Montag, 19. November 2018

Währungspoker im Handelsstreit Peking lässt den Yuan weiter abgleiten - aber kontrolliert

Wechselkurs unter Einfluss der Politik: Ein schwächerer Yuan hilft China im Handelskonflikt mit den USA.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan ist gestoppt - jedenfalls vorerst. Mittel- bis langfristig jedoch spricht einiges dafür, dass die Währung der Volksrepublik gegenüber dem Dollar weiter an Wert verlieren wird.

Seit Monaten befindet sich der Yuan gegenüber dem Dollar auf dem Rückzug. Allein im Juni betrug das Minus 3,3 Prozent - es war der größte prozentuale Verlust der chinesischen Währung gegenüber der US-amerikanischen binnen eines Monats, die bislang beobachtet wurde. Seit Anfang Februar beträgt der Wertverlust inzwischen sogar etwa 6 Prozent.

Auch zu Beginn des Julis setzte sich die Talfahrt zunächst fort. Nachdem der Yuan am Dienstag jedoch erneut mit 0,8 Prozent ins Minus geraten war, wurde es den Verantwortlichen in Peking offenbar zu bunt. Medienberichten zufolge kam es zu massiven Dollar-Käufen von Seiten verschiedener chinesischer Banken. In der Folge grenzte die chinesische Währung ihren Tagesverlust bis zum Nachmittag erheblich ein.

Am heutigen Mittwoch dann ein ähnliches Bild: Der Yuan legt gegenüber dem US-Dollar zu, was der "Financial Times" zufolge auf Interventionen staatlicher Banken in China zurückzuführen ist. Nach wochenlanger Talfahrt stand der Yuan zuletzt mit 0,2 Prozent im Plus, so dass ein Dollar aktuell für 6,62 Yuan zu haben ist.

Auch Äußerungen der chinesischen Zentralbank haben den Kursverfall vermutlich - zumindest vorübergehend - aufgehalten. Chinas Notenbankchef Yi Gang hatte am Dienstag versichert, die Zentralbank werde den Wechselkurs stabil halten. Dies wurde an den Märkten als Warnschuss interpretiert, nicht weiter auf einen fallenden Yuan zu setzen, heißt es in Medienberichten.

Zum Hintergrund: Der Yuan steht derzeit gleich von verschiedenen Seiten unter Druck. Einerseits gibt es in China Anzeichen einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums, was die Notenbank zu großzügiger Geldpolitik bewegt und die Zinsen in China sinken lässt. Gleichzeitig befinden sich die USA als größter Konkurrent in der Weltwirtschaft in einem robusten Konjunkturzyklus mit steigenden Zinsen. Die Kombination sorgt für eine Belastung des chinesischen Yuan gegenüber dem US-Dollar.

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