Donnerstag, 13. Dezember 2018

Ehemaliger Fußball-Nationalspieler Stefan Effenberg geht unter die Banker

Stefan Effenberg wird künftig dem "Firmenkunden-Kompetenzteam Fußball" der VR-Bank Bad Salzungen angehören
Bongarts/Getty Images
Stefan Effenberg wird künftig dem "Firmenkunden-Kompetenzteam Fußball" der VR-Bank Bad Salzungen angehören

Der frühere Fußball-Nationalspieler Stefan Effenberg startet eine "zweite" Karriere - und heuert nach Informationen von "Finanz-Szene.de" im Firmenkundengeschäft der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden an. Ein Sprecher des Instituts erklärte gestern Nachmittag auf Anfrage: "Wir stehen mit Herrn Effenberg seit längerem in einem gedanklichen Austausch zum Thema Fußball-Finanzierung. Das Ergebnis dieser Sondierungen sieht so aus, dass Stefan Effenberg in Zukunft unserem 'Firmenkunden-Kompetenzteam Fußball' angehören wird."

Über den Umfang der Tätigkeit machte der Sprecher keine Angaben. Allerdings stellte er klar, dass es sich bei dem Engagement weder um einen Marketing-Gag noch um eine reine Repräsentationstätigkeit handele. "Herr Effenberg wird ein regulärer Mitarbeiter unserer Bank, was zum Beispiel bedeutet, dass er einen ganz normalen Vertrag erhält und ganz normal in unserem Organigramm geführt wird."

So schräg das alles klingen mag - die Liaison zwischen der thüringischen Genossenschaftsbank und dem einstigen Champions-League-Sieger kommt nicht ganz so unvermittelt, wie es im ersten Moment scheint. Mitte November hatte zunächst der "Spiegel" berichtet, dass sich der spanische Spitzenklub Atletico Madrid bei der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden einen Kredit über 10 Millionen Euro besorgt hatte.

Kurz darauf deckte "Finanz-Szene.de" auf, dass das Kreditbuch der vermeintlich stinknormalen thüringischen Genossenschaftsbank per Ende 2017 zu gut 13 Prozent aus Fußball-Engagements bestand. Atletico Madrid ist demnach nur ein Kunde unter vielen. Gesichert ist zum Beispiel, dass der 1. FC Köln bei den Thüringern eine Kontokorrentlinie hat - die jedoch noch nie in Anspruch genommen wurde, wie der Klub betont.

Effenberg nimmt bereits an einer Managementschulung teil

Der Link zwischen der kleinen VR Bank und der weiten Welt des Fußball scheint die - laut Eigenbeschreibung auf "Working-Capital-Finanzierung von Profifußballvereinen" spezialisierte - Münchener Investmentfirma Score Capital zu sein. Dort firmiert als Aufsichtsratschef der frühere thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus, der auch dem Aufsichtsrat der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden angehört.

Effenberg wiederum, der als TV-Experte beim Bezahlsender Sky öffentlich nach wie vor präsent ist, nimmt seit Anfang April an einem modulartigen Management-Programm der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) im rheinland-pfälzischen Montabaur teil. "Die Vermutung liegt nahe, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hat", sagt ein Insider.

Jedoch sei unklar, ob sich Effenberg und die Vertreter der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden über die ADG-Schiene kennenlernten. Oder ob die Verbindung schon vorher bestand - und Effenberg überhaupt erst dank der Vermittlung der Thüringer zu dem Lehrgang zugelassen wurde. Denn: Wie das Internetportal "T-Online" im April in einem Artikel über Effenberg schrieb, ist das Seminar "eigentlich Topmanagern und Bankvorständen vorbehalten".

So oder so: In dem damaligen Artikel äußert sich der inzwischen 50-Jährige durchaus seriös und ambitioniert: "Während einer Karriere hast du immer wieder mit Vermögensberatung und Geldanlagen zu tun, bekommst da sehr viel mit. Für mich ist das ein Grund gewesen, zu sagen: Ich möchte in dem Bereich noch mehr Verständnis haben, die Materie auch im Detail durchblicken und in die Tiefe gehen."

Der Text erschien in einer leicht anderen Version zuerst bei unserem Inhalte-Partner finanz-szene.de. Eine Übersicht über unsere Inhalte-Partner finden Sie hier.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikel stand, als gesichert dürfe gelten, dass sich der 1. FC Köln bei den Thüringern frische Liquidität besorgt habe. Das war falsch. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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