Dienstag, 27. September 2016

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Rubelschwäche und Wirtschaftskrise Pimco greift in Russland zu

Rubelschwäche: Hohe Volatilität bedeutet neue Chancen für Investoren

"Ausgewählte russische Anleihen bleiben langfristig werthaltig", sagt Pimco-Chefanleger Ivascyn laut einem Bericht. Die Allianz-Fondstochter greift trotz Rubelschwäche und Wirtschaftskrise weiter in Russland zu - andere tun es ihr gleich.

Frankfurt am Main/London - Trotz des Rubel-Absturzes und der Wirtschaftskrise legen viele Fondsmanager weiter Geld in Russland an. "Ausgewählte russische Anleihen bleiben unserer Ansicht nach langfristig werthaltig", sagte Daniel Ivascyn, Chefanleger des weltgrößten Anleiheinvestors Pimco, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Aus einer hohen Volatilität ergäben sich für Investoren neue Chancen. Ohnehin halte er die Auswirkungen der aktuellen Währungsturbulenzen "auf das Finanzsystem als Ganzes für begrenzt", sagte Ivascyn.

Auch andere Investoren setzen laut "Financial Times" auf die Krise als Chance: Fondsmanager Justin Leverenz von Oppenheimer Funds etwa gehe mit seinem auf Schwellenländer ausgerichteten Fonds weiter in Russland auf Einkaufstour. "Das ganze Jahr über habe ich mehr und mehr gekauft, denn die Preise sind außergewöhnlich", zitiert ihn das Blatt.

Ähnlich sieht es sein Lazard-Kollege James Donald. Er habe vergleichbare Entwicklungen bereits erlebt, sagte der Fondsmanager der "FT". "Das sind Situationen, in denen man mutig sein muss."

Zuversichtlich gibt sich auch der Co-Chef der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen, Jürgen Fitschen. Er hält Russlands Schwierigkeiten noch für beherrschbar: "Die russische Volkswirtschaft ist heute besser in der Lage, der steilen Abwertung des Rubels zu widerstehen", sagte er der "Welt am Sonntag". Moskaus Devisenreserven seien hoch, die öffentlichen Schulden verhältnismäßig gering.

Rubelschwäche setzt deutschen Unternehmen zu

Deutsche Unternehmen befürchten derweil drastische Folgen der Wirtschaftsprobleme in Russland - auch für das eigene Geschäft. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt vor wachsenden Gefahren im Fall einer Rezession in dem Riesenland. "Die Krise der russischen Wirtschaft hinterlässt immer tiefere Bremsspuren im Russland-Geschäft deutscher Unternehmen", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der "Bild am Sonntag".

Nach einer Umfrage der deutschen Auslandshandelskammer in Russland unter knapp 300 Firmen müsse fast jeder dritte deutsche Betrieb dort Mitarbeiter entlassen, sollte sich die Lage nicht bessern. "36 Prozent gehen davon aus, Projekte stornieren zu müssen", so Treier.

Zehn Prozent der deutschen Unternehmen hätten berichtet, dass sich ihr langjähriger russischer Geschäftspartner gen Asien orientiere. "Immerhin jedes achte Unternehmen erwägt einen Rückzug aus Russland. Der Bruch so mancher Geschäftsbeziehung steht also bevor."

Einbußen bei Henkel, Otto streicht Investitionen

Wegen des schwachen Rubels muss der Konsumgüterriese Henkel Börsen-Chart zeigen empfindliche Einbußen hinnehmen. "Von den 600 Millionen Euro, die wir in den ersten neun Monaten durch die negativen Wechselkurseffekte an Umsatz verloren haben, kommt ein maßgeblicher Anteil aus der Abwertung des Rubels", sagte Vorstandschef Kasper Rorsted der "Rheinischen Post".

Die jüngsten Turbulenzen machen auch deutschen Exporteuren zu schaffen. Weil für in Euro abgerechnete Güter bei schwächerer Auslandswährung weniger in der Kasse bleibt, haben erste Autobauer bereits ihre Verkäufe in Russland gestoppt. Der Chef des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, erwartet bis zum Jahresende einen Rückgang der Russland-Exporte um 20 Prozent.

Auch Handelskonzerne wie die Hamburger Otto-Gruppe sind betroffen. "Wir fahren auf Sicht und müssen unsere Preise flexibel anpassen", sagte Martin Schierer, Chef der Otto Group in Russland. Geplant sei nun eine Preiserhöhung von 10 bis 15 Prozent. Zudem werden geplante Investitionen gestrichen oder gekürzt.

ts/dpa-afx

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