Samstag, 25. Juni 2016

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Schiffsfonds Schicksalsfrage für 6000 Fondsanleger

Gestrandeter Massengutfrachter: Das Investment der Anleger in Navalia-Fonds von Ideenkapital ging schief
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Gestrandeter Massengutfrachter: Das Investment der Anleger in Navalia-Fonds von Ideenkapital ging schief

Das Fondshaus Ideenkapital bittet 6000 Anleger, dem Verkauf ihrer 15 Frachtschiffe an eine Poolgesellschaft zuzustimmen, an der sie teilweise weiter partizipieren würden. Viele Fragen sind noch offen - und schon am Mittwoch endet die Abstimmungsfrist.

Hamburg - Nur noch ein Tag, dann müssen sich etwa 6000 Anleger des Düsseldorfer Fondshauses Ideenkapital entschieden haben. Die Investoren haben sich mit insgesamt rund 220 Millionen Euro Eigenkapital an 13 Schiffsfonds mit zusammen 15 Frachtschiffen beteiligt. Das Gesamtvolumen der Fonds beträgt Schätzungen zufolge mehr als 500 Millionen Euro.

Seit einigen Wochen lässt Ideenkapital die Anleger schriftlich abstimmen. Die Investoren sollen beschließen, dass ihre Schiffe in eine gemeinsame Gesellschaft eingebracht werden, betrieben von einem neuen Investor, der auch frisches Geld mitbringt. Damit würden drängende Banken erst einmal ruhiggestellt und die Anleger könnten weiterhin am Betrieb der Frachter partizipieren. Die Alternative ist der sofortige Verkauf der Pötte, womit die Anleger einen Schlussstrich unter die unglückliche Beteiligung ziehen könnten.

Notwendig wurde die Entscheidung, weil die Schiffe - es handelt sich in diesem Fall um Spezialtanker und Massengutfrachter - in der seit einigen Jahren andauernden Branchenkrise in Schwierigkeiten geraten sind. Die Einnahmen wurden knapp, die Liquidität schrumpfte. Zuletzt bat Ideenkapital Anleger um Eigenkapitalnachschüsse - aber vergeblich.

Weil von den Gesellschaftern zu wenig Geld zugesagt wurde, muss jetzt über das "strukturierte Verkaufskonzept", wie es das Emissionshaus nennt, entschieden werden: Die Einbringung der Schiffe in einen Pool mit dem neuen, externen Investor, der auch Eigentümer der Schiffe werden soll.

Das Konzept für die 13 Navalia-Fonds von Ideenkapital sieht im einzelnen so aus:

  • Die Fonds verkaufen ihre Schiffe an eine Zweckgesellschaft, hinter der der neue Investor steht.
  • Grundlage zur Berechnung des Kaufpreises ist der aktuelle Marktwert, der laut Ideenkapital von einem Gutachter festgestellt wurde. Der Kaufpreis wird jedoch nicht in voller Höhe an die Anleger gezahlt, sondern in zwei Teilen.
    • Zunächst überweist der Investor lediglich Tranche eins. Das ist exakt die Summe, die erforderlich ist, um alle aktuellen Verbindlichkeiten sowie die noch offenen Schiffskredite zu begleichen.
    • Tranche zwei besteht aus einer Art "Besserungsschein", wobei sich die Bezeichnung in diesem Fall durchaus als irreführender Euphemismus entpuppen kann. Die Fondsanleger bleiben damit bis voraussichtlich 2019 an den Schiffen beteiligt und partizipieren am Betrieb sowie am späteren Verkaufserlös.
  • Fortan fahren die 15 Schiffe in einem Pool, in dem alle Einnahmen gebündelt werden.

Stimmen die Investoren dem Konzept nicht zu, so bleibt als Alternative nur noch der sofortige Verkauf des Schiffes beziehungsweise der Schiffe des jeweiligen Fonds (in einigen Fonds befinden sich zwei Frachter), nebst Auflösung der Beteiligungsgesellschaft.

Die Frage, die sich die Anleger nun also beantworten müssen, lautet: Ist das Konzept des "strukturierten Verkaufs" vorteilhafter, als der sofortige Komplettverkauf?

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