Montag, 18. März 2019

Berliner Fondshaus schockt Kunden Ölkrise am Graumarkt - 10.000 Anleger sollen Millionen-Loch stopfen

Öl-Anlage in der Provinz Alberta: POC-Kunden investieren Millionen in Öl- und Gasquellen in Kanada - jetzt floppt das Geschäft

2. Teil: Bekannte Hintermänner, warnende Anlegerschützer

Für die Anleger von POC scheint sich damit zu bewahrheiten, wovor Beobachter schon lange warnen: Es drohen hohe Verluste mit einem Investment, das von Anfang an mit Vorsicht zu genießen war. Dabei waren die hohen Ausschüttungsversprechen des Unternehmens nur ein Merkmal, das misstrauisch machen konnte. Ein anderes sind die Verantwortlichen, die hinter dem Emissionshaus stehen.

Wie auch die "Wirtschaftswoche" schon vor einiger Zeit schrieb, handelt es sich dabei unter anderem um den Fondsinitiator Jürgen Hanne sowie frühere Mitstreiter von ihm. Hanne hatte in den 1990er Jahre eine milliardenschwere Pleite mit Immobilienfonds hingelegt, bei der Tausende Anleger viel Geld verloren.

Kein Wunder also, dass Anlegerschützer bereits alarmiert sind. Er rate den POC-Investoren dringend davon ab, die Ausschüttungen wie gefordert zurückzuzahlen, sagt etwa Thomas Lippert vom Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz (AAA). Es habe in der Vergangenheit vom Emissionshaus wenig Informationen gegeben. Gesellschafterversammlungen hätten kaum stattgefunden. Es müsse nun zunächst die Lage geprüft und weitere Verluste verhindert werden.

Christoph Rottwilm auf Twitter
Ähnlich sieht es Jochen Resch, Anlegeranwalt aus Berlin. Er bezweifelt gar, dass die Rückforderungen der Auszahlungen juristisch überhaupt durchsetzbar wären. "Das erscheint zumindest strittig", so Resch gegenüber manager-magazin.de. "POC verweist auf eine Klausel im Gesellschaftsvertrag, nach der Ausschüttungen zurückgefordert werden können, sofern die Gesellschafterversammlung diese Ausschüttungen nicht genehmigt. Die Versammlungen, auf der die Bilanzen für 2013 genehmigt werden sollen, finden aber erst im Oktober statt."

Die Zweifel kontert das Emissionshaus gegenüber manager-magazin.de. Die Rechtslage innerhalb der Verträge sei eindeutig, die Anleger seien nach Aufforderung zur Rückzahlung verpflichtet, so POC. Es sei zwar nachvollziehbar, dass die Anleger darüber irritiert seien. Die Sache sei aber "juristisch zweifelsfrei" geprüft worden. Zudem sei zu bedenken, dass es je Anleger um einen "überschaubaren" Beitrag gehe, so die Gesellschaft gegenüber manager-magazin.de.

Die Firma lässt allerdings auch keinen Zweifel daran, dass eine Weigerung der Anleger fatale Folgen haben könnte. Die Geschäftsführung sehe es als ihre primäre Verantwortung an, die Assets zu schützen und durch die schwierige Marktsituation zu führen, schreibt POC. Sollte es wider Erwarten jedoch nicht gelingen die Anleger zur Rückzahlung zu gewinnen, würde die Bank die zur Sicherung übertragenen Anlagen wohl zu derzeitigen Marktpreisen veräußern, so POC. Das wiederum würde "einen großen Schaden an den Vermögenswerten und damit an der Werthaltigkeit der Beteiligungen bedeuten", so das Unternehmen.

Sprich: Dann entstünden den Anlegern erst recht erhebliche Verluste.

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