Dienstag, 17. Oktober 2017

Wohnen wird immer teurer Mietpreisbremse? Die Mieten steigen trotzdem

Mietspiegel: In diesen Städten ist Wohnen am teuersten
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DPA

Wer in einer Großstadt eine Wohnung sucht, weiß: Günstige Mieten gibt es nicht mehr. Die im Juni 2015 eingeführte Mietpreisbremse ist weitgehend wirkungslos und weil neu vermietete Wohnungen immer teurer werden, steigt auch der Referenzwert - die Bestandsmieten. Im Schnitt kletterten die ortsüblichen Vergleichsmieten in Deutschland im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent. Das zeigt der Mietspiegelindex, den das Forschungsinstitut und Beratungsunternehmen F+B regelmäßig erstellt.

Der F+B-Mietspiegelindex ist die einzige Auswertung aller amtlichen Mietpreisübersichten in Deutschland und ist deshalb aussagekräftiger als die Betrachtung von Wohnungsanzeigen. Sie spiegeln das Niveau und die Entwicklung jener Wohnkosten wider, die Mieter hierzulande derzeit zahlen.

Um die Werte vergleichen zu können, zieht F+B die Nettokaltmieten, also die Kosten ohne Betriebs-, Heiz- und Stromkosten einer 65-Quadratmeter-Wohnung heran, mit mittlerer Ausstattung in mittlerer Wohnlage. Für den aktuellen Index hat das Unternehmen die Mieten in 345 Städten und Gemeinden in Deutschland analysiert. Durchschnittlich, so das Ergebnis, zahlen deutsche Mieter 6,54 Euro pro Quadratmeter.

Bei den Großstädten zeigen sich wenig Überraschungen: Auch bei den Bestandsmieten liegt München mit durchschnittlich 11,18 Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete ganz vorne, gefolgt von Stuttgart mit 9,76 Euro. Düsseldorf (8,26 Euro) folgt auf dem 9. Platz, Köln (8,24 Euro) auf Rang 11, Hamburg (8,07 Euro) auf Rang 15 und Frankfurt am Main (7,94 Euro) auf dem 18. Platz. In den Top 20 liegen allerdings auch einige kleinere Städte im weiteren Umland der Metropolen und auch Studentenstädte wie Tübingen (Platz 4) oder Freiburg im Breisgau auf Platz 20.

Berlin immer noch vergleichsweise günstig

Die Münchner liegen mit ihren Mieten um 71 Prozent über dem Durchschnitt, Stuttgarter zahlen 49 Prozent mehr als der aktuelle Bundesdurchschnitt. Düsseldorf, Köln und Hamburg liegen um 26 bis 23 Prozent darüber. Der Grund dafür sei die Wirtschaftskraft der Metropolen, sagt Bernd Leutner, Geschäftsführer von F+B: "Ein attraktives Arbeitsplatzangebot zieht weitere Wohnungsnachfrager an, der Wohnungsmarkt wird enger und das insgesamt steigende Mietniveau wirkt sich sukzessive auch im Bestand aufgrund von Mieterhöhungen im Rahmen bestehender Verträge und höheren Neuvermietungsmieten aus."

Vergleichsweise günstig ist immer noch Berlin - allerdings ist die Stadt bei den Mieten noch geteilt. Im Westen der Bundeshauptstadt zahlen die Mieter im Schnitt 6,46 Euro pro Quadratmeter, im Osten 5,85 Euro - günstiger sind die Mieten nur in ostdeutschen Großstädten wie Schwerin (5,72 Euro) oder Dresden (5,64 Euro).

Die Mietspiegel, die F+B für den Vergleich heranzieht, liegen auch der Mietpreisbremse zugrunde. Das Gesetz sieht vor, dass Mieten bei neuen Verträgen in der Regel nur noch 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen dürfen - und die wird in den Mietspiegeln abgebildet.

Der Firma zufolge gibt es Mietspiegel in der Regel erst in Städten und Gemeinden ab 10.000 Einwohnern. Von den insgesamt 1559 Orten in Deutschland in dieser Größe hat nur jeder dritte eine entsprechende Liste. In den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern verfügen 89 Prozent über ein entsprechendes Instrument. Einzig die Stadt Bremen muss derzeit noch ohne Mietspiegel auskommen.

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