Finanzen

15.10.2015  Langweilige Meetings

Wie Jeff Bezos und Oprah Winfrey dem Meeting-Tod entkommen

Von

DPA

Großer Volkskongress in China: Meetings sind ineffizient und langweilig, wenn sie nicht gut geführt werden

Diese Zahlen klingen irre, aber sie stimmen: In einem durchschnittlichen Konzern verbringt allein die Führungsmannschaft 7000 Stunden pro Jahr in Meetings. Inklusive Vor- und Nachbesprechungen sind es sogar 300.000 Stunden, wie die Unternehmensberatung Bain in den USA ermittelt hat. In 17 untersuchten US-Konzernen, so Bain, verbrachten die Mitarbeiter von 40 Wochenstunden im Schnitt 21 in Konferenzen.

Viele werden jetzt sagen: Mit ihrer Meeting-Manie stehen die Amerikaner nicht alleine da. Den Bain-Experten zufolge ist das aber ein ziemliches Problem. Acht von den 21 Konferenzstunden pro Woche waren überflüssig, so die Studie.

Emails checken, Smartphone surfen, dösen - jeder kennt das. Gefragt sind daher die Führungskräfte, die solche Meetings leiten. Sie müssen für Effizienz sorgen und Zeitverschwendung vermeiden. Die Frage ist nur: wie? Antwort: Zum Beispiel mit den Methoden, die auch einige der namhaftesten Manager unserer Zeit nutzen (oder genutzt haben).

Hier die besten:

REUTERS

Gefürchtet: Visionär Musk gilt als harter Manager - auch in Besprechungsrunden

Elon Musk, unter anderem Chef des Elektroautobauers Tesla , gilt als visionärer Unternehmer. Und er ist bekannt für seine strenge Unternehmensführung.

Was das für Mitarbeiter im direkten Kontakt bedeutet, lässt sich in einschlägigen Internetforen nachlesen. Demnach ist bei Meetings mit Musk vor allem eine gründliche Vorbereitung gefragt. Weiß ein Mitarbeiter auf eine Frage des Meisters keine Antwort - dann viel Glück.

AP

Digitaler Job, analoge Methoden: Facebooks Sheryl Sandberg greift noch zu Stift und Zettel

Sheryl Sandberg ist bekannt für eine Marotte, die in digitalen Zeiten ein wenig anachronistisch anmuten mag: Ins Meeting kommt sie selten ohne ihr Ringbuch, wie das US-Magazin "Fast Company" einmal berichtet hat. Alle Punkte, die die wichtigste Frau bei Facebook besprechen will, seien darauf verzeichnet - und würden nacheinander feinsäuberlich abgehakt. Ist Sandberg mit einer Seite durch, reißt sie sie heraus und geht zur nächsten über.

Unterm Strich steigert die Methode die Effizienz der Sandberg-Meetings offenbar immens: Ein Treffen, das für Stunden angesetzt worden sei, könne die Managerin damit nicht selten schon nach zehn Minuten beenden, so der Bericht.

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Freund weniger Meinungen: Apple-Ikone Jobs hielt Besprechungen am liebsten im kleinen Kreise ab

Steve Jobs hat Apple mit dem schlanken Design von iPod, iPhone und iPad zum erfolgreichsten Unternehmen der Welt gemacht. In seinen Meetings legte der verstorbene Firmengründer ebenfalls Wert auf Minimalismus: Zu viele Köpfe im Raum waren ihm ein Graus, denn das störte sein Ideal von Einfachheit.

Hatte Jobs das Gefühl, jemand sei für eine Besprechung nicht erforderlich, so kam es Berichten zufolge durchaus vor, dass er denjenigen - freundlich aber bestimmt - vom Konferenztisch entfernte. Jobs selbst hielt sich allerdings auch an seine Regeln: Eine Einladung des US-Präsidenten Barack Obama ins Weiße Haus schlug er seinem Biografen Walter Isaacson zufolge einst aus, weil ihm die Gästeliste zu lang war.

AP/dpa

Wie war das noch mit jenem Detail? Yahoo-Chefin Mayer weiß gern alles ganz genau

Die Methode von Marissa Mayer wirkt auf den ersten Blick, als eigne sie sich nicht unbedingt dazu, Meetings effizienter zu machen - doch das kann täuschen. Die Yahoo-Chefin sei bekannt dafür, zu allem, was an sie herangetragen werde, sehr viele Detailfragen zu stellen. Wie wurde das ermittelt? Welche Research-Methode wurde angewendet? Wie wurde es verifiziert? Solche und weitere Fragen seien typisch für die Managerin.

Das mag langatmig klingen. Mayer weiß aber vermutlich, dass diese Fragen früher oder später ohnehin auftauchen werden - und hakt sie lieber sofort ab.

AP

Ein Mann, ein Masterplan: Google-Gründer Page hat einen Meeting-Leitfaden für seine Leute entworfen

Von Google-Gründer Larry Page gibt es sogar einen kompletten Leitfaden, in dem er seine Mitarbeiter wissen lässt, wie sie ihre Meetings effizienter führen sollen. Zum Beispiel schlägt Page vor, für jedes Meeting einen Entscheider zu bestimmen.

Noch wichtiger jedoch ist vielleicht der Punkt auf Pages Liste, mit dem er in Frage stellt, ob ein Meeting überhaupt erforderlich ist. Keine Entscheidung, so der Google-Gründer, sollte warten müssen, bis eine Besprechung dafür stattgefunden hat.

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Multitask-fähig: Nike-Chef Parker entwirft Produkte am liebsten während Konferenzen

Nike-Chef Mark Parker herrscht nicht nur über das Milliardengeschäft des Sportartikelherstellers, er entwirft zum Teil auch dessen Produkte. Um beides miteinander kombinieren zu können, kommt Parker häufig mit einem jener berühmten Moleskine-Notizbücher zu Besprechungen.

Der Business Insider (BI) etwa berichtet über ein Meeting Parkers aus dem Jahr 2009 mit dem damaligen Radstar Lance Armstrong. Während der Besprechung kritzelte der Nike-Mann ununterbrochen in seinem Büchlein herum, so der Bericht. Als Armstrong am Ende darum bat, die Zeichnung sehen zu dürfen, habe ihm Parker einen "perfekten Schuh" präsentiert.

Nun könnte man einwenden, es sei nicht sehr höflich, während eines Meetings, noch dazu mit einem prominenten Partner, einen Schuh zu entwerfen. Zudem zeigt es womöglich, dass die Besprechung nicht wirklich fesselnd gewesen sein kann. Doch Parker verteidigt seine Arbeitsweise: So könne er den Design-Teil und den Business-Teil seines Jobs gut im Gleichgewicht halten, sagte er laut BI.

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Streitbarer Geist: Amazon-Gründer Bezos fordert Widerspruch von seinen Führungskräften

Nichts hasst Jeff Bezos offenbar so sehr wie Zustimmung und Harmonie. Seinen Unternehmensprinzipien zufolge sind seine Führungskräfte dazu aufgefordert, bei jeder Gelegenheit zu widersprechen und hartnäckig zu diskutieren, bevor eine Entscheidung fällt.

Außerdem hasst der Amazon-Chef auch PowerPoint-Präsentationen, wie der Business Insider schreibt. Mitarbeiter sollten ihre Vorschläge lieber vorab zu Papier bringen und im Meeting dann nur noch Fragen beantworten.

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Nicht mit mir: US-Talkshow-Legende Winfrey kann Meetings nicht ausstehen

Hierzulande ist das nicht so bekannt, aber die US-Amerikanerin Oprah Winfrey ist mit einem von "Forbes" geschätzten Vermögen von drei Milliarden Dollar nicht nur eine der reichsten Frauen der Welt, sondern mit ihrem Oprah Winfrey Network auch eine der unternehmerisch aktivsten.

In Bezug auf Meetings führt das die einstige Talkshow-Ikone zu einer radikal klaren Einstellung: Am liebsten hat sie gar keine.

Winfrey bittet ihre Mitarbeiter, ihr lieber detaillierte Emails zu schreiben, so der Business Insider. Einmal habe sie geschlagene 20 Minuten am Telefon damit verbracht, die Einberufung einer persönlichen Besprechung mit ihr zu verhindern.

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Unter vier Augen: Investor Horowitz bevorzugt Einzelgespräche

Ben Horowitz ist Tech-Gründer und einer der bekanntesten Venture-Capital-Investoren weltweit. Laut Business Insider hat sich der Manager viele Gedanken über die optimale Kommunikation in Unternehmen gemacht.

Ergebnis: Um mit seinen Mitarbeitern Ideen oder Kritik auszutauschen, bevorzugt Horowitz Einzelgespräche. Dabei lässt er sich von seinen Untergebenen stets vorab die gewünschte Agenda senden, um zu erfahren, ob die Besprechung überhaupt erforderlich ist, und um die nötige Zeit besser planen zu können.

Wichtig: Im Gegensatz zu vielen anderen Chefs beansprucht Horowitz für sich selbst lediglich 10 Prozent der Redezeit. Den Rest hört er zu.

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Acht Stunden Sitzung einmal im Monat: Microsoft-Chef Nadella mag gründliche Besprechungen

Wer jemanden sucht, der Besprechungen eher aus dem Wege geht, ist bei Satya Nadella an der falschen Adresse. Der Microsoft-Chef scheint sich am Konferenztisch vielmehr recht wohl zu fühlen. Regelmäßig einmal im Monat trifft er sich mit seinen wichtigsten Führungskräften zu achtstündigen Marathonsitzungen. Und wer glaubt, danach müsste das wichtigste besprochen sein, irrt: Jede Woche freitags stehen bei Nadella weitere vier Stunden in gleicher Runde auf dem Programm.

Alle Manager müssten auf Ballhöhe bleiben, sagt Nadella sinngemäß zu seiner Verteidigung. Sonst zerfalle jedes Unternehmen in seine Einzelteile.

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