahe, dass die Manager aufgrund dieser Diskussion gegen den Euro gewettet hatten, was zusätzlichen Druck auf die Währung und die gerade mit der Rettung Griechenlands beschäftigte Europäische Union ausübte. Ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat von George Soros über das mögliche Auseinanderbrechen des Euro, sowie die Erwähnung der Hedgefonds-Legende David Einhorn, der frühzeitig vor der Lehman-Krise gewarnt hatte, wurden als Bestätigung dafür ausgelegt, dass sich ein Rudel von Hedgefonds-Managern zusammengerottet hatte, um den Euro und Griechenland anzugreifen.

Diese Darstellung, die der öffentlichen Wahrnehmung in die Hand spielte, dass viele Hedgefonds sich während der Finanzkrise in unziemlicher Weise auf Kosten anderer bereichert hätten, löste eine Untersuchung der Kartellabteilung des Justizministeriums aus. Einige Hedgefonds-Manager wurden aufgefordert, alle Handelsaufzeichnungen bezüglich des Euro zwecks einer Untersuchung auf Absprachen und Marktmanipulationen aufzubewahren.

Darüber hinaus kündigte die Europäische Kommission eine Untersuchung des Handels von Kreditausfallversicherungen angesichts der sich zuspitzenden Griechenlandkrise an, um die Ausnutzung der Notlage von Ländern durch Finanzfirmen zu unterbinden. 2 Allerdings wäre eine merkliche Einflussnahme auf den Eurokurs und die Herbeiführung einer Landespleite für eine kleine Gruppe von Hedge-Fonds Managern recht schwierig, da global täglich Euros in einem Volumen von über 1 Billionen Dollar gehandelt werden. Abgesehen davon ist ein lediglich zu Informationszwecken stattfindender Gedankenaustausch hinsichtlich eines Währungskurses völlig legal.

Schlussendlich stellte sich heraus, dass das Wall Street Journal den Sachverhalt unzutreffend dargestellt hatte. Im Gegensatz zu der ursprünglichen Behauptung, hatte das Dinner nicht bei einem privaten Gastgeber im Geheimen stattgefunden, sondern in einem öffentlichen Restaurant. Aus dem aufgezeichneten, 145 Minuten dauernden und 23 Themen umfassenden Gespräch ging hervor, dass sich an der dreieinhalb Minuten dauernden Diskussion über den Euro lediglich drei der anwesenden Manager beteiligt hatten.

Als ich Soros auf den Vorfall ansprach, antwortete dieser trocken: "Glaub mir, wenn ich eine tolle Investmentidee hätte, wäre das Letzte, was ich tun würde, sie mit anderen zu teilen." Angesichts der negativen Berichterstattung und potenzieller rechtlicher Folgen hatte Soros zumindest vorübergehend seinen Appetit verloren. Nach diesem Vorfall wurden die Manager in ihren Äußerungen noch vorsichtiger. (...)

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