Donnerstag, 26. Mai 2016

Wölbern-Prozess Staatsanwalt fordert 12 Jahre Haft - und Schulte zwinkert ins Publikum

Schwere Vorwürfe vom Staatsanwalt: Heinrich Maria Schulte soll laut Plädoyer des Anklägers für zwölf Jahre hinter Gitter

Um 14.35 Uhr am Mittwochnachmittag kommt Heyner Heyen endlich zum Punkt. "Der Angeklagte ist schuldig der Untreue in 327 besonders schweren Fällen", sagt der Staatsanwalt und leitet damit den Teil seines Plädoyers ein, der die rechtliche Würdigung des Falles Heinrich Maria Schulte enthält.

Schulte habe von August 2011 bis September 2013 insgesamt 147 Millionen Euro aus geschlossenen Immobilienfonds des Emissionshauses Wölbern Invest abgeschöpft und unrechtmäßig verwendet, so der Staatsanwalt. 31 Millionen davon seien wieder zurückgeführt worden, sodass offene Verbindlichkeiten gegenüber den Fonds und ihren Anlegern in Höhe von 115,9 Millionen Euro blieben.

Seine Handlungen habe Schulte zudem "gewerbsmäßig" unternommen, so der Staatsanwalt, denn der frühere Inhaber und Chef von Wölbern Invest habe sich damit eine dauerhafte Einnahmequelle verschafft. Zudem unterstellt Heyen dem Angeklagten "direkten Vorsatz". Schulte seinerseits bestreite die Vorwürfe bis heute.

Dann der Moment auf den alle warten: Am Ende seines etwa zweistündigen Vortrags listet der Staatsanwalt sämtliche 327 Einzeltaten auf, die er Schulte zur Last legt, und nennt die aus seiner Sicht jeweils angemessene Strafe. In der Summe, so Heyen schließlich, beantrage er für den Medizinprofessor und Finanzunternehmer eine Haftstrafe von zwölf Jahren.

Schulte aufmerksam, aber regungslos

Der Angeklagte, der dem Staatsanwalt im mit etwa 20 Zuschauern gut gefüllten Saal 378 des Langerichts am Hamburger Sievekingplatz direkt gegenüber sitzt, nimmt die Worte Heyens beinahe reglos zur Kenntnis. Schulte - dunkler Anzug, blaues Hemd, silberne Krawatte - hat dem Plädoyer aufmerksam gelauscht. Zwischendurch ein leichtes Kopfschütteln, am Ende ein kurzes Zwinkern ins Publikum, mehr Reaktion ist jedoch kaum zu erkennen.

Dabei hat der Staatsanwalt einiges aufgefahren: Heyen lässt noch einmal den kompletten Fall Wölbern Invest Revue passieren, vom Kauf des Bankhauses Wölbern durch den Mediziner und Finanzinvestor Schulte im Jahr 2006 über die offensichtlich werdenden Liquiditätsprobleme etwa ab 2008 und die drohende Insolvenz bis zu den gegenwärtig vor Gericht zur Verhandlung stehenden Aktivitäten Schultes und seiner Berater von 2011 bis 2013.

Im Großen und Ganzen wiederholt der Staatsanwalt, was er bereits in der Anklageschrift zu Beginn des Prozesses festgehalten hat. Die Vorwürfe hätten sich während der Verhandlung bestätigt, sagt er gleich zu Beginn.

Ex-Wölbern-Chef Schulte habe die Millionen aus den Fonds von vornherein mit krimineller Absicht entnommen, so Heyen. Mit Hilfe seiner Berater habe er ein System zur Täuschung und Verschleierung entworfen. Viele Millionen Euro habe er für private Zwecke verwendet, und dass offenbar ohne jegliche Bedenken. Kein einziger Cent dagegen sei so angelegt worden, wie dies der Angeklagte vorgegeben habe, nämlich entweder in Form festverzinslicher Bankanlagen oder in Form von Darlehen an andere Wölbern-Fonds.

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