Freitag, 14. Dezember 2018

Turbulenzen an den Finanzmärkten Aktien und Bonds unter Druck - kommt die Euro-Krise zurück?

Euro in Gefahr: Die Ereignisse in Italien wecken Erinnerungen an die Griechenland-Krise vor einigen Jahren.

Die Aktienmärkte in Aufregung, der Euro auf Talfahrt, die Anleihen südeuropäischer Staaten unter hohem Druck - an den Finanzmärkten macht momentan vor allem eine Frage die Runde: Kommt die große Euro-Krise zurück, wie sie bereits vor acht Jahren den Kontinent in Atem hielt?

Seinerzeit hieß das Sorgenkind Griechenland. Das unter einem riesigen Schuldenberg leidende Land drohte die Euro-Zone zu verlassen, was für enorme Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgte. Erst mithilfe milliardenschwerer Rettungsschirme und anderer geldpolitischer Maßnahmen gelang des der Politik und der Europäischen Zentralbank (EZB), die Lage wieder zu beruhigen.

Dieses Mal heißt das Sorgenkind Italien. Dort sind die Euro-kritischen Kräfte aus den jüngsten Wahlen gestärkt hervorgegangen. Zwei von ihnen, die 5-Sterne-Bewegung sowie die Lega-Nord, wollen sogar eine Regierung bilden. Das ist zwar im ersten Anlauf gescheitert. Angesichts der aktuellen Regierungskrise in Rom erscheinen Neuwahlen womöglich bereits im Juli jedoch nicht ausgeschlossen - dann könnten die Euro-Skeptiker noch stärker abschneiden.

Hinzu kommt Italiens prekäre wirtschaftliche Lage: Italien hat nach Griechenland die höchste Staatsverschuldung in der Euro-Zone, nämlich mehr als 130 Prozent der Wirtschaftsleistung - erlaubt sind eigentlich nur 60 Prozent.

Nach einer langen Rezession wächst die Wirtschaft erst wieder seit 2015, aber nur schwach. Dieses Jahr werden 1,4 Prozent erwartet. Die Arbeitslosigkeit verharrt mit rund 11 Prozent auf hohem Niveau. Reformen sind in den vergangenen Jahren von der damaligen sozialdemokratischen Regierung zwar teils angegangen worden, aber nicht genug. Viele fühlen sich abgehängt.

Das nutzt Parteien wie der rechten Lega und der Anti-Establishment-Partei 5 Sterne. Sie haben trotz der hohen Schulden Steuersenkungen und ein Grundeinkommen versprochen, das aber kaum finanzierbar ist. Zudem hat sich ihre Anti-Europa-Rhetorik immer weiter verschärft.

Kein Wunder also, dass an den Finanzmärkten Unruhe herrscht. Ihren Höhepunkt erreichten die Turbulenzen bislang am gestrigen Dienstag, als die Renditen italienischer Staatsanleihen erstmals seit Jahren auf mehr als 3 Prozent stiegen. Gleichzeitig brachen in Italien und an weiteren wichtigen Handelsplätzen bis hin zur Wall Street die Aktienkurse ein, wobei vor allem Papiere von Banken und anderen Finanzfirmen verkauft wurden. Der Euro fiel am Dienstag auf den tiefsten Stand seit beinahe einem Jahr.

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