Mittwoch, 22. November 2017

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Staatsfonds bunkert eine Billion Dollar für Norwegens Bürger Der Mega-   Giga- Tera-Fonds aus Oslo

Norwegischer Fußballfan

Die glorreichsten Tage des norwegischen Staatsfonds seien vorbei, heißt es mitunter. Doch nun das: Oslos Investment-Großvehikel hat im ersten Halbjahr eine Rekordrendite von 6,5 Prozent erwirtschaftet, wie die Notenbank mitteilte. Deshalb sei das Vermögen des Fonds auf den neuen Höchststand von 8,02 Billionen Kronen gestiegen - das sind knapp eine Billion Dollar, wie das "Wall Street Journal" schnell ausrechnete.

Die Zahl wäre noch höher ausgefallen, hätte der Staat nicht 16 Milliarden Kronen aus dem Fonds entnommen und stünde die norwegische Krone nicht so hoch. Diese entwertet den Fonds laut der Zentralbank um weitere 16 Milliarden Kronen.

Zum Vergleich: Mit der Summe könnte in Deutschland der Bund zwei Drittel seiner gesamten Schulden in Höhe von 1,3 Billionen Euro (gut 1,5 Billionen Dollar) tilgen.

Auch in der Pro-Kopf-Rechnung erreicht der norwegische Staatsreichtum somit schwindelerregende Höhen. Auf jeden der knapp 5,3 Millionen Einwohner entfallen nun etwa 192.700 Dollar, das sind 164.000 Euro. Es ist Norwegern allerdings nicht möglich, sich diese Summe auszahlen zu lassen.

Vielmehr soll der Staatsfonds den Ölreichtum des Landes für die Zukunft sichern. Gewinne auf der Rohstoffförderung investiert die Staatsbank weltweit in Aktien und Staatsanleihen. Da letztere vergleichsweise wenig Rendite brachten, soll der Schwerpunkt in Richtung Unternehmensanteile erhöht werden.

Zuletzt hat der Staat auch häufiger Mittel aus dem Fonds entnommen, um den Haushalt zu stabilisieren und beispielsweise in Straßen, Brücken und Tunnel zu investieren. Zuletzt hatten sinkende Ölpreise die norwegische Wirtschaft unter Druck gesetzt. Mit Mitteln aus dem Staatsfonds lassen sich die Probleme allerdings recht einfach wegbügeln.

Genauso soll es laufen, findet die Regierung. Genau das macht die Norweger träge und einfallslos, sagen andere.

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