Sonntag, 19. August 2018

P&R-Skandal kostet Investoren Milliarden Schwierig, aber möglich - wie Anleger sich vor Betrug schützen

Container im Hamburger Hafen: Tausende P&R-Kunden verlieren mit den Stahlboxen wohl viel Geld.

54.000 Geldanleger müssen wohl Milliarden abschreiben - einen Anlageskandal wie jenen um die Münchener P&R-Gruppe hat Deutschland noch nicht gesehen. Dabei können Anleger einiges tun, um derartige Fehlschläge zu vermeiden.

Es ist ein Déjà-vu der besonders unangenehmen Art: Wieder implodiert in Deutschland ein großangelegtes Kapitalanlageunternehmen, wieder müssen Tausende private Investoren befürchten, ihre eingezahlten Gelder zum größten Teil nicht wieder zu sehen, und wieder ist die Rede von möglichem Betrug am Anleger.

Das einzige, das den Fall des Containerinvestment-Unternehmens P&R aus München, der gegenwärtig für Schlagzeilen sorgt, von vorherigen Anlageskandalen unterscheidet, so scheint es, ist sein schieres Ausmaß: 54.000 betroffene Sparer, 3,5 Milliarden Euro Investitionsvolumen, das nun in Gefahr ist, zum Großteil verloren zu sein - einen Geldanlageskandal dieses Ausmaßes hat es in Deutschland bislang soweit bekannt noch nicht gegeben.

Umso mehr stellt sich die Frage: Wie hätte er verhindert werden können? Oder besser, aus Anlegersicht: Wie lässt sich vermeiden, selbst zum Opfer eines solchen Debakels zu werden?

Die Antwort lässt sich in zwei Teile teilen. Teil eins handelt von gängigen Warnsignalen, die bei Geldanlegern schon frühzeitig Misstrauen und Zurückhaltung verursachen sollten. Übermäßige Renditeversprechen im zweistelligen Prozentbereich beispielsweise gehören dazu, insbesondere, wenn sie in bunten, marktschreierischen Prospekten zum Besten gegeben werden. Auch schwer durchschaubare Firmenkonstrukte, bei denen womöglich Geschäfte innerhalb einer Unternehmensgruppe abgewickelt werden ("rechte Tasche, linke Tasche") sollten die Alarmglocken bei Interessenten läuten lassen. Gleiches gilt, wenn Belege für Anlageerfolge in der Vergangenheit fehlen.

Der Fall P&R zeigt allerdings, dass es kaum ausreicht, sich ausschließlich auf derartige Offensichtlichkeiten zu verlassen, denn daran war bei P&R nur bedingt zu erkennen, dass etwas nicht stimmen könnte.

Die Kapitalanlagegruppe schrieb bis zu ihrer Insolvenz auf ihrer Website, sie habe seit 1975 sämtliche Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden zu 100 Prozent erfüllt. Im Laufe von Jahrzehnten haben demnach 60.000 Investoren insgesamt fünf Milliarden Euro in die Offerten von P&R gesteckt - und es gibt auch heute noch kaum einen Grund, an der Behauptung der bis kurz vor Schluss lückenloses Erfüllung dieser umfangreichen Kundenansprüche zu zweifeln.

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