Freitag, 28. Juli 2017

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US-Bank Morgan Stanley bringt Snap an die Börse - und wendet sich nun ab Snap-Absturz beschleunigt sich - "Wir haben uns geirrt"

Die Geister, die ich rief: Konsortialbank Morgan Stanley setzte einst ein Kursziel von 28 Dollar für die Snapchat-Mutter Snap - und räumt nun, nach dem Absturz, einen "Irrtum" ein

Auf ein fulminantes Börsendebüt im März folgt ein steiler Absturz: Die Aktie der Firma Snap Börsen-Chart zeigen, die hinter der populären Foto-App Snapchat steht, ist deutlich unter den Ausgabepreis des Börsengangs von Anfang März gefallen. Das Papier der Snap Inc. schloss am Dienstagabend in New York nach einem weiteren Rückgang von 9 Prozent bei 15,47 US-Dollar. Es war Investoren vor dem Börsendebüt für 17 Dollar verkauft worden und zunächst bis an die Marke von 27 Dollar gestiegen.

Investoren der ersten Stunde, die die Aktie von Snap im März zu 17 Dollar gezeichnet haben, sitzen vier Monate später auf einem Verlust von rund 9 Prozent. Anleger machen sich Sorgen, dass Snap im harten Konkurrenzkampf mit dem großen Rivalen Facebook Börsen-Chart zeigen Federn lassen könnte.

Morgan Stanley setzte hohes Kursziel - und räumt nun einen "Irrtum" ein

Bemerkenswert: Zu den Banken, die sich nun kritisch über Snap äußern, gehört auch die US-Bank Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen, die gemeinsam mit der US-Bank Goldman Sachs das Unternehmen Snap als Konsortialführer an die Börse gebracht und gut daran verdient hatte. "Wir haben uns geirrt und die Fähigkeit von Snap, in diesem Jahr verbesserte und neue Werbeformate zu finden, falsch eingeschätzt", gab Analyst Brian Nowak von Morgan Stanley in einem Brief an Kunden zu.

"Geirrt" ist noch zurückhaltend formuliert: Kurz nach dem Börsengang hatte Morgan Stanley das Kursziel von Snap noch auf 28 Dollar hochgesetzt. Anleger, die dieser Empfehlung der Bank gefolgt waren, sitzen nun auf hohen Verlusten. Inzwischen hat Morgan-Stanley-Analyst Nowak das Kursziel ganz nebenbei drastisch auf 16 Dollar reduziert. Er warnte nun vor einem steigenden Wettbewerbsdruck und empfahl nicht mehr, die Anteilsscheine im Portfolio überzugewichten.

Wie Facebook Snapchat zusetzt

Die Investoren stellen sich auf anstehende Zahlen für das zweite Quartal ein. Die Ergebnisse des ersten Vierteljahrs zeigten, dass Snapchat sich schwer tat, neue Nutzer zu gewinnen, während Facebook erfolgreich Funktionen von Snapchat kopierte.

Snap verfehlte die Prognosen von Analysten beim Wachstum von Nutzerzahl und Umsatz. Denn wie groß und wie effizient die Firma werden kann, ist nach wie vor die zentrale Frage für die Investoren. Snap kam im ersten Quartal auf 166 Millionen täglich aktive Nutzer. Das waren nur acht Millionen mehr als im Quartal zuvor. Damit ging die seit Herbst andauernde Flaute weiter.

Die zuvor steile Wachstumskurve knickte ein, als Facebook anfing, in großem Stil Elemente von Snapchat nachzuahmen - wie etwa die "Stories"-Funktion, bei der Nutzer für 24 Stunden Bilder mit ihren Freunden teilen können.

Facebooks Fotodienst Instagram verkündete im Frühjahr, dass ihr "Stories"-Klon auf über 200 Millionen User kommt - also mehr als bei Snapchat selbst. Instagram legte auch ein ganz anderes Wachstumstempo vor: Die App gewann zwischen Dezember 2016 und April dieses Jahres 100 Millionen Nutzer hinzu und kommt jetzt auf 700 Millionen.

la/dpa/reuters

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