Sonntag, 31. Juli 2016

Rocket Internet mit Halbjahresverlust - doch Aktie steigt Rocket-Chef Samwer verspricht weiteren Börsengang

Am Mittwoch zieht die Aktie von Rocket Internet kräftig an, bleibt aber immer noch weit unter ihrem Ausgabepreis. Im ersten Halbjahr steht unter dem Strich ein Verlust - doch Rocket-Chef Oliver Samwer kündigte am Mittwoch einen weiteren Börsengang an

Trotz eines Unternehmensverlustes im ersten Halbjahr sind die Aktien von Rocket Internet Börsen-Chart zeigen am Mittwoch zeitweise kräftig nach oben geschossen. Zuletzt kosteten die Papiere des Berliner Start-up-Entwicklers mit 28,44 Euro rund 18 Prozent mehr als tags zuvor. Das sollte jedoch nicht darüber nicht hinwegtäuschen, dass Investoren der ersten Stunde mit ihren Aktien noch tief im Minus liegen. Der Ausgabepreis lag bei 42,50 Euro.

Der Anlass für den Kursanstieg am Mittwoch: Ein Jahr nach dem Börsengang will Rocket Internet Börsen-Chart zeigen den Nachweis erbringen, dass sich mit dem Gründen von Jungfirmen Geld verdienen lässt. "In den nächsten 18 Monaten geht eins unserer Startups an die Börse", kündigte Firmenchef Oliver Samwer an. Eine Neuemission würde frisches Geld in das Berliner Unternehmen spülen, dass stetig enorme Summen ins Wachstum seiner jungen Firmen pumpt.

Samwer will Portfolio aufräumen - und notfalls Firmen schließen

Bisher profitiert Rocket selbst kaum von dem Expansionskurs. Um dies zu ändern, will Samwer künftig häufiger die Mehrheit an den Startups erwerben, wie etwa beim Kochbox-Anbieters HelloFresh. Außerdem betonte er, beim Aufräumen seines Portfolios nicht zimperlich zu sein und gegebenenfalls Firmen zu schließen.

Obwohl der Wert des Firmenportfolios seit dem Börsengang um 3,4 Milliarden auf 6,0 Milliarden Euro gestiegen ist, schrieb Rocket Internet im ersten Halbjahr Verluste. Da bisher nur relativ unbekannte und kleinere Startups wie das Sportprodukte-Portal Kanui konsolidiert werden, legten die Erlöse kaum auf 71,3 Millionen Euro zu.

Unter dem Strich kam Rocket auf einen Verlust von 45,9 Millionen Euro nach einem Gewinn im selben Zeitraum vor einem Jahr. Samwer stellte in Aussicht, dass einige der größten Startups innerhalb der nächsten zwei Jahren die Gewinnschwelle erreichen sollen.

Seit Börsengang rund 1,5 Milliarden Euro investiert - HelloFresh als IPO-Kandidat

Seit dem Börsengang im vergangenen Oktober hat Rocket rund 1,5 Milliarden Euro investiert. Zu den bekanntesten und größten Startups gehören neben HelloFresh der Essenslieferdienst Delivery Hero sowie die Möbelhändler Westwing und Home24.

Insider rechnen damit, dass HelloFresh, an denen Rocket mehr als 50 Prozent hält, noch dieses Jahr den Gang an die Börse wagt. Rocket-Chef Oliver Samwer versicherte jedenfalls: "Wir glauben stark an HelloFresh." Seit dem Einstieg des britischen Fondsanbieters Baillie Gifford wird das erst vor vier Jahren gegründete Startup-Unternehmen mit 2,6 Milliarden Euro bewertet.

Rocket gründet Startups nach dem Fließband-Prinzip und nutzt Geschäftsmodelle, die sich bereits in den USA, Großbritannien oder China als erfolgreich erwiesen haben.

König der Kopisten: "Wir sind nicht Einstein, wir bilden, was sich bewährt hat"

"Wir sind nicht Einstein, wir bilden, was sich bewährt hat", sagt Samwer. Dieses Vorgehen in weniger entwickelten Märkten wie Afrika, Lateinamerika und Russland verschlingt viel Geld, weswegen der Konzern nach dem milliardenschweren Börsengang bei seinen Aktionären bereits wieder frisches Kapital eingesammelt sowie eine Wandelanleihe über 550 Millionen Euro begeben hat. Dieses wanderte unter anderem in eine Beteiligung an DeliveryHero.

Jetzt will Samwer das Geld erst mal beisammen halten: Größere Zukaufe sowie weitere Kapitalmarktmaßnahmen schloss er zunächst aus. Zu den größten Aktionären von Rocket gehören der schwedische Investor Kinnevik sowie der der Internet- und Mobilfunkanbieter United Internet. Rocket Internet strebt in den nächsten zwölf Monaten die Aufnahme in den stärker regulierten Prime Standard an.

rei/reuters/dpa

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