Mittwoch, 12. Dezember 2018

Spekulanten setzen auf billiges Öl Hedgefonds wetten auf weiteren Ölpreis-Rückgang

Öl-Förderung im Persischen Golf: Derzeit herrscht ein Überangebot auf dem Weltmarkt, weshalb der Preis bereits kräftig nachgab.

Beim Ölpreis bleibt es spannend: Nach der rasanten Talfahrt zu Beginn der vergangenen Woche hat sich der Preis zuletzt leicht erholt. Auch am Montag ging es zunächst weiter aufwärts. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 67,31 US-Dollar. Das waren 55 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 68 Cent auf 57,14 Dollar.

Die Frage ist jedoch, ob der Preisrutsch damit bereits beendet ist. Viele Spekulanten scheinen anderer Meinung zu sein: Sie wechselten zuletzt im großen Stil auf die Seite derer, die mit weiter fallenden Ölpreisen rechnen.

Wie der Finanzinformationsdienst Bloomberg berichtet, haben Hedgefonds ihre Wetten gegen Öl zuletzt in der siebten Woche in Folge erhöht. Es sei der längste ununterbrochene Zeitraum mit steigenden Short-Positionen seit 2011, so Bloomberg. Daten der US-Commodity Futures Trade Commission sowie von ICE Futures Europe zufolge haben sich die Short-Wetten damit seit Ende September verdreifacht.

Auch die Commerzbank Börsen-Chart zeigen vermutet, dass Spekulanten einen großen Beitrag zum Öl-Abverkauf der vergangenen Wochen geleistet haben. Zwar halten die Spekulanten auch nach der enormen Steigerung der Abwärtswetten nach wie vor Netto-Long-Positionen, sie sind also mehrheitlich weiterhin optimistisch eingestellt. Innerhalb der vergangenen sieben Wochen wurden diese Netto-Long-Positionen jedoch sowohl bei der Nordseesorte Brent Börsen-Chart zeigen also auch bei WTI-Öl um die Hälfte reduziert.

US-Lagerbestände steigen

Die Zahlen sprechen nicht unbedingt dafür, dass es mit dem Ölpreis in nächster Zeit wieder aufwärts geht. Einerseits. Andererseits spricht allerdings einiges dafür, dass viele negativen Nachrichten inzwischen bereits in den Ölpreis eingeflossen sind, sodass mit weiteren Schocks und Preiseinbrüchen womöglich kaum noch zu rechnen ist.

Ein Beispiel als Beleg: In der vergangenen Woche wurden Zahlen zu den US-Öl-Lagerbeständen veröffentlicht. Dabei wurde deutlich, dass die Rohöl-Bestände in den USA binnen einer Woche um mehr als zehn Millionen Barrel gestiegen sind, deutlich stärker als erwartet also. Es ist bereits der achte Wochenanstieg in Folge, wodurch die Bestände innerhalb dieses Zeitraums insgesamt um 48 Millionen Barrel zugelegt haben.

Diese Zahlen hätten die Ölpreise durchaus erneut unter Druck bringen können. Doch die negative Reaktion blieb aus, die Preise gingen am entscheidenden Tag sogar mit einem leichten Plus aus dem Handel.

Wird die Öl-Förderung eingeschränkt?

Die mittel- bis langfristig entscheidende Frage ist nun, wie die Öl-Förderer auf das offenkundige Überangebot auf dem Weltmarkt reagieren werden. Anfang Dezember trifft sich das Anbieterkartell Opec in Wien, um über seine Produktion im kommenden Jahr zu beraten. Das größte Förderland Saudi-Arabien spricht sich für eine Kürzung der Tagesproduktion um eine Million Barrel aus. US-Präsident Donald Trump hat sich allerdings bereits gegen eine solche Einschränkung der Förderung ausgesprochen.

Russland, das zwar nicht der Opec, aber dem erweiterten Opec-Plus-Verbund angehört, scheint eine Förderkürzung derzeit ebenfalls eher nicht als notwendig anzusehen. Vergangene Woche hatte Russlands Staatschef Wladimir Putin gesagt, Russland könne gut mit einem Ölpreis um die 70 Dollar herum leben. Ähnlich hatte sich sein Energieminister Alexander Nowak geäußert.

Zum Hintergrund: Die Entwicklung des Ölpreises hat in den vergangenen Wochen eine beinahe dramatische Wende erlebt. Seit seinem Tief Anfang 2016 war der Ölpreis zum Beispiel der US-Sorte WTI schon um mehr als 100 Prozent auf gut 75 Dollar je Barrel gestiegen. Anfang Oktober dieses Jahres setzte jedoch die Wende ein, seither fällt der Preis beinahe wie ein Stein. Das Minus auf aktuell gut 56 Dollar je Barrel (159 Liter) beträgt inzwischen mehr als 25 Prozent.

Nüchtern betrachtet lässt sich der Preiseinbruch als klassische Marktreaktion erklären, die aus dem Zusammenspiel von Nachfrage und Angebot entsteht: Während auf der einen Seite die Weltkonjunktur nach Jahren des Aufschwungs zunehmend schwächelt, was einen zusehends geringeren Ölverbrauch zur Folge hat, führt auf der anderen Seite vor allem ein merkwürdiges Hin und Her der USA bei den Sanktionen gegenüber dem Iran zu einer Ausweitung des Öl-Angebots auf dem Weltmarkt. Zunächst hatten die USA ihre Sanktionen gegen Iran in Kraft gesetzt, was das Land praktisch vom Weltölmarkt eliminiert hätte. Später erlaubten sie jedoch wieder Ausnahmeregelungen - da hatten andere Förderländer allerdings schon Förderausweitungen beschlossen, um das absehbare Manko auszugleichen.

Zusammen mit dem zuletzt wiedererstarkten US-Dollar, der die Öl-Nachfrage ebenfalls beeinträchtigt, sowie einigen weiteren Faktoren ergibt sich ein Bild, das den sinkenden Ölpreis nur logisch erscheinen lässt.

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