Montag, 11. Dezember 2017

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Insolvenzverwalter fordert Millionen Klagewelle gegen S&K-Opfer - die ersten Urteile sind da

Bild aus besseren Zeiten: S&K-Gründer Jonas K. posiert mit Dame auf Kühlerhaube. Zuletzt wurde der inzwischen verurteilte K. schon wieder beim Feiern auf Ibiza gesichtet

Gibt es neue Hoffnung für jene 1400 Anleger der Frankfurter Skandal-Immobiliengruppe S&K, die vom Insolvenzverwalter ihrer Fonds auf Rückzahlung erhaltener Ausschüttungen verklagt wurden? Einem Urteil zufolge, dass manager magazin online vorliegt, hat das Amtsgericht Northeim zumindest einem der betroffenen S&K-Investoren nun Recht gegeben.

10.000 Euro hatte der fragliche S&K-Kunde in den Fonds Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2 des Unternehmens gesteckt. Bevor die Firma Anfang 2013 im Zuge einer bundesweiten Großrazzia hochgenommen wurde, flossen aus diesem Investment bereits 800 Euro an Ausschüttungen an den Anleger.

Die will Achim Ahrendt, Rechtsanwalt aus Hamburg und Insolvenzverwalter des inzwischen in die Pleite gerutschten Fonds, nun wieder haben. Weil der Anleger die Auszahlung jedoch nicht zurückgeben will, hat Ahrendt ihn verklagt, genau wie etwa 1400 weitere S&K-Investoren, deren Fälle ähnlich gelagert sind, ebenfalls. Der Insolvenzverwalter ist der Ansicht, dass die Anleger die Ausschüttungen unrechtmäßig erhalten haben. manager magazin online hatte über die Klagewelle bereits Anfang 2017 exklusiv berichtet.

Im beschriebenen Fall hat nun das Amtsgericht Northeim ein Urteil gesprochen - und zwar zu Gunsten des S&K-Fondsanlegers. Der Kläger, also Insolvenzverwalter Ahrendt, habe gegen den Beklagten, sprich: den Anleger, keinen Rückzahlungsanspruch, schreibt das Gericht in seinem Urteil. Auch die Kosten des Rechtstreits müsse der Insolvenzverwalter tragen, so der richterliche Entscheid.

Gute Nachrichten also für 1400 betroffene S&K-Anleger? Die Rechtsfrage, über die bei jedem Anleger individuell entschieden werden muss, ist jedes Mal die gleiche - dürfen also auch alle anderen auf ein Urteil im Tenor der Northeimer Entscheidung hoffen?

Rechtsanwalt Thomas Diler von der Kanzlei Sommerberg in Bremen, der den Investor im vorliegenden Fall vertrat, und der eigenen Angaben zufolge noch weitere S&K-Opfer unter seinen Klienten hat, glaubt daran. Für den S&K-Insolvenzverwalter sei die Sache kein Selbstläufer, so Diler gegenüber manager magazin online. Möglicherweise schlössen sich andere Gerichte der Auffassung des Amtsgerichts Northeim an, so dass das Urteil "Signalcharakter" haben könnte, so Dilers Hoffnung.

S&K-Insolvenzverwalter Ahrendt dagegen sieht die Sache naturgemäß anders. Aus seiner Sicht handelt es sich bei der Entscheidung aus Northeim um einen "Ausreißer", wie er im Gespräch mit manager magazin online sagt. Es sei die bislang einzige richterliche Entscheidung in dieser Sache, in der dem Anleger Recht gegeben wurde, so Ahrendt. Allerdings gibt es bislang auch erst drei Gerichtsurteile in der Causa, wie Ahrendt ebenfalls mitteilt. Zwei davon fielen mithin zugunsten des Insolvenzverwalters aus.

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