Dienstag, 11. Dezember 2018

Hedgefonds-Milliardär schreibt Brandbrief Stiller Börsenstar öffnet Anlegern die Augen über Trump

Warnt vor den Folgen von Trumps Wirtschaftspolitik: Hedgefonds-Milliardär Seth Klarman

Es gibt nicht viele Autoren, deren Bücher bei Amazon für mehr als 2000 Euro gehandelt werden. Und es gibt auch nicht viele Hedgefonds-Manager, die schon einmal von Investmentlegende Warren Buffett gelobt wurden. Seth Klarman kann beides von sich behaupten.

Klarman ist Chef der in Boston ansässigen Baupost Group mit einem verwalteten Vermögen von etwa 30 Milliarden Dollar. Der Mann, dessen Privatvermögen "Forbes" auf rund zwei Milliarden Dollar schätzt, gehört gewöhnlich nicht zu jenen Vertretern seines Fachs, die das Licht der Öffentlichkeit suchen. Doch in Investmentkreisen gilt er als echtes Schwergewicht. Der "Economist" nannte ihn einmal das "Orakel von Boston", und für die "New York Times" ist er schlicht "der erfolgreichste und einflussreichste Investor, von dem Sie vermutlich nie gehört haben".

Angesichts der aktuellen Situation an den Finanzmärkten, an denen die Versprechungen des neuen US-Präsidenten Donald Trump in den vergangenen Monaten eine wahre Euphorie ausgelöst haben, hat Klarman nun seine gewohnte Zurückhaltung ein Stück weit aufgegeben. In einem Brief an seine Investoren äußert er sich zu Trumps Wirtschaftspolitik und zum gegenwärtigen Stand der Finanzindustrie. Laut "New York Times" ist das Schreiben binnen wenigen Tagen zur meistgesuchten Lektüre an der Wall Street avanciert.

Kein Wunder: Den Passagen, die die "New York Times" aus dem soweit bekannt bislang nicht im Original publizierten Brief Klarmans zitiert, ist zu entnehmen, dass der sonst so stille Investmentguru diesmal kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Börse sei seit Beginn der Trump-Hausse so stark gestiegen, dass inzwischen "gefährlich hohe Bewertungen" erreicht seien, heißt es da.

Präsident Trump sei möglicherweise in der Lage, die US-Wirtschaft mit Steuersenkungen vorübergehend anzukurbeln, so Klarmans Schreiben weiter. Die meisten Investoren ignorierten jedoch die Risiken, die mit Trumps "America-First-Protektionismus" und mit neuen Handelsschranken einhergingen. Eine protektionistische Wirtschaftspolitik sei zwar möglicherweise populär, so Klarman. Der Grund dafür, dass die USA davon bereits vor langer Zeit Abstand genommen hätten, sei jedoch, dass sie letztendlich nicht nur nicht funktioniere. Sie verschlechtere vielmehr unterm Strich sogar die Situation der amerikanischen Gesellschaft.

Zwei Dinge machen dem heimlichen Starinvestor aus Boston offenbar besondere Sorgen: Einerseits drohen seiner Ansicht nach viele Investoren überrascht zu werden durch einen Anstieg der Inflation, den Trump mit seinen Maßnahmen auslösen könnte. Andererseits dürfte die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten durch die Politik des neuen Präsidenten ebenfalls enorm zulegen, was wiederum auf lange Sicht das Wachstum hemmen könnte. Denn die Zinszahlungen des Staates würden in die Höhe schießen, sobald das Zinsniveau ansteige, so Klarman.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH