Montag, 19. November 2018

Brasilien abgestuft Standard & Poor's gibt den Spielverderber

Stolz und voller Erwartung: Brasilien fiebert der Fußball-WM entgegen, doch die Bonitätswächter von Standard & Poor's versetzen dem Land einen empfindlichen Stimmungsdämpfer

Das ist keine gute Werbung: Wenige Monate vor der Fußball-WM senkt Standard & Poor's den Daumen über Brasilien. Die Bonitätsnote des Landes liegt damit nur noch eine Stufe über Ramschniveau. Am Zuckerhut ist man darüber ziemlich aufgebracht.

Brasilia - Brasilien hat die Herabstufung seiner Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) als "haltlos" zurückgewiesen. Die Senkung widerspreche der Solidität und den wirtschaftlichen Fundamenten Brasiliens, heißt es in einer Erklärung des Finanzministeriums.

In der Zeiten der 2008 begonnenen Finanzkrise habe das Land eine der stärksten Wachstumsraten unter den G20-Ländern aufgewiesen, und 2013 sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,3 Prozent gestiegen und damit stärker als in den meisten G20-Ländern.

Zudem habe Brasilien 2013 einen primären Haushaltsüberschuss von 1,9 Prozent des BIP ausgewiesen, was ausreichend gewesen sei, um die öffentliche Bruttoverschuldung von 58,8 auf 57,2 Prozent zu senken, argumentiert die brasilianische Regierung.

Brasiliens Wirtschaftswachstum hat allerdings deutlich nachgelassen. 2010 lag das Plus noch bei rund 7 Prozent. Brasiliens langjähriger Präsident Lula hatte wichtige Reformen nicht schnell genug vorangetrieben. Der Aufbau des Industriesektors zum Beispiel kam in den acht Jahren seiner Regierungszeit nur in wenigen Branchen voran. Häfen, Straßen und Stromleitungen brauchen fast überall im Land eine Generalüberholung. Lulas Nachfolgerin Dilma Rousseff tut sich schwer, diese Probleme anzugehen.

S&P hatte Brasilien von "BBB" auf "BBB-" herabgestuft. Damit liegt das Land nur noch eine Stufe vor dem sogenannten Ramschniveau, mit dem spekulative Anlagen gekennzeichnet werden. Die Agentur begründete die Herabstufung mit bestehenden Haushaltsrisiken und des auch in den kommenden zwei Jahren zu erwarteten relativ niedrigen Wirtschaftswachstums.

rei/dpa-afx/afp

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