Donnerstag, 21. September 2017

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HSH Nordbank dreht Geldhahn zu Reederei Rickmers kündigt Insolvenz an

Museumsschiff Rickmer Rickmers

Die Hamburger Reederei Rickmers ist pleite. Die HSH Nordbank hat ihre Zustimmung zum Sanierungskonzept überraschend verweigert und dreht den Geldhahn zu.

Die Hamburger Reederei Rickmers muss einen Insolvenzantrag stellen. Die HSH Nordbank habe die Kreditanträge der Reederei zurückgewiesen und die Zustimmung zum Sanierungskonzept verweigert, teilte die Rickmers Holding mit.

Im Verlauf des Insolvenzverfahrens strebe der Vorstand eine Sanierung in Eigenverwaltung an und will den Schiffbetrieb weiter fortsetzen. Die HSH Nordbank kämpft als einst weltweit größter Schiffsfinanzierer selbst mit den Folgen der Schifffahrtskrise. Ein Sprecher der HSH Nordbank sagte: "Der HSH-Vorstand hat das Rickmers-Sanierungskonzept sorgfältig geprüft und erachtet dieses als betriebswirtschaftlich nicht tragfähig."

Eigentlich sollten an diesem Donnerstag die Gläubiger zusammenkommen, um über das Sanierungskonzept für das schwer angeschlagene Unternehmen zu beraten. Doch die Abstimmung über das Sanierungskonzept ist mit der Entscheidung der HSH Nordbank hinfällig. Die Zustimmung des Geldinstituts hatte wie üblich unter dem Vorbehalt der Entscheidungsgremien gestanden. In der Gläubigerversammlung solle nunmehr ausschließlich die Wahl eines gemeinsamen Vertreters der Anleihegläubiger beschlossen werden, hieß es in der Mitteilung.

Rickmers hat rund 1,5 Milliarden Euro Schulden

Die Reederei Rickmers hat in Hamburg eine lange Tradition - schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unternehmen im Reederei- und Werftengeschäft tätig. Zuletzt war das Unternehmen mit 114 Schiffen auf den Weltmeeren unterwegs, hatte mehr als 2000 Mitarbeiter und machte einen Umsatz von beinahe 500 Millionen Euro im Jahr. Doch das Unternehmen geriet in eine schwere Krise: Im vergangenen Geschäftsjahr machte die Firmengruppe einen Verlust von 341 Millionen Euro.

Die Schulden des Unternehmens liegen bei rund 1,5 Milliarden Euro. Dazu zählen auch 275 Millionen Euro, die Anleger der Reederei über eine hochverzinste Anleihe mit einem Coupon von 8,875 Prozent zur Verfügung gestellt haben. Davon werden sie einen Großteil verlieren.

Das Sanierungskonzept hatte vorgesehen, dass die Banken ebenso wie die koreanische Hyundai-Werft und der Alleinaktionär Bertram Rickmers einen Betrag leisten. Bertram Rickmers sollte sich von drei Vierteln seiner Anteile trennen und einen zweistelligen Millionenbetrag aus seinem Vermögen nachschießen. Über eine zwischengeschaltete luxemburgische Holding sollte das Unternehmen erst saniert und dann verkauft werden. Insgesamt hätten sich die verschiedenen Sanierungsbeiträge durch Verzicht, Stundung und Sonstiges nach einer vorläufigen Übersicht auf 706 Millionen Euro belaufen.

hej/mg/rtr/dpa

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