Sonntag, 9. Dezember 2018

Erst 100 Prozent rauf, jetzt 25 Prozent abwärts Darum fällt der Ölpreis zurzeit wie ein Stein

Öl-Förderung in China: Die Nachfrage nach dem Rohstoff schwächelt weltweit - doch das Angebot bleibt hoch.

Dieser Umschwung ist wirklich drastisch: Seit seinem Tief Anfang 2016 war der Ölpreis zum Beispiel der US-Sorte WTI schon um mehr als 100 Prozent auf gut 75 Dollar je Barrel gestiegen. Anfang Oktober dieses Jahres setzte jedoch die Wende ein, seither fällt der Preis beinahe wie ein Stein. Das Minus auf aktuell gut 55 Dollar je Barrel (159 Liter) beträgt inzwischen mehr als 25 Prozent.

Zuletzt fiel der Ölpreis allein am Dienstag in der Spitze um 7 Prozent. Dies ist der stärkste Verlust innerhalb eines Tages seit mehr als drei Jahren. An zwölf Handelstagen in Folge ging es damit mit dem schwarzen Gold abwärts. So eine Minusstrecke hat es US-Medien zufolge seit Beginn des Future-Handels im März 1983 noch nicht gegeben.

Die Frage drängt sich auf: Wie kommt es zu diesem dramatischen Preisrutsch?

Nüchtern betrachtet ist es wohl eine klassische Marktreaktion, die aus dem Zusammenspiel von Nachfrage und Angebot entsteht: Während auf der einen Seite die Weltkonjunktur nach Jahren des Aufschwungs zunehmend schwächelt, was einen zusehends geringeren Ölverbrauch zur Folge hat, führt auf der anderen Seite vor allem ein merkwürdiges Hin und Her der USA bei den Sanktionen gegenüber dem Iran zu einer Ausweitung des Öl-Angebots auf dem Weltmarkt. Zusammen mit dem zuletzt wiedererstarkten US-Dollar, der die Öl-Nachfrage ebenfalls beeinträchtigt, sowie einigen weiteren Faktoren ergibt sich ein Bild, das den sinkenden Ölpreis nur logisch erscheinen lässt.

Zunächst zur schwindenden Nachfrage nach Öl: Wichtige Informationen dazu finden sich im jüngsten Monatsbericht des Förderkartells Opec. Demnach erwarten die Anbieter im kommenden Jahr nur noch eine tägliche Nachfrage nach Öl in Höhe von 31,5 Millionen Barrel weltweit. Das sind nicht nur 500.000 Barrel täglich weniger als die Opec noch vor zwei Monaten angenommen hatte. Es sind auch 1,4 Millionen Barrel weniger als die aktuelle globale Öl-Produktion, die Angebotsseite also.

Ursachen für die schwindende Öl-Nachfrage gibt es verschiedene. Eine wichtige Rolle spielt die allgemeine konjunkturelle Abkühlung - in Deutschland etwa schrumpfte die Wirtschaftsleistung zuletzt erstmals seit Anfang 2015 -, eine andere der US-Dollar. Weil Öl in Dollar gehandelt wird, verteuert es sich für Marktteilnehmer außerhalb des Dollar-Raums mit jedem Prozent, um das der Dollar-Kurs steigt. Und der Greenback hat zuletzt ordentlich zugelegt.


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Eine Folge: Wie Bloomberg berichtet, befindet sich der Öl-Preis der Sorte Brent zwar inzwischen in Dollar gerechnet auf Sicht des laufenden Jahres im Minus. Für Käufer, die beispielsweise im brasilianischen Real oder in der indischen Rupie rechnen, steht aber nach wie vor ein Preisanstieg im zweistelligen Prozentbereich zu Buche.

Hinzu kommen weitere Faktoren wie ein geringerer Bedarf der chemischen Industrie, die immerhin für rund 12 Prozent der weltweiten Öl-Nachfrage steht. Wie Bloomberg ebenfalls berichtet, ersetzen einige neue US-Fabriken das Öl-Derivat Naphtha seit einiger Zeit durch Ethan, das bei der Produktion von Schiefergas abfalle.

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