Mittwoch, 14. November 2018

Student loans in USA Studenten so hoch verschuldet wie nie

Abschlussfeier: Der Weg dorthin ist lang und teuer - zumindest in den USA

Noch nie waren amerikanische Studenten so hoch verschuldet: Auf 1,5 Billion Dollar ist die Schuldenlast angestiegen, unter der junge Akademiker in den USA leiden, bevor sie überhaupt angefangen haben zu arbeiten. Seit dem Studienjahr 2010/2011 haben sich die Schulden aus Studentendarlehen um etwa 500 Milliarden Dollar erhöht, berichtet die "Financial Times" (FT) und beruft sich auf Zahlen der Ratingagentur Standard and Poor's.

Die Ratingagentur gab aber auch bekannt, dass das Volumen der vergebenen Kredite jährlich geschrumpft sei. John Anglim von Standard and Poor's erklärte gegenüber der FT, Grund dafür seien Programme zur Zahlungsanpassung, die kurzzeitig Entlastung brächten, aber die Belastung langfristig sogar vergrößern könnten. Denn die mindestens zu leistenden Zahlungen würden zwar reduziert werden, allerdings nicht der langfristige Zinssatz.

"Die Kreditnehmer bleiben durch die geringeren Raten zwar flüssig, aber ihr Schuldensaldo wächst", sagt Anglim.

Die Verschuldung von Studenten kann sich möglicherweise zu einer größeren Finanzkrise entwickeln, fürchten Ökonomen wie Vincent Deluard, Stratege beim Finanzdienstleister INTL FC Stone. "Viele Millennials werden bankrott gehen, bevor sie überhaupt angefangen haben Geld zu machen", sagt er.

Ausfallraten bei Krediten könnten bald ansteigen

8,8 Prozent der 44 Millionen verschuldeten Studenten geraten in Zahlungsrückstand, besagt eine Statistik der Notenbank von New York. Das ist die niedrigste Quote seit zwölf Jahren. Grund sei der zurzeit robuste Arbeitsmarkt für junge Akademiker. Doch das Brooking Institut warnte in einem Report Anfang des Jahres, dass die Ausfallsraten bis 2023 auf 40 Prozent ansteigen könnten. Der Wirtschaftsverband Securities Industry and Financial Markets Association verweist darauf, dass sich das Wertpapiervolumen, das aus gebündelten Studentenkrediten konstruiert ist, am Ende des vergangenen Quartals auf mehr als 175 Milliarden Dollar belaufen habe. Das sei ein deutlicher Rückgang, verglichen mit den beinahe 243 Milliarden Dollar vor zehn Jahren.

Der Gläubiger für Studentendarlehen ist in 90 Prozent aller Fälle der Staat. Doch die Sorge, dass die Studentendarlehen heute das sein könnten, was die Hypotheken von Amerikanern mit schlechter Bonität für die Finanzkrise 2008 waren, weist Constantine Yannelis, Expertin für Studienkredite an der New Yorker Universität gegenüber dem Deutschlandfunk zurück. Die Schulden seien verglichen zur Größe der amerikanischen Wirtschaft verhältnismäßig gering. Außerdem fiele bei der Immobilienkrise der Wert der beliehenen Häuser, während Studenten von ihrem Studium einen finanziellen Mehrwert erhielten, der in der Regel nicht verfalle.

US-Studenten zahlen, Unis in Deutschland verzichten auf Studiengebühren

Doch auch wenn die Verschuldung von Studenten in den USA nicht zwingend ein Vorbote einer neuen Finanzkrise ist, belastet sie die amerikanische Wirtschaft. Junge Menschen können sich erst später ein Haus leisten oder ein Unternehmen gründen.

Anders als in den USA fallen in Deutschland für ein Erststudium keine allgemeinen Studiengebühren an. Eine Erhebung des Deutschen Studentenwerks hat 2016 jedoch ergeben, dass der finanzielle Druck auf die Studierenden zunehme. Gründe seien massiv wachsende Mietkosten sowie eine staatliche Unterstützung durch das Bafög, dessen Höchstsatz aktuell bei 735 Euro liegt. In den fünf Jahren, die mindestens bis zum Master-Abschluss benötigt werden, kommen je nach Region und Fachrichtung zwischen 34.200 und 66.000 Euro zusammen. Das sind zwischen 570 und 1100 Euro im Monat.

Nebenjob oder Zuwendungen von Eltern werden immer wichtiger

Um studieren zu können, sind immer mehr Studenten von Zuwendungen ihrer Eltern abhängig. Diese leisten laut Studie durchschnittlich 541 Euro im Monat, 2014 waren es noch 481. Der Anteil an Studenten mit Nebenjob stieg innerhalb von vier Jahren um sechs Punkte auf 68 Prozent. 20 Prozent der rund 2,8 Millionen immatrikulierten Studenten empfängt zurzeit Bafög und erhält monatlich im Durchschnitt knapp 500 Euro. Fünf Jahre nach Studienende müssen Bafög-Empfänger die Hälfte ihres zinsfreien Darlehens in Raten von 105 Euro im Monat zurückzahlen. Die höchste Summe, die sie rückzahlen müssen, liegt bei 10 000 Euro.

Höhere Schulden haben Studenten, die einen Studienkredit aufnehmen. Laut eines Studienkredittests des Centrums für Hochschulentwicklung nehmen aktuell rund 100.000 Studenten einen Kredit auf, weitere 180.000 haben ihr Studium abgeschlossen und sind in der Rückzahlungsphase. 84 Prozent der Kredite vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Wer bei der KfW einen Studienkredit aufnimmt, erhält monatlich zwischen 100 und 650 Euro und zahlt die Kreditsumme mit Zinsen nach zwei Jahren zurück. Der Effektzins liegt zurzeit bei rund 3,6 Prozent.

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