Montag, 11. Dezember 2017

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Die Wirtschaftsglosse Der Inder, der seinen Geburtstag im Goldhemd feiert

Goldhemd und Leibwächter: Pankaj Parakh mit neuem Outfit

Der Inder Pankaj Parakh feiert heute seinen 45. Geburtstag. Das wäre nicht weiter der Rede wert, täte er es nicht am Ende des Tages in einem Hemd aus purem Gold. Versuch einer kulturhistorisch-finanzwissenschaftlichen Einordnung.

Man glaubt es kaum, aber das klassische Herren-Oberhemd, dem der Inder Pankaj Parakh in dieser Woche zu besonderer Aufmerksamkeit verhilft, fanden vor 3000 Jahren schon die Hebräer gut. Seit jener Zeit, als erste Leinen-Shirts allerdings noch bis hinunter auf den Boden reichten, legte das kleidsame Textil einen regelrechten Siegeszug durch die Kulturgeschichte hin, mit Highlights wie dem "Vatermörder" oder dem Hawaii-Hemd à la Thomas Magnum.

Bis heute gilt nicht nur in Politik und Wirtschaft: Wer nicht wenigstens ein weißes Business-Hemd im Schrank hat, ist kein richtiger Mann (auch Vito "Der Pate" Corleone, dem dieser Absatz gewidmet sei, war ein zwar zwielichtiger, aber doch überaus würdevoller Hemdenträger).

Ebenso ist der Kult um Unikate, wie ihm besagter Herr Parakh aus der Nähe von Mumbai speziell am heutigen Freitag, dem 8. August, huldigt, keineswegs neu. Blicken wir nur ins Rheinland-Pfälzische. Dorthin strömen seit Jahrhunderten regelmäßig viele Tausend Menschen, und das ausschließlich aus einem einzigen Grund: Sie wollen sich ein Hemd anschauen, das seit einigen Hundert Jahren in einem Nebenraum des Doms zu Trier liegt. Das soll angeblich der Messias Jesus Christus getragen haben, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als die Römer ihn, also Jesus Christus, ans Kreuz nagelten.

Christoph Rottwilm
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Christoph Rottwilm
Seit 1512 bereits organisiert die Trierer Kirche in unregelmäßigen Abständen größere Besichtigungstermine, während derer sie diesen so genannten "Heiligen Rock" zur Schau stellt. Zuletzt, Anno Domini 2012, pilgerten mehr als 500.000 Menschen in die "älteste Stadt Deutschlands", nur um sich das fast 2000 Jahre alte Leinenteil einmal aus der Nähe zu begucken.

Und schließlich drittens: Auch besonders wertvolle Hemden, wie sich unser indischer Freund Pankaj Parakh letzthin eines hat auf den Leib schneidern lassen, gibt es bereits verschiedentlich. Tatsächlich haben es vor allem Herren-Oberhemden, denen ein gewisse Geschichte anhaftet, Sammlern offenbar regelrecht angetan, wie diese Beispiele zeigen:

  • Das letzte Hemd des Gangsters Clyde Barrow (ja, genau, der von "Bonnie & Clyde"), blau, mit Original-Blutflecken und mehr als 30 Einschusslöchern: Versteigert im April 1997 in den USA für 85.000 Dollar.
  • Das letzte Hemd von Napoleon Bonaparte, weiß, mit Stehkragen, langem Arm und eingesticktem "N" unter kaiserlicher Krone, getragen am Tage seines Todes Anno 1821 auf der Atlantik-Insel Sankt Helena: Versteigert 2002 im französischen Fontainebleau für 62.000 Euro.
  • Ein rotes Wildlederhemd von Elvis Presley: Versteigert im Oktober 2009 in Chicago für 34.000 Dollar (heute etwa 25.400 Euro).
  • Ein cremefarbenes Hemd, ebenfalls von Elvis, mit Monogramm: Versteigert bei gleicher Gelegenheit in Chicago für 62.000 Dollar.
  • Ein Trikot des argentinischen Fußballstars Lionel Messi: Gegenstand eines erbitterten Streits zwischen den Fußballprofis Manuel Friedrich und Michal Kadlec von Bayer Leverkusen in der Halbzeitpause des Champions-League-Achtelfinal-Hinspiels der Leverkusener gegen den FC Barcelona im Februar 2012.

Insbesondere der Fall Messi sorgte für Aufsehen: Die beiden Bayer-Spieler waren so scharf auf das Hemd des Argentiniers, dass sie nicht einmal bis zum Abpfiff warten konnten und stattdessen schon in der Halbzeitpause um den Trikottausch rangelten.

Pointe: Am Ende erhielt zwar jeder der beiden Kicker ein Trikot von Messi. Bei einer späteren Versteigerung brachte aber zumindest eines der beiden Hemden "lediglich" rund 12.000 Euro.

Damit ist klar: Ein Hemd von Messi ist deutlich weniger wert als eins von Clyde Barrow, Napoleon Bonaparte oder Elvis Presley.

Und es ist zu guter Letzt auch viel weniger wert als jenes von Pankaj Parakh. Der Inder, der sein Geld im Textilgeschäft verdient, hat sich zu seinem heutigen 45. Geburtstag ein besonderes Geschenk gemacht: Ein Hemd aus purem, 18- bis 22-karätigem Gold. Vier Kilo schwer und 150.000 Euro wert.

Vier Leibwächter begleiten Parakh, wenn er mit seinem neuen Shirt durch seinen Heimatort Yeola stolziert. Doch aller Glanz kann nicht darüber hinwegtäuschen: Bis Parakhs Hemd so viel wert ist, wie jenes im Dom zu Trier, muss der Goldpreis noch erheblich steigen.

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