Donnerstag, 22. Februar 2018

Noch wenige Tage bis Jahreswechsel Neue Fondssteuern ab 2018 - was Anleger noch tun müssen

Alle Jahre wieder: Die Steuererklärung wird für manche Investoren künftig einfacher, denn die Fondsbesteuerung wird vereinheitlicht

Mit dem neuen Jahr werden neue Regeln für die Besteuerung von Investmentfonds wirksam. Vieles wird damit für Anleger einfacher - doch ein Eingriff des Staates dürfte sie nicht unbedingt erfreuen.

Jahreswechsel sind meist mit vielen Änderungen und Neuerungen verbunden, auch für Geldanleger. Dieses Mal kommt eine besonders umfangreiche Umstellung auf Inhaber von Investmentfonds und börsengehandelten Indexfonds, so genannten ETFs, zu: Die Bundesregierung hat schon vor Längerem beschlossen, die Besteuerung dieser Fonds komplett zu reformieren - zum 1. Januar 2018 tritt das zu dem Zweck verabschiedete Gesetz nun in Kraft.

Die zahlreichen Änderungen in wenigen Sätzen zusammenzufassen, ist unmöglich. Zu umfangreich und komplex ist das künftig geltende Steuersystem. Die Website Finanztip.de beispielsweise hat dazu eine ausführliche und gut verständliche Aufarbeitung erstellt. Viele Informationen und Antworten auf drängende Anlegerfragen gibt es zudem beim Fondsverband BVI.

Die aus Sicht von Fondsanlegern wichtigsten Punkte sind in jedem Fall diese:

  • Ziel der Reform war es, wie das Bundesfinanzministerium mitgeteilt hat, die Besteuerung der Fonds zu vereinfachen und Ungleichbehandlungen zu beenden. Auf diese Weise sollte letztlich auch erreicht werden, dass sowohl Anleger als auch Fondsanbieter, Banken sowie die Finanzverwaltung weniger Arbeit mit dem Steuerthema haben.
  • Bislang gab es zum Teil unterschiedliche steuerliche Behandlungen beispielsweise von deutschen Fonds gegenüber ausländischen, oder von Aktienfonds, die die Dividenden der enthaltenen Unternehmen ausschütten, gegenüber solchen, die diese Gewinnausschüttungen reinvestieren ("thesaurierende Fonds"). Diese Uneinheitlichkeit wird es künftig nicht mehr geben, alle Fonds werden nach dem gleichen System mit Hilfe einer jährlichen Pauschale besteuert. So sollen auch bestimmte Steuertricks und -schlupflöcher aus der Welt geschafft werden.
  • Die Folge der Vereinheitlichung ist auch, dass Investoren künftig unbelastet von steuerlichen Vorbehalten frei aus dem kompletten Universum angebotener Fonds das passende Investmentprodukt für die eigenen Bedürfnisse auswählen können. Bislang scheuten manche Fondskäufer vor bestimmten ausländischen Fonds zurück, weil diese bei der Steuererklärung mehr Arbeit machten. Das soll es künftig nicht mehr geben, die Steuern, die Anleger für ihre Fondsbeteiligung zu entrichten haben, werden ab 1. Januar generell von der jeweiligen Depotbank an den Fiskus abgeführt.
  • Eine wichtige Neuerung betrifft Fonds, die sich bereits seit Jahren in den Depots der Anleger befinden. Dabei handelt es sich um Bestände, die bereits vor 2009 erworben wurden.
    Hintergrund: 2009 wurde die Abgeltungssteuer auf Erträge aus Kapitalanlagen eingeführt. Fondsanteile, die sich zum Zeitpunkt der Einführung bereits im Besitz der Anleger befanden, genießen bis heute Bestandsschutz - bei ihnen können Kursgewinne nach wie vor steuerfrei einkassiert werden.
    Dieser Schutz endet jedoch mit Beginn der neuen Investmentbesteuerung Anfang kommenden Jahres: Ab dem 1. Januar werden auch die Kursgewinne der alten Fondsanteile besteuert, die bereits vor dem 31. Dezember 2008 erworben wurden.

Wichtig ist jedoch zu wissen: Das gilt nur für Gewinne, die ab dem 1. Januar 2018 anfallen. Alles, was zwischen 2009 und heute an Kurszuwächsen erreicht wurde, bleibt weiterhin steuerfrei. Und: Für die künftig anfallenden Gewinne genießt jeder Anleger einen Freibetrag von 100.000 Euro - nur, was er darüber hinaus an Kursgewinnen mit seinen Altbeständen erzielt, gerät in den Zugriffsbereich des Finanzamts.


Die Commerzbank beispielsweise weißt zudem auf eine Feinheit hin: Der Freibetrag "atmet" gewissermaßen, so die Bank. Das heißt: Sollten im Laufe der kommenden Jahre mit "Altfonds" einmal Verluste anfallen, so kann der bis dahin durch vorherige Gewinne bereits dezimierte Freibetrag damit wieder "aufgefüllt" werden.

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