Dienstag, 19. März 2019

Erst 100 Prozent rauf, jetzt 25 Prozent abwärts Darum fällt der Ölpreis zurzeit wie ein Stein

Öl-Förderung in China: Die Nachfrage nach dem Rohstoff schwächelt weltweit - doch das Angebot bleibt hoch.

2. Teil: Die zweifelhafte Rolle des Donald Trump

Während also die Nachfrage nach Öl weltweit schwächelt, kommt es auf der Angebotsseite vor allem aufgrund unvorhergesehener Entwicklungen im Zusammenhang mit den Sanktionen der USA gegen Iran zu zusätzlichen Mengen. Ursprünglich hatten die USA Sanktionen gegen Iran in Kraft gesetzt, die das Land weitgehend vom Welt-Ölmarkt eliminiert hätten. Um die deshalb fehlenden Öl-Mengen auszugleichen, hatten die Opec-Staaten sowie deren Verbündete wie Russland bereits beschlossen, mehr Öl auf den Markt zu werfen.

Inzwischen haben die USA jedoch Ausnahmen gestattet, die es Importeuren gestatten, weiterhin Öl aus dem Iran zu beziehen. Eigentlich sind die Angebotssteigerungen von Ländern wie Saudi-Arabien also wieder weitgehend obsolet - doch noch zögern die Anbieter, ihren Schritt rückgängig zu machen.

Einen Grund dafür lieferten wiederum die USA: Dort twitterte US-Präsident Donald Trump jüngst, er hoffe, Saudi-Arabien und die Opec würden ihre Produktion nicht drosseln, schließlich müssten die Ölpreise Trump zufolge noch deutlich niedriger sein.

Werden die Ölförderer also dem Druck Trumps nachgeben und den Ölhahn geöffnet halten? Oder folgen sie der Vernunft und versuchen mit Förderkürzungen den Markt zu stabilisieren?

Viele Experten halten Letzteres für erforderlich. Nach Einschätzung der ING Bank etwa ist eine Einschränkung der Fördermengen angesichts eines zu erwartenden Überangebots unausweichlich. Für eine Preiserholung bedarf es Signale der Opec, dass sie trotz der Trump-Kommentare zu einer Produktionskürzung bereit ist, meint auch die Commerzbank. Auch der saudi-arabische Ölminister Chalid al-Falih hatte am Montag bereits einen solchen Schritt für 2019 signalisiert. Dennoch ist der Druck aus Washington groß - schließlich besteht zwischen den USA und Saudi-Arabien ansonsten eine enge Bande.

"Präsident Trump wird die Opec weiter unter Druck setzen, so dass es für die Opec und Nicht-Opec-Ölanbieter schwierig bleibt, sich auf Förderkürzungen zu einigen", zitiert Bloomberg einen Rohstoffanalysten von Rakuten Securities in Tokio. Gleichzeitig sei die nachlassende Nachfrage auch vor dem Hintergrund des anhaltenden Handelskonflikts zwischen den USA und China kaum verwunderlich.

Zu allem Überfluss gibt es allerdings noch einen weiteren Faktor, der das Öl-Angebot aktuell stetig steigen lässt: In den USA nehmen Unternehmen zunehmend die Öl-Förderung aus Schiefergestein wieder auf. Laut Bloomberg dürfte dieser Trend in nächster Zeit weiter anhalten. Die Rekord-Förderung in den USA drücke bereits auf die Ölpreise, schrieben etwa die Analysten der Bank of America Merrill Lynch in einem Kommentar - und erwarten für das kommende Jahr einen Anstieg der US-Öl-Förderung auf mehr als zwölf Millionen Barrel pro Tag.

Auch dies also ein Faktor, der den Ölpreis weiterhin unter Druck setzen dürfte.

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