Mittwoch, 27. Juli 2016

Negative Zinsen Sicherheit kostet Geld - EZB führt Altersvorsorge ad absurdum

Verflogen: Wer Geld zur Bank trägt, muss dafür Geld bezahlen. Günstiger wäre, das Geld unterm Kopfkissen zu bunkern

Keine Rendite ohne Risiko, lautet seit Jahren die Devise. Nach der Meldung vom ersten Negativzins auf Bankeinlagen kommt ein neuer Grundsatz hinzu: Sicherheit kostet Geld. Leidtragender ist der Sparer - seine Altersvorsorge wird von Politik und Notenbanken torpediert.

Hamburg - Ich stelle der Bank mein Geld zur Verfügung, damit sie es für sich arbeiten lassen kann - und dafür soll ich auch noch draufzahlen? Das ist doch eine Unverschämtheit!

Das ungefähr dürfte vielen durch den Kopf gehen, wenn sie Meldungen über negative Sparzinsen lesen, die in diesen Tagen die Runde machen. Als erste deutsche Bank erhebt die Skatbank einen solchen negativen Einlagenzins, wie vergangene Woche das Vergleichsportal Verivox publik machte. Ab einem Guthaben von 500.000 Euro beträgt der "Strafzins", den Skatbank-Kunden zahlen müssen, 0,25 Prozent. Allerdings nur, wenn das Gesamtguthaben drei Millionen Euro überschreitet, wie inzwischen konkretisiert wurde.

Damit erhält die Diskussion um geringe Erträge am Kapitalanlagemarkt neuen Zündstoff. Seit einigen Jahren befindet sich das Zinsniveau für Bankprodukte auf extrem niedrigem Niveau. Wer Rendite anstrebt, muss dafür ins Risiko gehen, lautet seither die Devise. Sprich: Aktien, Anleihen oder Immobilien kaufen, die im Wert schwanken und somit - anders als Tages- oder Festgelder - Verluste bringen können.

Nun also der nächste Schritt: Zu dem Grundsatz "Keine Rendite ohne Risiko" kommt offenbar ein weiterer hinzu: Sicherheit kostet Geld - wer Risiken meidet, zahlt.

Weitere Banken dürften negative Zinsen einführen

Zwar zeigt eine Blitzumfrage von manager magazin online bei prominenten Adressen wie der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen oder der Commerzbank Börsen-Chart zeigen, dass derzeit angeblich noch kein weiteres Institut ähnliche Pläne für Negativzinsen hat. Marktbeobachter gehen aber davon aus, dass die Banken zunächst die Reaktion auf den Vorstoß der Skatbank abwarten, bevor sie sich aus der Deckung wagen.

So äußerte sich am Wochenende auch Asoka Wöhrmann, Chefanlagestratege der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset & Wealth Management, der prophezeite, negative Zinsen dürften bald "keine Seltenheit" mehr sein. Schließlich berichtet Verivox, dass einige Unternehmen bereits seit Wochen solche Minuszinsen - sprich Strafgebühren - auf ihr Guthaben zahlen.

Ein besonderer Grund, auf die Banken einzuprügeln, ist das für den größten Teil der Sparer allerdings kaum. Erstens trifft es nach der Drei-Millionen-Euro-Hürde der Skatbank zunächst nicht den klassischen Privatanleger. Beobachtern wie Max Herbst von der unabhängigen FMH-Finanzberatung zufolge dürfte es dabei vorläufig auch bleiben. Und zweitens ist die Reaktion der Bank durchaus nachvollziehbar.

Die Institute und ihre Kunden befinden sich in einer simplen Marktsituation, in der die Gesetze von Angebot und Nachfrage gelten. Das heißt: Hat die Bank Interesse an Kapital, um damit arbeiten zu können, muss sie Anreize bieten, damit Kunden zu ihr kommen und ihr Geld bei ihr anlegen. Dazu dient der Zins.

Rennen die Kunden den Geldinstituten aber wie gegenwärtig die Türen ein, um ihr Vermögen dort vor den Risiken des Kapitalmarktes zu schützen, dann gibt es diese Notwendigkeit des Anreizes nicht mehr. Im Gegenteil: Die Banken bieten ihren Kunden die Sicherheit, die sie in alternativen Anlageformen wie Geldmarktfonds oder Anleihen nicht finden - und wie gesagt: Diese Sicherheit kostet künftig Geld. Zumal die fast zwei Billionen Euro an Spareinlagen, die Europas Banken halten, für sie inzwischen zum Kostenfaktor geworden sind: Parken sie dieses Geld bei der EZB, müssen sie darauf Strafzinsen zahlen - und diese Kosten geben sie früher oder später an den Kunden weiter.

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