Montag, 11. Dezember 2017

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Urteile im Millionen-Anlageskandal 8,5 Jahre Haft für S&K-Chefs - aber zunächst mal wieder frei

Wieder auf freiem Fuß: Jonas K. und Stephan S. (2.v.r.), die beiden Gründer des Frankfurter Immobilienunternehmens S&K, umarmen sich nach Verlassen des Gerichtsgebäudes in Frankfurt

Vorläufiges Ende eines der größten Anlageskandale Deutschlands: Im Prozess gegen Stephan S. und Jonas K., die beiden Chefs der Frankfurter Immobiliengruppe S&K, sowie weitere Verantwortliche sind am heutigen Mittwoch die Urteile gesprochen worden. Das Landgericht Frankfurt verurteilte sowohl S. als auch K. zu je achteinhalb Jahren Haft. Zwei Mittäter wurden zu sechs und viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

Vorausgegangen war ein Deal, mit dem das ausufernde Gerichtsverfahren im Interesse aller Beteiligten zu einem Ende gebracht werden sollte: Beide Hauptangeklagten hatten vor wenigen Tagen Geständnisse abgelegt, dafür hatte die Staatsanwaltschaft einen Teil ihrer Vorwürfe fallen gelassen. In den darauffolgenden Plädoyers hatten die Ankläger neun Jahre und drei Monate für jeden der Hauptangeklagten gefordert. Die Verteidigung taxierte die gerechte Strafe auf achteinhalb Jahre.

Stephan S. und Jonas K. stehen im Mittelpunkt eines der größten Betrugsverfahren in der deutschen Rechtsgeschichte. Laut Anklage sollen sie mit ihrem Immobilienunternehmen ein Schneeballsystem installiert haben, mit dem 11.000 Anleger um zusammen 240 Millionen Euro gebracht worden seien. Sie waren ursprünglich wegen schweren Betrugs und Untreue angeklagt, zuletzt lautete der Vorwurf jedoch lediglich noch auf Untreue.


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Offen ist, wie lange die beiden S&K-Gründer nun noch hinter Gittern verbringen müssen. Nach der Urteilsverkündung wurden beide Männer zunächst auf freien Fuß gesetzt, bevor sie später ihre Reststrafe antreten sollen. Beide sitzen bereits seit der deutschlandweiten Großrazzia gegen ihr Firmenkonglomerat im Februar 2013 in Untersuchungshaft. Allein der Prozess in Frankfurt dauert seit etwa anderthalb Jahren. Ursprünglich hatte die Anklage Haft im deutlich zweistelligen Bereich angestrebt.

Theoretisch kann die Haftstrafe bereits nach der Hälfte oder nach zwei Dritteln zur Bewährung ausgesetzt werden. Darüber entscheidet eine andere Gerichtskammer, die auch die persönliche Entwicklung der Angeklagten in der Haft zu berücksichtigen hat.

cr

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