Mittwoch, 14. November 2018

Studie enthüllt Erfolgsnetzwerk So lenkt ein kleiner Zirkel in den USA den Welt-Kunstmarkt

Gold-Klo als Kunstwerk im Guggenheim-Museum in Manhattan: Diese und einige weitere US-Kunstinstitutionen bestimmen den Kunstmarkt, wie eine neue Studie zeigt.

Mit dem Traum startet vermutlich jeder Künstler seine Karriere: Irgendwann einmal entdeckt werden, groß rauskommen - und nicht zuletzt auch das große Geld machen mit den eigenen Werken.

Eine aktuelle Studie legt nahe: Zumindest was den Markt für bildende Kunst angeht, ist das für die meisten Newcomer eine Hoffnung, die niemals in Erfüllung geht - und zwar unabhängig davon, wie gut oder schlecht sie als Künstler im Vergleich mit anderen auch sein mögen.

Der Erfolg eines Künstlers, so nämlich das zentrale Resultat der Untersuchung, die der Kunstökonom, Jungunternehmer und Buchautor Magnus Resch gemeinsam mit dem US-Wissenschaftler Samuel Fraiberger und weiteren Co-Autoren erstellt hat, hängt kaum davon ab, welche Werke ein Künstler auf den Markt bringt, und ob diese eine positive Resonanz beim Publikum finden. Der viel entscheidendere Faktor ist vielmehr, ob und in welchem Umfang der Künstler Zugang zu den entscheidenden Netzwerken der Branche, zu wichtigen Galerien, Museen und ähnlichen Institutionen also, hat.

Eine alte Weisheit, auch das fanden die Studienautoren heraus, hat dabei ebenfalls Gültigkeit: Am Start erkennt man den Gewinner - und den Verlierer. Die Analyse von mehreren Hunderttausend Daten zum Kunstmarkt, zu Ausstellungen, Auktionen, Museen, Galerien und Künstlern, die für die Studie der Kunstmarkt-App Magnus entnommen wurden, ergab: Nur wer als Künstler gleich am Start seiner Karriere in der Topliga mitspielt, bleibt auch dauerhaft ganz oben und hat die Chance, mit seinen Werken Spitzenpreise zu erzielen.

Das Erfolgsnetzwerk in den USA

Wichtig dabei: Zwar dehnt sich der Kunstmarkt theoretisch rund um den Globus aus. Entscheidend für echten Erfolg, so das Ergebnis der Studie, sind jedoch lediglich wenige Adressen, die sich allesamt in den USA befinden, und die gemeinsam das einzig wirklich Erfolg versprechende Netzwerk in der Kunstszene bilden. Namentlich sind dies: New Yorks Museum of Modern Art (MoMA), das Guggenheim Museum sowie die Galerie von Larry Gagosian, beide ebenfalls in New York, zudem die Pace Gallery, das Metropolitan Museum of Art, das Art Institute of Chicago und schließlich die National Gallery of Art in Washington, D.C.. Auch Player wie der deutsche Galerist David Zwirner, der gerade vom Magazin "ArtReview" auf Platz eins eines Rankings der mächtigsten Figuren im internationalen Kunstbetrieb gesetzt wurde, dürften gegen den Einfluss dieser Phalanx nur wenig ausrichten können.

"Nur wer gleich am Start seiner Karriere einen Zugang zu einem dieser Häuser bekommt, hat die Chance auf die ganz große Karriere", fasst Studienautor Resch das Ergebnis seiner Arbeit zusammen. "Für die Masse der Künstler weltweit gilt das jedoch leider nicht - sie machen sich daher zum weitaus größten Teil vergeblich Hoffnungen auf den Durchbruch."

Eine traurige Erkenntnis, wie Resch findet. "Unsere Studie zeigt zum ersten Mal systematisch und wissenschaftlich fundiert, wie der Kunstmarkt wirklich funktioniert", so sein Fazit. "Es gibt einen kleinen, geschlossenen Kreis, in dem über Erfolg und Misserfolg entschieden wird, und es ist sehr überraschend, wie undurchlässig dieser Kreis tatsächlich ist."

Die Folge ist, dass es die Geschichte vom Aufsteiger aus kleinen Verhältnissen, der es nach ganz oben schafft, im Kunstmarkt tatsächlich nur äußerst selten gibt, sagt Resch. Und die Arbeit an sich, die Werke also, die ein Künstler erschafft, spielen seinen Angaben zufolge bei dem Ganzen bestenfalls eine untergeordnete Rolle.

Für Resch sind die Studienergebnisse Anlass, über mögliche Lösungen nachzudenken, mit denen die Karrierebarrieren im Kunstmarkt beseitigt werden könnten. Denkbar sei beispielsweise ein Lotteriesystem, über das auch weniger privilegierten Künstlern der Zugang zu den großen Museen ermöglicht werden könnte, meint er. Das gebe es bereits in der klassischen Musik.

Dann hätten Künstler zu Beginn ihrer Karriere zumindest wieder einen realistischen Grund, vom großen Geld zu träumen.

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