Montag, 23. Oktober 2017

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Kurssturz der Volkswagen-Aktie Warum Investoren jetzt verkaufen müssen

Der Kurs der Volkswagen-Aktie (VW) scheint ins Bodenlose zu stürzen - nach einer Gewinnwarnung des VW-Konzerns baute die Aktie ihre Verluste auf mehr als 20 Prozent aus.. Der Kursverfall ist dramatisch: Binnen zwei Tagen hat der VW-Konzern rund ein Drittel seiner Marktkapitalisierung verloren, 27 Milliarden Euro an Börsenwert wurden binnen weniger Stunden verbrannt. Doch wer sorgt für einen solch rasanten Kursverfall?

Die Seite des Bundesanzeigers vermeldet derzeit keine "short-Positionen" auf Volkswagen. Das ist ein Hinweis, dass zumindest offiziell niemand auf den Kurssturz von Volkswagen wettet. Auch wenn genau das gemunkelt wird.

Bleiben die Verkaufsorder klassischer Investoren als Ursache für den steten Wertverlust der Aktie. Pensionsfonds, Versicherungen oder Investmentfonds, deren Fondsmanager aus der Aktie fliehen und ihre Positionen an VW auflösen oder stark reduzieren.

Etliche von den Fondsmanagern nutzen automatische Handelssysteme. Sie schlagen Alarm, soweit die Aktie einen bestimmten Wert erreicht hat. Die einen lösen die Order automatisch aus, bei den anderen gibt das Risikomanagement entsprechende Warnungen (Value at Risk) oder gar Anweisungen an Großinvestoren weiter.

Doch auch ein anderer Marktteilnehmer verkauft - weil er muss.

Verliert VW an Gewicht im Dax, müssen ETFs nachziehen

Exchange Traded Funds (ETF), wie sie die Branchenriesen Blackrock und Vanguard verkaufen, bilden Börsenindizes nach. Jeden Tag aufs neue. Im Fall des Dax Börsen-Chart zeigen also in vielen Fällen dadurch, dass die Aktien, die im Börsenindex enthalten sind, gekauft und entsprechend aufgestockt werden, wenn sie an Gewicht gewinnen. Oder eben an Gewicht verlieren. Denn der ETF bildet den Index eben so nach, wie er gestaltet ist. Gewinnt die Deutsche Bank an Gewicht, wird entsprechend gehandelt.

Und ebenso, wenn VW an Gewicht verliert. Das dürfte die Debatte um die ETF und ihre Auswirkungen aif die Börsen wieder entflammen lassen. Solange sie ausreichend groß genug sind, um Wellen zu schlagen.

Denn groß ist gleich gefährlich, diese Gleichung wird spätestens seit der Finanzkrise aufgemacht. Sie gilt für Banken, die als zu "big to fail" bezeichnet wurden. Zu groß, um schadensfrei pleitegehen zu können. Inzwischen sind auch Großinvestoren dran. Großinvestoren wie Blackrock sehen sich zunehmend Kritik ausgesetzt. Die Bank of England murrte vor Jahren, Großinvestor Carl Icahn nannte das Unternehmen eine "extrem gefährliche Firma".

Nun haben drei Professoren nachgelegt und eine Studie mit dem provokantenTitel "Wer hat Angst vor Blackrock" veröffentlicht.

Massimo Massa lehrt an der französischen Business School Insead, Davi Schumacher an der McGill University in Montreal und Yan Wang an der Erasmus-Universität in Rotterdam. Der Kern ihrer Untersuchung: Aneger werden dann nervös, wenn sie zu viele Aktien in einer Hand sehen. Denn das macht es im Krisenfall schwierig, sich davon zu trennen. Liquidität, so der Börsenjargon dafür. Und Blackrock hat tatsächlich auf vielen Aktien die Hand gelegt. Nicht aus einem perfiden Plan, sondern weil das Investment-Konzept des Hauses nun einmal so aussieht. Den Index nachbilden, das ist im Kern die Blackrock-Philosophie.

Wenn das Unternehmen also einen Dax-ETF auflegt, kauft das Produkt in der Regel die entsprechenden Papiere. Wenn der Fonds 10 Millionen schwer ist, kein Problem. 8,5 Milliarden Euro, wie sie zum Beispiel der ishares Core Dax bündelt? Schon eher, doch angesichts einer Marktkapitalisierung des Index von 3,7 Billionen auch noch nicht ausreichend schwer. Doch die Wissenschaftler argumentieren, Schwankungen würden ja vor allem aus der Furcht vor künftigen Ereignissen ausgelöst, nicht unbedingt durch echte Ereignisse.

Und Blackrock verwaltet in der Summe rund 4,5 Billionen Dollar, in Euro 4,2 Billionen. Eben der größte Vermögensverwalter der Welt.

Genau diese Größe sei auch das Problem, so die Professoren. Denn sie sorge dafür, dass Blackrock so etwas wie der "Elefant im Teich" sei, der potentiell das "Boot zum Schaukeln" bringen könne. Ein Vorwurf, wie ihn Blackrock-Chef Fink immer wieder bestreitet. Und der immer wieder aufgebracht wird.

Derweil heißt es aus der New Yorker Unternehmenszentrale, etwas schmallippig, man wolle die Studie nicht direkt kommentieren. "Wir respektieren benevolente Forscher und hochwertiges Material, das manche Akademiker produzieren können." Doch ein "aber" schwingt deutlich mit. "Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass jene Untersuchungen zu Fehlern führen können, die isoliert von anderen Ereignissen der Welt oder von Menschen ohne fundamentales Verständnis eines Themas oder mit einer Tendenz zur Verifikation einer Ursprungsthese erstellt werden."

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