Montag, 20. November 2017

Lage am Häusermarkt spitzt sich zu So schaut die Bundesbank der Immobilienblase beim Wachsen zu

Preisanstieg um 90 Prozent seit 2010: In Berlin und anderswo geht die Furcht vor einer Immobilienblase um - die Bundesbank ist alarmiert.
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Preisanstieg um 90 Prozent seit 2010: In Berlin und anderswo geht die Furcht vor einer Immobilienblase um - die Bundesbank ist alarmiert.

Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret warnt im Interview mit SPIEGEL ONLINE vor Übertreibungen am deutschen Immobilienmarkt - mal wieder, könnte man nach einem flüchtigen Blick sagen. Seit in Deutschland 2010 der Run von Investoren und Häuslebauern auf Wohnungen und Eigenheime einsetzte, haben sich Dombret und seine Kollegen aus der Bundesbank regelmäßig zum Marktgeschehen, also zur Entwicklung der Immobilienpreise sowie der Kreditvergabe der Banken geäußert. Stets ging es dabei um die Frage, ob es womöglich gefährliche Übertreibungen am Immobilienmarkt gebe, und ob dadurch letztlich die Finanzstabilität hierzulande in Gefahr geraten könnte.

Durch die unscharfe Brille betrachtet, sahen die Statements, die die Bundesbanker zu dem Thema im Laufe der Jahre abgaben, meist recht ähnlich aus - ungefähr so, wie das, was Dombret jetzt zu SPIEGEL ONLINE sagte: Für den Wohnimmobilienmarkt hierzulande insgesamt sehe er noch keine Liquiditätsblase, so Dombret. In einigen Regionen gebe es aber die Gefahr, dass die Märkte überhitzen. Insbesondere gelte das für die Großstädte, aber auch deren Umland sowie einige mittelgroße Städte seien bereits betroffen.

Und: Einzelne Banken und Sparkassen gehen laut Dombret zwar möglicherweise bereits zu hohe Risiken bei der Kreditvergabe ein. Im Großen und Ganzen gingen die Institute mit den Immobilienrisiken jedoch verantwortungsvoll um.

Das klingt zunächst nach einer Entwarnung - genau wie viele andere Statements auch, die die Zentralbanker in den vergangenen Jahren zu dem Thema abgegeben haben.

Doch wie so oft lohnt auch in diesem Fall der genaue Blick: Der Immobilienmarkt in Deutschland hat seit 2010 einen rasanten Höhenflug erlebt. In Großstädten stiegen die Preise seither zum Teil um mehr als 70 Prozent, in Berlin sogar um mehr als 90 und in München um mehr als 110 Prozent. Und das alles zum weitaus größten Teil finanziert mit Krediten hiesiger Banken und Sparkassen. Kaum vorstellbar, dass eine solche Entwicklung keine Spuren im Finanzsystem hinterlassen soll.

Tatsächlich wählen Bundesbanker ihre Formulierungen zwar mit Bedacht, wobei vor allem Zuspitzungen, Dramatisierungen oder gar Übertreibungen tunlichst vermieden werden. Wer sich die Statements der Zentralbanker aus den vergangenen Jahren zum deutschen Immobilienmarkt genau anschaut, erkennt allerdings sehr wohl Unterschiede: In dem Maße, in dem die Immobilienpreise gestiegen sind und die Kreditvolumina zugenommen haben, stieg offenbar auch die Aufmerksamkeit und Sorge, mit der die Bundesbank die Entwicklung verfolgte.

Hier die Belege dafür:

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