Mittwoch, 28. Juni 2017

Reden statt Schweigen Wie Zentralbanken Blasen schaffen

Mario Draghi: Der EZB-Präsident erklärt den Märkten seine Sicht der Dinge

Früher gaben sich Zentralbanken schmallippig. Heute ist das anders: Die jetzigen Chefzentralbanker Ben Bernanke und Mario Draghi sagen deutlich, was sie denken. Eine bedenkliche Entwicklung, meint Jim Leaviss, Rentenchef der Fondsgesellschaft M&G.

mm: Früher waren Zentralbanker schmalllippig, Allan Greenspans Reden als ehemaliger US-Notenbankchef waren kaum zu verstehen. Heute erklärt Fed-Chef Ben Bernanke in klaren Worten, er wolle die Krisenpolitik fortsetzen. Ist diese Offenheit ein Vorteil - und ist sie neu?

Leaviss: Darüber habe ich schon im Januar nachgedacht - geben Zentralbanken zu viele Informationen? Ich denke, dass die Zentralbanken damit, genau zu erklären, was sie tun, zwei Dinge riskieren: Entweder, ihre Politik nicht ändern zu müssen, selbst wenn das wirtschaftliche Umfeld genau das nahe legt. Oder ihr Gesicht zu verlieren, Glaubwürdigkeit und Vertrauen des Marktes, weil sie ihre Versprechen nicht einlösen.

mm: Sehen Sie die Gefahr, dass auch andere Zentralbanken diese neue Offenheit praktizieren?

Leaviss: Diese so genannte "forward guidance", die die Fed nun praktiziert, könnte in der Tat auch von anderen Zentralbanken genutzt werden. In seiner ersten Woche als Gouverneur der Bank of England (BoE) hat Mark Carney den Märkten erklärt, keine Zinserhöhungen in naher Zukunft erwarten zu können. Er wird sich nun bald erklären müssen, ob die Bank detailliertere Angaben zur Zinspolitik liefern muss. Währenddessen hat EZB-Präsident Mario Draghi anscheinend die bisherige Politik, sich nicht auf eine "forward guidance" festzulegen, geändert, als er am 4. Juli erklärte, die Eurozonenzinsen würden auf aktuellen oder niedrigeren Niveau für einen "verlängerten Zeitraum" bleiben.

mm: Wird sich dieser Trend verstetigen?

Leaviss: Nicht nur die Fed steht seit der Finanzkrise auf dem Standpunkt, den Märkten Sicherheit zu geben, dass es zu keinen unerwarteten Zinsanstiegen kommt, eine notwendige Bedingung für eine wirtschaftliche Erholung ist. Das wurde zuletzt auch deutlicher. Vergangenen Dezember zum Beispiel verband Bernanke alle Zinsanstiege und Einschränkungen des "Quantitative Easings" mit spezifischen Verbesserungen des Arbeitsmarktes. Wenn man das im Hinterkopf hat und beobachtet, wie BoE und EZB beide zu Beginn des Monats die Zukunft der Geldpolitik kommentieren, scheint es wahrscheinlich, dass die Zentralbanken "forward guidance" für einige Zeit machen werden.

Seite 1 von 2
Nachrichtenticker

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH