Samstag, 16. Dezember 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Nach Haft im Luxusknast in Riad Milliarden-Vergleich - Saudi-Prinz wieder auf freiem Fuß

Saudi-Prinz Miteb bin Abdullah: Frei für eine Milliarde Dollar

Gut drei Wochen nach der der Festnahmewelle in Saudi-Arabien ist der einflussreiche Prinz Miteb bin Abdullah am Mittwoch freigelassen worden. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus saudiarabischen Regierungskreisen. Zudem berichten zahlreiche Medien übereinstimmend über die Freilassung. Der Prinz habe mit den saudischen Offiziellen einen Vergleich im Wert von einer Milliarde Dollar geschlossen, schreibt etwa der Finanzinformationsdienst Bloomberg mit Verweis auf einen beteiligten Beamten. Mindestens drei weitere Festgesetzte haben demnach ebenfalls finanziellen Vergleichen zugestimmt.

Prinz Miteb war als Chef der Nationalgarde entlassen worden, bevor er Anfang November mit mehr als 200 Prinzen, Ministern und Geschäftsleuten auf Geheiß von Kronprinz Mohammed bin Salman wegen Korruption festgenommen wurde. Seither saßen die Beschuldigten im Fünfsterne-Hotel Ritz in der saudischen Hauptstadt Riad, bewacht und mit nur sehr eingeschränktem Kontakt zur Außenwelt. Ein Video, dass der britische Sender BBC im inneren des wohl luxuriösesten Gefängnisses der Welt drehte, sorgte vor einigen Tagen für Aufmerksamkeit:

Das Informationsministerium des Landes bestätigte Prinz Mitebs Freilassung zunächst nicht. Beiträge der königlichen Familie in den sozialen Netzwerken sprachen aber ebenfalls für die Freilassung des Prinzen. Der 64-jährige Sohn des verstorbenen Königs Abdullah war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Prinz Miteb, der einst als Anwärter auf den Thron galt, ist das bislang prominenteste Mitglied der Königsfamilie, das freigelassen wurde. Einigen Experten zufolge wollte Kronprinz Mohammed, der auch Verteidigungsminister ist, mit der Entmachtung von Prinz Miteb seine Kontrolle über den Sicherheitsapparat des Landes festigen. Die Regierung in Riad versichert aber, dass es ausschließlich um die Bekämpfung der Korruption gegangen sein.

In einem vergangene Woche veröffentlichten Interview mit der "New York Times" hatte Kronprinz Mohammed gesagt, 95 Prozent der Festgenommenen seien bereit zu einem Vergleich und der Rückerstattung veruntreuter Güter und Gelder.

"Dass Prinz Miteb offenbar freigelassen wurde, könnte ein Anzeichen dafür sein, dass die saudiarabischen Behörden Fortschritte dabei machen, Vereinbarungen mit den Festgenommen zu treffen", sagte Kristian Ulrichsen von der Rice University in Texas. Es handle sich um den Versuch, die Auswirkungen der Maßnahmen des Kronprinzen zu minimieren und Bedenken über politische Risiken bei Geschäften in Saudi-Arabien vorzubeugen.

Die Festnahmewelle hatte in dem Königreich große Unruhe ausgelöst. Die Zugriffe waren unmittelbar nach der Einsetzung einer Anti-Korruptions-Kommission unter Leitung des Kronprinzen Mohammed bin Salman erfolgt. Das Vermögen der Betroffenen wurde eingefroren. Ein solches Vorgehen innerhalb der weit verzweigten königlichen Familie ist in der modernen Geschichte Saudi-Arabiens ohne Beispiel.


Lesen Sie auch: Festgesetzte Milliardäre - so leben die Prinzen im Luxusknast Ritz



Der im Juni zum Kronprinzen ernannte Sohn des 81-jährigen Königs Salman plant umfassende Reformen. Nach seiner Ernennung hatte er einen Modernisierungskurs angekündigt. Der Kronprinz gilt bereits als De-facto-Herrscher Saudi-Arabiens. Er dürfte das Ziel haben, bis zu seiner endgültigen Machtübernahme alle Widersacher aus dem Weg zu räumen.

cr/afp

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH