Dienstag, 26. Juli 2016

Wer spart, muss zahlen Strafzinsen auf Sparbüchern und Girokonten "bald Normalität"

Das wird teuer: Geld auf dem Sparbuch bringt schon seit Jahren keine Zinsen mehr, wenn man die Inflation abzieht. Nach Einschätzung führender Bankmanager müssen Sparer bald auch einen Strafzins zahlen, wenn sie hohe Beträge auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto deponieren

Wer Geld aufs Sparbuch bringt, muss zahlen: Eine Bank in Deutschland verlangt bereits Strafzinsen von Kunden, die hohe Summen auf Tagesgeld- oder Girokonten parken. Nach Einschätzung des obersten Vermögensverwalters der Deutschen Bank werden solche Strafzinsen bald Normalität sein.

Frankfurt - Die EZB hat es mit ihrem negativen Einlagenzins vorgemacht: Nach Einschätzung von Bank-Managern werden bald auch in Deutschland private Sparer, die größere Summe auf ihrem Girokonto oder einem Sparbuch deponieren, dafür zur Kasse geben.

"Einige wenige Banken berechnen ihren Kunden jetzt schon negative Zinsen", sagte Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der Deutschen Asset & Wealth Management, der "Welt am Sonntag". "Das dürfte angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bald keine Seltenheit mehr sein".

Tabubruch der Deutschen Skatbank

Seit Samstag verlangt die Deutsche Skatbank von Kunden, die große Summen auf Tagesgeld- oder Girokonten parken, einen Strafzins von 0,25 Prozent. Der Tabubruch der kleinen Direktbank aus Thüringen soll nach den Vorstellungen des Raiffeisen- und Volksbanken-Verbandes BVR und des Sparkassenverbands DSGV zwar ein Einzelfall bleiben. "Der BVR spricht sich weiterhin gegen negative Zinssätze für Einlagen von Privatkunden aus", sagte eine BVR-Sprecherin vor wenigen Tagen.

"Strafzinsen treffen bald auch Privatkunden"

Deutsche-Bank-Manager Wöhrmann teilt diese Einschätzung offenbar nicht. Strafzinsen, die bislang höchstens für Geschäftskunden gelte, träfen bald auch Privatkunden, sagte der Deutsche-Bank-Manager. Dann werde "hoffentlich jedem klar, dass es sich nicht lohnt, immer mehr Geld auf Sparkonten herumliegen zu lassen", so Wöhrmann. "Statt sich arm zu sparen, müssen wir Deutschen wieder mehr konsumieren und gleichzeitig vernünftig investieren", sagte der Anlagestratege der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt Strafzinsen von Banken, die Geld bei ihr kurzfristig parken. Sie setzt darauf, dass die Banken das Geld lieber weiterverleihen an Unternehmen und Haushalte und die Konjunktur insbesondere in den Euro-Krisenländern ankurbeln.

Bei der Deutschen Skatbank zahlen bisher jedoch nur Kunden den Strafzins, die mehr als 500.000 Euro auf dem Tagesgeld-Konto haben - allerdings erst dann, wenn die Gesamteinlagen des Kunden drei Millionen Euro überschreiten.

Verbraucherschützer rechnen nicht damit, dass Millionen Sparern Negativzinsen für ihre Guthaben bei Banken und Sparkassen drohen. "Negativzinsen im großen Stil kann sich die Branche vor dem Hintergrund des Vertrauensverlustes durch die Finanzkrise nicht leisten", sagte Christian Ahlers vom Verbraucherzentralen Bundesverband am Montag.

FAZ: Auch Depotbanken erheben Strafgebühren

Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" zufolge erheben inzwischen auch Depotbanken Strafgebühren und treffen somit Anleger, die beispielsweise in Aktienfonds investieren. Banken hätten einzelne Fondsmanager und Vermögensverwalter darüber informiert, dass sie nun negative Einlagenzinsen zahlen müssen - und zwar auf all jene Kundengelder, die die jeweilige Bank als Depotbank für die Investmentfonds verwaltet, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ihr vorliegende Schreiben. In unruhigen Börsenzeiten halten manche Fondsmanager bis zu zehn Prozent der ihnen anvertrauten Gelder in bar - auf diese Gelder, die schnell Millionen ausmachen können, müssten sie Strafzinsen zahlen.

Dombret: Strafzinsen verleiten Investoren zu riskanten Entscheidungen

Bundesbank-Vorstandsmitglied Andreas Dombret warnte, dass niedrige Zinsen Investoren zu riskanteren Entscheidungen verleiten könnten. Er sehe "das Risiko von Blasen, zum Beispiel am Immobilienmarkt", sagte Dombret in einem Interview der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe) laut Vorabbericht.

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la/Reuters

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