Freitag, 20. Oktober 2017

Zahl reicher Auswanderer springt in die Höhe Tausende Millionäre verlassen Deutschland

Australien und Co.: In diese Länder wandern Millionäre am liebsten aus
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Es ist schon eine alarmierende Zahl, die die südafrikanische Beratungsgesellschaft New World Wealth da ermittelt hat: Nach Angaben des Unternehmens haben Deutschland im vergangenen Jahr unterm Strich rund 4000 Millionäre den Rücken gekehrt.

Die Anzahl der besonders vermögenden Menschen, die die Bundesrepublik verlassen, ist damit laut New World Wealth binnen Kurzem sprunghaft gestiegen: 2015 waren demnach etwa 1000 Millionäre aus Deutschland ausgewandert, in den Jahren zuvor dagegen habe die Anzahl höchstens im niedrigen dreistelligen Bereich gelegen, teilt das Unternehmen mit.

Die Zahlen sind Teil einer Studie von New World Wealth über die Migrationsbewegungen von Menschen weltweit, die über ein Vermögen von jeweils mehr als einer Million Dollar verfügen (zurzeit etwa 950.000 Euro). Nach Angaben des Unternehmens wurden für die Analyse weltweit mehrere hundert Reiche und Superreiche interviewt. Zudem gab es Gespräche mit Migrationsexperten, Vermögensberatern und Immobilienmaklern sowie Auswertungen von Visa-Statistiken, Immobilienregistern, Medienberichten und ähnlichem, so das Unternehmen.

Gesamtergebnis: Insgesamt wechselten 2016 weltweit 82.000 Dollar-Millionäre das Land, in dem sie leben. 2015 hatte die Zahl noch bei lediglich 64.000 gelegen. Das beliebteste Ziel der reichen Auswanderer ist demnach Australien, gefolgt von den USA sowie Canada, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Neuseeland. Auch aus Deutschland zog es die meisten auswandernden Millionäre im vergangenen Jahr nach Australien und Kanada, wie New World Wealth mitteilt. Beliebt sei zudem Monaco, heißt es.

Kein Land verlassen so viele Millionäre wie Frankreich

Nach Ansicht der Studienautoren ist die Abwanderung besonders reicher Menschen aus einem Land ein alarmierendes Zeichen, denn diese Klientel sei bei größeren Migrationsbewegungen aufgrund der hohen persönlichen Flexibilität häufig die erste, die gehe. Zudem stützen vermögende Menschen in einem Land nicht nur den Konsum und über ihre Steuerzahlungen die Staatskasse. Sie schaffen und bieten über eigene Unternehmen vielmehr nicht selten auch zahlreiche Jobs.

Der starke Anstieg der Auswanderung reicher Menschen aus Deutschland hängt nach Ansicht der Analysten von New World Wealth mit zunehmenden Spannungen in der Gesellschaft zusammen, wie sie auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten seien. Namentlich in Großbritannien, den Niederlanden, Österreich, Schweden und Belgien erwarten die Fachleute daher in Zukunft eine ähnliche Entwicklung.

Mahnendes Beispiel ist der Studie zufolge Frankreich, wo seit einiger Zeit Jahr für Jahr so viele Millionäre auswandern, wie in keinem anderen Land der Welt. 2016 kehrten Frankreich nach Angaben von New World Wealth insgesamt 12.000 Menschen den Rücken, die mindestens über ein Vermögen von umgerechnet einer Million Dollar verfügen. Im Vorjahr war die "grande Nation" mit 10.000 besonders reichen Auswanderern ebenfalls weltweiter Spitzenreiter. Im Jahr davor hatten bereits rund 6000 französische Millionäre das Weite gesucht.

Auf die Frage nach den Gründen für die starke Abwanderung verweisen die Autoren der Studie auch im Falle Frankreichs auf "religiöse Spannungen", die in dem Land besonders stark ausgeprägt seien.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Ob diese monokausale Erklärung in jedem Fall greift, sei allerdings dahingestellt. Vor einigen Jahren wurde der Fall des französischen Schauspielers Gérard Depardieu von der Öffentlichkeit aufmerksam verfolgt. Der Mime verabschiedete sich aus seiner Heimat in Richtung Russland. Zur Begründung gab Depardieu allerdings nicht etwa religiöse Spannungen im Land an, sondern die hohe Steuerbelastung.

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