Freitag, 1. Juli 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Berliner Fondshaus schockt Kunden Ölkrise am Graumarkt - 10.000 Anleger sollen Millionen-Loch stopfen

Öl-Anlage in der Provinz Alberta: POC-Kunden investieren Millionen in Öl- und Gasquellen in Kanada - jetzt floppt das Geschäft

Anleger, die Geld in Erdölgesellschaften oder anderswo am Ölmarkt investiert haben, hatten in letzter Zeit nicht viel zu lachen. Seit Mitte 2014 hat sich der Ölpreis etwa halbiert, die Aktienkurse vieler Firmen aus der Branche befinden sich im Tiefflug. Den jüngsten Dämpfer erhielt der Markt in dieser Woche durch das Atomabkommen mit dem Iran, durch das auch die internationalen Sanktionen iranischer Ölexporte enden. Vor dem Hintergrund dürfte der Ölpreis auf absehbare Zeit kaum steigen, glauben viele Experten.

Besonders hart trifft es in diesen Tagen jedoch etwa 10.000 Anleger von geschlossenen Fonds der Berliner Firma Proven Oil Canada (POC). Die Fonds haben in Öl- und Gasquellen in Kanada investiert. Dabei waren den Investoren, die zusammen nach Angaben des Emissionshauses etwa 254 Millionen Euro in die Fonds eingezahlt haben, von POC Auszahlungen im zweistelligen Prozentbereich jährlich in Aussicht gestellt worden.

Davon sind die Fonds allerdings weit entfernt. Schon 2013 zeichneten sich Schwierigkeiten ab, sodass eine Umstrukturierung der Geschäfte in Nordamerika nötig wurde. Es folgte zur Geldbeschaffung der mehr oder weniger zwangsweise Verkauf verschiedener Öl- und Gasgebiete. Anfang 2014 dann der nächste Schock für die POC-Kunden: Auszahlungen, so erfuhren sie vom Emissionshaus, werde es vorläufig nicht geben.

Und jetzt das: Nicht genug damit, dass die Ausschüttungen bis heute nicht wieder aufgenommen wurden. In diesen Tagen finden die Investoren von sechs POC-Fonds vielmehr Briefe in ihrer Post, in denen sie zur Rückzahlung bereits erhaltener Gelder aufgefordert werden.


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier.
Durchschnittlich 9 Prozent der Einlage beziehungsweise 900 Euro werden je Beteiligung zurückgefordert, teilt POC auf Anfrage mit. Da sich einige der 10.000 Investoren mehrfach engagiert haben, liegt die tatsächliche Forderung, der sich die Anleger im Durchschnitt gegenübersehen, jedoch mit 2700 Euro deutlich höher. Insgesamt, so das Unternehmen, belaufe sich das Rückforderungsvolumen auf etwa 27 Millionen Euro.

Hintergrund der Zahlungsaufforderung sei die nach wie vor schwierige Situation im kanadischen Ölgeschäft, bedingt vor allem durch den niedrigen Ölpreis, heißt es in den Anlegerschreiben, die manager-magazin.de teilweise vorliegen. Daraus resultiere ein sehr konkretes finanzielles Problem bei der kanadischen Firma COGI, in die die deutschen Fondsgelder geflossen sind: Eine kanadische Bank habe einen Kredit an die COGI über rund 49 Millionen Kanada-Dollar (rund 35 Millionen Euro) kurzfristig fällig gestellt.

Weil ein alternativer Notverkauf von Öl- und Gasgebieten zur Liquiditätsbeschaffung aufgrund der Marktschwäche nicht in Frage komme, sollen die Investoren der COGI nun aus der Klemme helfen.

Und damit nicht genug: Laut POC reichen die Rückzahlungen nicht aus, um die 49 Millionen Kanada-Dollar zusammen zu bekommen. Es bleibe ein Finanzloch von 15 Millionen Kanada-Dollar, das - so legt es POC in den Schreiben nahe - durch zusätzliche Nachrangdarlehen seitens der Investoren gestopft werden soll.

Seite 1 von 2
Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH