Dienstag, 20. November 2018

Rubel wankt S&P droht Russland mit Ramsch-Rating

Rubel-Scheine: Für Russland könnte es teurer werden, sich Geld auf den Finanzmärkten zu besorgen

Der Rubel gerät wieder stärker unter Druck: Standard & Poor's droht Russland mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau. Eine Lockerung der Sanktionen lehnt Bundesfinanzminister Schäuble aber ab.

Moskau - Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) droht Russland mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau. "Es wird komplizierter wenn eines der drei Ratings auf spekulativ herabgestuft wird", schrieben die Analysten der Sberbank. Der Rubel verlor am Mittwoch gegenüber dem Dollar bis zu 0,7 Prozent auf 55,72 Dollar.

Die Ankündigung der russischen Zentralbank, großen Firmen bei der Refinanzierung von ausländischen Krediten zu helfen, zeigte kaum Wirkung. Sie wolle den Unternehmen Dollar und Euro zur Verfügung stellen, die im Gegenzug ihre Kredite als Sicherheit hinterlegen. Damit übernimmt die Zentralbank de facto die Risiken. Insgesamt haben Russlands Staatsfirmen, Banken sowie private Unternehmen im Ausland einen Schuldenberg von 600 Milliarden Dollar aufgehäuft. Davon werden 100 Milliarden Dollar im kommenden Jahr fällig.

Eine Herabstufung würde die Kreditaufnahme des russischen Staates weiter verteuern. Am Dienstag hatte S&P mitgeteilt, die derzeitige Bonitätsbewertung "BBB-" auf "creditwatch negative" und damit unter besondere Beobachtung zu stellen. Das Rating ist nur eine Stufe über dem Niveau, mit dem S&P spekulative Anlagen bezeichnet.

Grund für den Schritt sei die Konjunktureintrübung, teilte S&P mit. Die russische Wirtschaft leidet neben dem schwachen Rubel und dem Ölpreisverfall auch unter den westlichen Sanktionen wegen des Vorgehens in der Ukraine-Krise.

Der Wert des Rubel war in den vergangenen Wochen deutlich gesunken, eine massive Leitzinssenkung der russischen Zentralbank verpuffte. Einem Bericht zufolge hat Ministerpräsident Dmitri Medwedew die Staatskonzerne Gazprom Börsen-Chart zeigen und Rosneft Börsen-Chart zeigen per Dekret angewiesen, in den kommenden Wochen Devisen zu verkaufen, um die Währung zu stützen. Medwedew sagte, er rechne mit einer tiefen Rezession.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich dennoch für eine Fortsetzung der EU-Sanktionen aus. "Natürlich machen wir uns wegen der Entwicklung in Russland Sorgen", sagte Schäuble der "Rheinischen Post". Es liege aber an Moskau, eine Staatspleite zu verhindern. "Ich hoffe jeden Tag, dass Russland zur Kooperation mit dem Westen zurück findet. Solange halten wir aber an den Sanktionen gegen Russland fest."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte die Sorge geäußert, dass Russland destabilisiert werden könnte, falls Europa die Sanktionen nicht lockere. Wer Russland wirtschaftlich in die Knie zwingen wolle, irre gewaltig, wenn er glaube, dass das zu mehr Sicherheit in Europa führen würde, sagte der SPD-Politiker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht im Einklang mit der EU keine Grundlage für eine Rücknahme der Strafmaßnahmen, die als Reaktion auf die Annexion der Krim und die Rolle Moskaus im Ukraine-Konflikt verhängt worden waren.

ts/rtr/dpa-afx

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