Freitag, 14. Dezember 2018

Erträge kräftig steigern, Arbeitsplätze leicht abbauen Neuer Münchener Rück-Chef rollt Angriffsplan aus

Joachim Wenning, Chef des Rückversicherers Munich Re

Den Stellenabbau hat er bereits angekündigt, nun liefert er den Rest nach: Joachim Wenning, seit elf Monaten Vorstandschef der Münchener Rückversicherung / Munich Re Börsen-Chart zeigen, will die jahrelange Gewinnerosion des weltgrößten Rückversicherers stoppen. Bis 2020 solle der Gewinn wieder auf 2,8 Milliarden Euro steigen, kündigte Wenning nun an. Das wäre rund eine halbe Milliarde mehr als sich die Münchener Rück für das laufende Jahr vornehmen.

Zu diesem Ziel soll nicht nur ein Abbau von rund 900 Arbeitsplätzen beitragen, sondern vor allem wachsende Erträge aus der Erst- und Rückversicherung. "Wir haben die Ambition, dass wir mit weniger Aufwand mehr Geschäft schreiben", sagte Wenning auf der Bilanzpressekonferenz in München. Die Münchener Rück habe auch auf reifen Märkten wie den USA ihre Chancen längst nicht ausgeschöpft.

Zum ersten Mal seit Jahren sollen auch in der Münchner Zentrale Stellen abgebaut werden. Dort ist der Wegfall von rund 450 Arbeitsplätzen geplant, die Hälfte davon binnen eines halben Jahres über Abfindungen, der Rest über Fluktuation und Vorruhestand. Der Rest der Streichungen, die Wenning intern im Februar angekündigt hatte, entfällt vornehmlich auf die USA. Insgesamt arbeiten in den betroffenen Bereichen 11.500 Menschen. Die Erstversicherungs-Tochter Ergo, deren Abbauprogramm noch läuft, bleibt diesmal außen vor.

200 Millionen Euro will der Konzern damit sparen - Geld, das in die Digitalisierung und den Umbau des Geschäfts fließen soll. Die Münchener Rück müsse näher an den Endkunden rücken, sagte Wenning. Anderes, was den Ansprüchen nicht mehr genüge, komme auf den Prüfstand. "Bei einem 'Weiter so' wäre diese Ertragssteigerung nicht möglich."

Gewinn bröckelt - auch ohne Wirbelstürme

Bis 2015 hatte die Münchener Rück regelmäßig Gewinne von drei Milliarden Euro und mehr abgeliefert. Seither bröckelt das Ergebnis, vor allem durch die niedrigen Zinsen und die sinkenden Preise in der Rückversicherung. 2017 pulverisierte die Serie von drei Wirbelstürmen in den USA und der Karibik das Ergebnis, das von 2,6 Milliarden Euro auf 392 Millionen einbrach. "Harvey", "Irma" und "Maria" kosteten den Marktführer 2,7 Milliarden Euro. Aber auch ohne die Hurrikane wäre der Gewinn auf 2,2 Milliarden geschrumpft, rechnete Finanzvorstand Jörg Schneider vor.

In diesem Jahr sollen es 2,1 bis 2,5 Milliarden Euro werden. Die Münchener Rück setzt darauf, dass der leichte Aufwärtstrend bei den Rückversicherungs-Preisen anhält und die Zinsen auf die 230 Milliarden Euro an Kapitalanlagen wieder steigen. Von Ergo erwartet Wenning in diesem Jahr 250 bis 300 (2017: 273) Millionen Euro Gewinn, 2020 sollen es 530 Millionen sein. "Es läuft alles wie geplant, vielleicht sogar ein bisschen besser", berichtete Ergo-Chef Markus Rieß über den Umbau. Im Ausland will er sich von weiteren Beteiligungen trennen.

Die Münchener-Rück-Aktionäre sollen von dem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr nichts spüren. Insgesamt 2,3 Milliarden Euro verteilt der Konzern unter ihnen. Nicht nur die Dividende bleibt mit 8,60 Euro stabil, auch ein weiterer Aktienrückkauf im Volumen von einer Milliarde Euro startet im April. Das trieb die Aktie um 1,5 Prozent auf 184,50 Euro. Die Münchener Rück habe ausreichend Kapital, sagte Finanzvorstand Schneider. "MunichRe hat somit die finanzielle Stärke, um profitabel zu wachsen."

Vorstandschef Wenning blieb schmallippig, was mögliche Zukäufe angesichts der Umwälzungen in der Branche betrifft. Die französische Axa kaufte kürzlich für umgerechnet 12,4 Milliarden Euro den Bermuda-Rückversicherer XL Group. Der für die Rückversicherung zuständige Vorstand Torsten Jeworrek wurde deutlicher: "Die Preise (für Übernahmen) sind zurzeit teilweise völlig utopisch."

wed/Reuters

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