Mittwoch, 18. Juli 2018

Die Networking-Plattformen der Super-Elite: Teil 2 Wie Wladimir Putin in Davos die Konzerneliten umgarnte - und umgekehrt

Häufiger in den Schweizer Bergen: Wladimir Putin, hier 2009 bei der Eröffnung des WEF in Davos als Ministerpräsident Russlands.

In ihrem Buch "Super Hubs" beschreibt Sandra Navidi zum Teil aus eigener Erfahrung, wie aus ihrer Sicht die Finanzelite und deren Netzwerke die Welt regieren. In insgesamt fünf Teilen veröffentlichen wir eine von der Autorin leicht überarbeitete Fassung des Kapitel 7 "Members Only: Die exklusiven Networking-Plattformen der globalen Super-Elite". Dies ist Teil 2.

Für die Finanzelite ist das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos jeden Januar der Ausgangspunkt ihrer jährlichen Migrationsroute. Das dortige Zusammentreffen multidimensionaler Netzwerke überbrückt Silodenken und ermöglicht gegenseitige Befruchtung.

Aufgrund der über 700 Medienvertreter aus aller Welt und der Liveübertragung im Internet ist das WEF transparent. Zugang zu den begrenzten Plätzen kann nicht erkauft werden, und das WEF behält sich die Zulassung aufgrund strenger Auswahlkriterien vor, wie beispielsweise Beiträgen zum Allgemeinwohl, akademische Meriten oder innovative Ideen. Vertreter gemeinnütziger und kultureller Organisationen sowie herausragende junge

Sandra Navidi
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    Dirk Eusterbrock
    Sandra Navidi ist Gründerin der Unternehmensberatung Beyond Global. Zuvor arbeitete sie als Research Director mit Starökonom Nouriel Roubini, war Investmentbankerin und Chefjustiziarin. Sie ist in Deutschland und den USA als Rechtsanwältin zugelassen. Als Finanzexpertin hat sie über 500 Interviews in internationalen Medien gegeben und Vorträge auf zahlreichen Fachveranstaltungen gehalten.

Talente erlangen freien Zutritt.

Die meisten Teilnehmer müssen jedoch die exorbitant hohen Gebühren zahlen, die die Nachfrage allerdings nicht schmälern. Der jährliche Beitrag für die WEF-Mitgliedschaft, die zahlreiche internationale Events und Initiativen umfasst, beginnt bei 60.000 CHF für Einzelpersonen und reicht bis zu 600.000 CHF für strategische Partner. Fast alle großen Finanzunternehmen sind strategische Partner, und wenn man den 100.000-Dollar-Flug im Privatjet, die chauffierte Limousine und andere Ausgaben - wie für Partys, Dinners und Ähnlichem - hinzurechnet, belaufen sich die Kosten schnell auf über eine Million Dollar.

Strategische Partner haben Einfluss auf das Programm und privilegierten Zugang zu dem wertvollsten Gut des WEF: zu anderen hochkarätigen Teilnehmern, insbesondere Finanzpolitikern. Die meisten Sitzungen und Veranstaltungen stehen allen WEF-Teilnehmern offen, aber die IGWEL, "Informelle Treffen der Spitzenvertreter der Weltwirtschaft", beschränken sich auf die höchstrangigen Teilnehmer wie zum Beispiel Premierminister, Finanzminister, Außenminister, Zentralbankgouverneure, Finanzpolitiker, die Chefs von IWF und EZB, OECD-Generalsekretär, Bank- und Unternehmenschefs sowie führende Akademiker.

Dies ist die ideale Umgebung für Finanziers, um ihre Interessen zu fördern. Als Super-hubs gehören sie bereits zu den am besten vernetzten Teilnehmern, aber hier haben sie nochmals die ideale Gelegenheit, bestehende Beziehungen zu festigen und neue zu knüpfen. Mit Gleichgestellten können sie sich über ihre Industrien austauschen und gemeinsame Anliegen wie zum Beispiel eine Lockerung der Finanzregulierung direkt mit den anwesenden Finanzpolitikern besprechen. Da nirgendwo eine größere Anzahl ihrer besten Kunden an einem Ort versammelt sind, sind Banker und Fondsmanager ganz in ihrem Element. Top-Investoren wie George Soros, die weder Kunden haben noch suchen, nehmen diese Gelegenheit wahr, um den Puls des Marktes zu fühlen und sich bei Regierungschefs, Zentralbankern, Unternehmenslenkern und anderen Vertretern verschiedener Branchen über bevorstehende Entwicklungen zu informieren.

Welchen Platz man in der Hierarchie einnimmt, ist der Farbe des Namensschilds zu entnehmen. Vertreter von Königshäusern wie Prinz Haakon von Norwegen, König Abdullah von Jordanien oder Prinz Philippe von Belgien sowie Staats- und Regierungschefs wie Angela Merkel oder Wladimir Putin rangieren an der Spitze. Ein Mitglied des WEF-Stiftungsrats, und damit ebenfalls ganz oben in der Hackordnung, bemerkte einmal mit einem leicht entnervten Augenrollen, dass alle aufzustehen haben, wenn Königin Rania von Jordanien den Raum betritt. Vertreter von Königshäusern und Staats- und Regierungschefs fliegen normalerweise mit dem Helikopter ein und blockieren nachfolgend die engen Bergstraßen mit ihren sicherheitseskortierten Autokolonnen.

Tech-Genies wie Eric Schmidt und Sergej Brin von Google bekommen wegen ihres Coolness-Faktors ebenfalls den roten Teppich ausgerollt. Ein weiterer optischer Statusmarker ist die WEF-Fahrzeug-Vignette, die nur Teilnehmern mit großzügigstem Budget zur Verfügung steht. Mit ihr ausgestattete Limousinen werden durch fast alle Absperrungen gewunken und können ihre privilegierten Passagiere auch direkt in die Garage unterhalb des Konferenzzentrums bringen. Selbst in der exklusiven Davos-Blase sind einige Teilnehmer gleicher als andere. Und auch hier wird wieder das Netzwerkgesetz der Homophilie deutlich: Obwohl die Umgebung zu einem disziplinübergreifenden Austausch einlädt, scharen sich ähnliche Menschen häufig umeinander.

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