Mittwoch, 15. August 2018

Digitale Vermögensverwaltung Scalable Capital knackt die Milliardengrenze

Scalable-Capital-Gründer Stefan Mittnik, Florian Prucker und Erik Podzuweit
Scalable Capital
Scalable-Capital-Gründer Stefan Mittnik, Florian Prucker und Erik Podzuweit

Vermögen einfach und automatisch übers Internet investieren - das ist zunehmend auch in Deutschland gefragt. Einzelnen Anbietern wie dem Marktführer Scalable Capital verhilft dies zu einem starken Wachstum. So betreut der Münchener Online-Vermögensverwalter inzwischen mehr als eine Milliarde Euro, wie das Unternehmen mitteilte.

Damit gelingt dem Finanz-Start-up der Sprung in eine international relevante Größenordnung. Insgesamt ist der Markt für Roboter-Geldanlagen hierzulande aber mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro klein, wie neue Zahlen der Analysefirma Barkow Consulting zeigen.

Die erreichte Marke zeige, "dass es echte Nachfrage nach digitaler Vermögensverwaltung gibt", meinte Scalable-Mitgründer Erik Podzuweit. Das Unternehmen war vor zweieinhalb Jahren an den Start gegangen und profitierte von Kooperationen, etwa mit der Direktbank Ing-Diba.

Bei Anlagerobotern geben Sparer zunächst an, welche Anlagezeiträume und welche Risikoneigung sie haben. Danach wird das Geld über Fonds und mehrere Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert. Manche Anbieter passen das Portfolio automatisch an, wenn Börsenrisiken wachsen oder Sparziele verletzt werden könnten. Die Firmen versprechen langfristig meist 4 bis 6 Prozent Rendite pro Jahr bei Gebühren von unter 1 Prozent.

"Es ist reichlich Platz für Wachstum"

Digitale Vermögensverwalter könnten sinnvoll sein für Anleger, die ihr Geld in ein Wertpapierportfolio investieren wollten, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ihnen könnten sie bei der Auswahl helfen und das Geld im Idealfall breit und günstig anlegen. Ein Wertpapier-Portfolio sei aber nicht für jeden Bedarf die richtige Lösung: "Wer etwa hohe Schulden hat, ist besser beraten, diese stattdessen rascher abzuzahlen." Als Alternative eigneten sich zudem einfache Fonds-Sparpläne.

Online-Vermögensverwaltung gilt in Deutschland als zukunftsträchtig, kommt aber nur schleppend in Fahrt. Die meisten der gut 30 Firmen - gerade Start-ups - tun sich noch schwer, Sparer anzulocken. Auch die Angebote etablierter Banken blieben bisher eine Nische. In den USA hingegen verwalten manche Anbieter mehr als zehn Milliarden Euro. Das deutsche Gesamtvolumen von über zwei Milliarden Euro entspreche nur 0,2 Prozent des Vermögens von Privatanlegern in Aktien, Anleihen und Fonds, sagt Barkow. "Es ist reichlich Platz für Wachstum."

Zudem konzentriere sich das betreute Robotervermögen in Deutschland auf wenige Firmen. Dazu zählen neben Scalable die Commerzbank-Tochter Comdirect, cominvest, Quirion von der Privatbank Quirin und Liqid aus der Vermögensverwaltung der Milliardärsfamilie Quandt.

Auch die Allianz Börsen-Chart zeigen will nun in dem Geschäftsbereich mitspielen. Der Versicherer stockt seine Investments in das Start-up Moneyfarm auf, wie er mitteilte. Die Briten bieten bereits in Großbritannien und Italien eine automatisierte Geldanlage an. Künftig solle das Angebot auch deutschen Anlegern offen stehen, erklärte ein Allianz-Sprecher. "Wir sehen eine steigende Kundennachfrage nach intelligenten und einfachen digitalen Lösungen", erklärte Allianz-Vorstand Jackie Hunt.

Auch die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman erwartet, dass sich automatisierte Online-Geldanlage in Deutschland mittelfristig stark ausbreitet. Sie rechnet mit einem Volumen von 35 Milliarden Euro bis 2021. Das wäre rund das 17-fache von heute - aber nur ein Bruchteil der Beträge, die für die USA in Geldanlage-Robotern erwartet werden.

mg/dpa-afx

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