Sonntag, 19. November 2017

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Größter Aktien-Kollaps der Geschichte geht in nächste Runde 800 Milliarden Dollar Wertverlust - bei einem Konzern

Logo des chinesischen Ölkonzerns Petrochina

Seit ziemlich genau zehn Jahren notiert der Ölkonzern Petrochina an der Börse von Shanghai. Was seither mit dem Unternehmen passiert ist, illustriert wohl besser als manche volkswirtschaftliche Abhandlung, welchen Umbruch die Volksrepublik und die Weltwirtschaft seither erlebt haben.

Rückblende: Am 5.11.2007 erobert Petrochina das Parkett von Shanghai wie kaum ein Großunternehmen zuvor. Noch am ersten Handelstag verdreifacht sich der Aktienkurs. Der Marktwert des zum Großteil staatlichen Konzerns schnellt auf genau eine Billion Dollar in die Höhe - plötzlich ist Petrochina das teuerste Unternehmen der Welt.

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Inzwischen "dümpelt" der Firmenwert bei 200 Milliarden Dollar. Petrochina ist weiterhin ein Konzern von beachtlicher Größe, doch die 800 Milliarden Dollar Wertverlust markieren den größten Aktien-Absturz eines einzelnen Unternehmens in der Geschichte, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg herausgestellt hat.

Gleich mehrere Faktoren haben dazu beigetragen, dass Petrochina (Jahresumsatz: 260 Milliarden Dollar, Mitarbeiter: gut 500.000) nicht mehr ganz oben mitspielt in der Liga der Über-Unternehmen:

  • Der 2007 zum Höhenflug ansetzende Ölpreis ist seit knapp drei Jahren auf Talfahrt. Zum Zeitpunkt des Börsengangs notierte die Sorte Brent Börsen-Chart zeigen bei mehr als 90 Dollar pro Fass, Tendenz stark steigend (auf über 120 Dollar im Sommer 2008). Inzwischen kostet Brent-Öl nur noch etwa 60 Dollar, was angesichts des zeitweise tiefen Tals schon als Comeback gewertet wird.
  • Die Volksrepublik hat die Regeln für den Aktienhandel verschärft. Das hat übertriebene Spekulationen erschwert und macht extreme Volatilität an den Märkten unwahrscheinlicher.
  • China hat seinen wirtschaftspolitischen Schwerpunkt geändert. Verfolgte Peking vor zehn Jahren noch einen vom Rohstoffsektor getriebenen Wachstumskurs, setzt die Regierung heute mehr auf den Technologie- und Konsumsektor.
  • Peking hat eine Groß-Offensive für Elektroautos gestartet - damit das Land weniger Öl importiert und mit Smog sowie Klimawandel besser fertig wird. Die Zahl neu zugelassener Batteriefahrzeuge hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Ihr Anteil ist auf knapp 2 Prozent gestiegen und wird den meisten Experten zufolge weiter stark steigen. Damit bekommt die alte Story vom rasant wachsenden Ölverbrauch in China tiefe Risse.

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