Donnerstag, 19. Oktober 2017

Globale Ungleichheit 1 Prozent der Weltbevölkerung besitzt bald mehr als der gesamte Rest

Zunehmende Schieflage: Wie sich die Superreichen weltweit breit machen
Fotos
AP

Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, so lautet ein gängiges Klischee. Eine Studie zeigt jetzt: Das stimmt auf geradezu dramatische Weise.

Hamburg - Lange dauert es nicht mehr, dann gehört dem reichsten 1 Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des gesamten globalen Privatvermögens. Die übrigen 99 Prozent müssen sich dann mit dem Rest begnügen - und der schrumpft weiter.

Das ist das Ergebnis einer Studie von Oxfam, einem Verbund von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Die Vereinigung hat den Status quo sowie die Entwicklung der weltweiten Vermögensverteilung analysiert. Dabei kam Oxfam zu einem erschreckenden Ergebnis: Nachdem um die Jahrtausendwende der Reichtum schon einmal stark auf eine kleine superreiche Klientel konzentriert war, gab es bis etwa 2009 eigentlich eine Entspannung.

Seit 2010 jedoch, so die Studie von Oxfam, nimmt die Konzentration des Weltvermögens bei den Superreichen wieder dramatisch zu. Denn mit dem Ende der Weltwirtschaftskrise und angesichts haussierender Börsen und Immobilienmärkte gelang es den besonders vermögenden in den vergangenen Jahren überproportional stark, ihren Wohlstand zu vergrößern.

Die Folge: Nicht genug damit, dass das reichste Prozent der Bevölkerung, die Top-Milliardäre weltweit also, möglicherweise im kommenden Jahr schon mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens auf sich vereinen. Schon heute besitzen die 80 Superreichen mehr als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung. Zum Vergleich: 2010 waren noch 388 Top-Milliardäre erforderlich, um das Vermögen der ärmeren Hälfte der Bevölkerung aufzuwiegen.

Entwicklung soll gestoppt werden

"Die Kluft zwischen den Reichsten und dem Rest wird schnell tiefer", erklärte die britische Wohlfahrtsorganisation Oxfam am Montag, zwei Tage vor Eröffnung des alljährlichen Weltwirtschaftsforums in Davos.

Auch die Details der Oxfam-Studie sind aufschlussreich: 2009 gehörten 44 Prozent des Wohlstands einem Prozent der Weltbevölkerung. Vergangenes Jahr lag der Anteil bei 48 Prozent. 2016 werde er auf mehr als 50 Prozent anwachsen. In der Gruppe der Reichsten habe jeder Erwachsene ein Vermögen von 2,3 Millionen Euro.

Bei ihnen hört das steile Gefälle jedoch nicht auf: Fast das gesamte Resteigentum - 46 Prozentpunkte von insgesamt 52 Prozent - liegt laut Oxfam derzeit in den Händen von 20 Prozent der Weltbevölkerung. Den verbliebenen Reichtum von etwa 5,5 Prozent würden sich die übrigen 80 Prozent der Menschheit teilen. "Das Ausmaß der globalen Ungleichheit ist einfach erschütternd", erklärte die Oxfam-Direktorin Winnie Byanyima.

Um eine weitere Zunahme der Ungleichheit zu stoppen, fordert Oxfam von den Staaten mehrere Maßnahmen: Die Bekämpfung von Steuervermeidung und Steuerflucht; die Besteuerung von Kapital anstelle von Arbeit; die Einführung von Mindestlöhnen sowie die Verbesserung der öffentlichen Dienstleistungen. Die Regierungen müssten sich gegen Interessengruppen durchsetzen, "die einer faireren und gedeihlicheren Welt im Wege stehen", forderte Byanyima.

Die wachsende Ungleichheit gehört zu den Themen des Weltwirtschaftsforum, das von Mittwoch bis Samstag in der Schweiz stattfindet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Präsident François Hollande und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang haben neben 300 weiteren Staats- und Regierungschefs sowie Managern von Wirtschaftsunternehmen und Vertretern der Zivilgesellschaft ihr Kommen in den Schweizer Bergort Davos angekündigt.

Zunehmende Schieflage: Wie sich die Superreichen weltweit breit machen

mit Material von afp

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH