Samstag, 18. November 2017

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Schiffsfonds Schicksalsfrage für 6000 Fondsanleger

Gestrandeter Massengutfrachter: Das Investment der Anleger in Navalia-Fonds von Ideenkapital ging schief
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Gestrandeter Massengutfrachter: Das Investment der Anleger in Navalia-Fonds von Ideenkapital ging schief

3. Teil: Die Gewinner und die Verlierer des Deals

Unterm Strich gibt es bei dem Plan von Ideenkapital offensichtlich eine einfache "Gewinn- und Verlustrechnung":

  • Gewinner sind die Banken, die wacklige Kredite zurückgezahlt bekommen und sich zudem Gedanken über ein Neuengagement bei den Schiffen machen können.
  • Gewinner ist auch der Neuinvestor, der günstig an eine Reihe von Tankern und Massengutfrachtern (im Jargon: Bulker) kommt.
  • Verlierer drohen die Anleger zu werden. Dass sie einen großen Teil ihres Investments abschreiben müssen, steht bereits fest. Jetzt ist nur noch die Frage, wie groß diese Abschreibung sein wird. Die Möglichkeit, dass sich der Verlust durch die Zustimmung zu dem Konzept verringern lässt, erscheint in vielen Fällen gering.

Eine Beispielrechnung, die Ideenkapital den Anlegern des Fonds Navalia 9 mit den beiden Massengutfrachtern "Port Moresby" und "Port Melbourne" aufgemacht hat, und die manager magazin online vorliegt, sieht so aus:

Der Marktwert des Schiffes "Port Moresby" liegt gegenwärtig bei 14 Millionen Dollar. Abzüglich der derzeitigen Kredite und Verbindlichkeiten von rund 12,6 Millionen Dollar, die der Investor als Tranche eins zu zahlen hätte, blieben als Differenz für Tranche zwei 1,4 Millionen Dollar. In dieser Höhe würde die Fondsgesellschaft "einen nachrangigen schuldrechtlichen Anspruch auf Partizipation an den Erlösen aus dem Schiffsbetrieb und dem späteren Verkauf des Schiffes am freien Markt" erwerben, schreibt Ideenkapital.

Anlegerschützer machen mobil

Das Unternehmen zeigt ein "Base Case"-Szenario auf, demzufolge auf diesen Anteil bis 2018 Ausschüttungen in Höhe von gut zwei Millionen Dollar entfallen könnten. Einem "Best Case"-Szenario zufolge könnten es sogar 2,7 Millionen Dollar sein. Ein "Worst Case"-Szenario führt der Fondsanbieter in dem Schreiben nicht auf.

Bei Ideenkapital, das bereits 2011 das Neugeschäft mit geschlossenen Fonds eingestellt hat, war für Fragen zu dem Verkaufskonzept niemand zu sprechen. Es verwundert allerdings nicht, dass sich auf Seiten der Anleger offenbar zum Teil Unmut regt. "Die Stimmung bei vielen Anlegern ist mies", sagt Thomas Lippert vom Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz (AAA). "Und wir halten das Konzept für die meisten Anleger für nicht empfehlenswert."

Lippert kritisiert, dass sich Ideenkapital zuvor nicht genug um Einzellösungen der Fonds gekümmert habe. Zudem sei das schriftliche Abstimmungsverfahren nicht geeignet, um die vielen offenen Fragen zu klären.

Der Plan des AAA steht bereits fest: Sollten die Abstimmungen so enden, dass das Verkaufskonzept beschlossen wurde, so will der Bund gegebenenfalls dagegen vorgehen und das Votum auf Präsenzversammlungen wiederholen. Dass es soweit kommt, erscheint nicht unwahrscheinlich. In allen Fonds dürfte ein Großteil der Stimmen durch die Treuhandgesellschaft von Ideenkapital ausgeübt werden. Und die hat bereits angekündigt, bei fehlender Weisung der Anleger für den Verkaufsplan zu stimmen.

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