Dienstag, 20. November 2018

Geprellter Anleger erzielt Teilerfolg Münchener Richter macht 54.000 P&R-Opfern Hoffnung

Verblichener Glanz: P&R gab sich lange als erfolgreiches Unternehmen - jetzt ist die Gruppe pleite
picture alliance / Matthias Balk
Verblichener Glanz: P&R gab sich lange als erfolgreiches Unternehmen - jetzt ist die Gruppe pleite

Erfreuliches Signal für die 54.000 geprellten Anleger, die in Container der insolventen Münchener P&R-Gruppe investiert haben, und die nach der Pleite des Unternehmens um ihr Geld bangen: Das Münchener Landgericht hat einem sogenannten dinglichen Arrest gegen den P&R-Firmengründer Heinz Roth zugestimmt. Damit hat soweit bekannt erstmals ein Richter im P&R-Anlageskandal anerkannt, dass es Haftungsansprüche von Anlegern gegen P&R-Gründer Roth geben könnte.

Im vorliegenden Fall hat die Anwaltskanzlei Göddecke aus Siegburg mit dem dinglichen Arrest Ansprüche eines Mandanten gegenüber Roth über 180.000 Euro gesichert. Damit ist es nach Angaben der Kanzlei nun nicht nur möglich, von Roth eine Auskunft über dessen Vermögensstand zu erzwingen. Wie aus Gutachten der Insolvenzverwalter in dem Verfahren hervorgeht, über die manager magazin online bereits berichtete, hat der P&R-Gründer diese Auskunft bislang verweigert. Vielmehr besteht für den bei Gericht erfolgreichen Anleger nun auch die Möglichkeit, das Vermögen von Roth per Zwangsvollstreckung anzugreifen.

"Wir freuen uns für unseren Mandanten", sagt Rechtsanwalt Marc Gericke, der den dinglichen Arrest erwirkt hat. "Nach unseren Informationen sind bei Herrn Roth durchaus Werte vorhanden, in die vollstreckt werden kann."

Hintergrund: Heinz Roth hat die Firmengruppe P&R gemeinsam mit einer Partnerin bereits in den 1970er Jahren gegründet. Das Unternehmen verkaufte Containerinvestments an Privatanleger und setzte auf diese Weise Milliardenbeträge um. Im März dieses Jahres mussten die wichtigsten P&R-Firmen dann Insolvenz anmelden. Wie inzwischen publik wurde, bestand in der Unternehmensgruppe seit etwa zehn Jahren eine Schieflage: Das Unternehmen hatte offenbar immer größere Anteile der Anlegergelder nicht in Container investiert, sondern verwendet, um damit Finanzlöcher an anderer Stelle zu stopfen und Auszahlungen an Investoren zu leisten.

Folge: Angaben der Insolvenzverwalter zufolge gibt es in der Firmengruppe heute einen Fehlbestand von etwa einer Million Containern. Diese Boxen wurden nie erworben, obwohl P&R dafür Gelder von Anlegern eingesammelt hatte.

Insgesamt sind von der P&R-Pleite rund 54.000 Anleger betroffen, die zusammen um Investitionen von etwa 3,5 Milliarden Euro bangen. Damit ist es der wohl größte Anlageskandal, den Deutschland bislang erlebt hat.

Im Zentrum des Geschehens steht P&R-Gründer Heinz Roth, gegen den nun der dingliche Arrest erlassen wurde. Auch die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Roth wegen des Verdachts auf Anlagebetrug. In dieser Woche wurde bekannt, dass der P&R-Gründer in Untersuchungshaft genommen wurde.

Den Arrest hemmen kann Roth nach Angaben der Kanzlei Göddecke lediglich, indem er einen entsprechenden Geldbetrag hinterlegt, einschließlich der entstandenen Rechtskosten. Gut möglich allerdings, dass es damit nicht getan ist. Rechtsanwalt Gericke vertritt eigenen Angaben zufolge eine dreistellige Anzahl an P&R-Mandanten, und er plant nach dem ersten Erfolg durchaus, weitere Arreste zu beantragen. Ähnliches dürften andere Anlegeranwälte in ganz Deutschland tun.

Zur Frage, ob es bereits weitere Anträge auf dingliche Arreste gegen P&R-Gründer Roth gibt, oder ob womöglich auch schon weiteren solchen Anträgen stattgegeben wurde, war am Samstag beim zuständigen Landgericht in München niemand zu erreichen.

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