Montag, 20. November 2017

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Prozess gegen Finanzvertriebler Michael Turgut Herr Graumarkt persönlich kommt wieder vor Gericht

Der Graumarkt in Person: Finanzvertriebler Michael Turgut muss sich ab Freitag vor Gericht in Hof verantworten.
Screenshot tvo
Der Graumarkt in Person: Finanzvertriebler Michael Turgut muss sich ab Freitag vor Gericht in Hof verantworten.

Dunkler Anzug, weißes Hemd und das Einstecktuch farblich gerne passend zur Krawatte; dazu augenscheinlich stets eine ordentliche Portion Gel im Haar und am Handgelenk mit Vorliebe eine Uhr, die irgendwie diesen gewissen Tick größer ist als eigentlich erforderlich: Wäre der graue Kapitalmarkt ein Mensch, dann sähe er vermutlich ziemlich genauso aus wie Michael Turgut. Auf den ersten Blick seriös, bei genauerem Hinsehen aber auch ein wenig halbseiden.

Vertriebsprofi Turgut ist seit Jahren eine kleine Berühmtheit in diesem Nischengeschäft, das erst in jüngerer Vergangenheit stärker in den Fokus des Gesetzgebers und der Finanzaufsicht gerückt ist. Eine zweifelhafte Berühmtheit allerdings: Immer wieder tauchte Turguts Name auf, wenn es darum ging, bei privaten Investoren in ganz Deutschland Millionen einzusammeln, und zwar für meist fragwürdige Anlageprodukte, deren Renditeversprechen ebenso verlockend erschienen, wie ihre Konstruktionen intransparent waren. Und deren Investoren ihre Anlageentscheidung im Nachhinein allzu oft bereuten.

Ein Grund: Vielfach ohne das Wissen der Anleger floss bei solchen Investments regelmäßig besonders viel Geld in die Taschen des Finanzvertriebs, zu dessen eifrigsten Vertretern jahrelang Michael Turgut zählte. Bis zu 20 Prozent oder mehr der investierten Summe stand aus diesem Grund oft gar nicht erst für den eigentlich versprochenen Investitionszweck zur Verfügung - klar, dass es dann auch kaum möglich war, die versprochenen Renditen zu erzielen.

Fondskosten bewusst verschwiegen?

Das ist auch der Punkt, um den es ab Freitag dieser Woche vor dem Landgericht im bayerischen Hof gehen wird, wo Turgut einmal mehr auf der Anklagebank Platz nehmen soll. Der 49jährige war wegen seiner umstrittenen Vertriebsmethoden in der Vergangenheit bereits verschiedentlich zu Gast in deutschen Gerichtssälen. Just ebenfalls vom Landgericht Hof wurde Turgut beispielsweise erst vor einem Jahr zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Die musste er bislang allerdings nicht antreten, weil die nächste Instanz noch nicht über seine Revision entschieden hat.

Aktuell wirft die Staatsanwaltschaft Hof Turgut vor, in den Jahren 2005 und 2006 im Zusammenhang mit dem Vertrieb der 120 Millionen Euro schweren Anlageofferte Multi Advisor Fund I dutzende Anleger betrogen zu haben. Turgut habe die Investoren über die tatsächliche Verwendung ihrer Anlagesummen getäuscht und dabei Zahlungen für Emissions- und Weichkosten verschwiegen, so der Vorwurf.

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Bild: Bloomberg / Wochit

So soll Turgut laut Anklage den Anlegern des besagten Fonds über seine Vertriebsleute vorgegaukelt haben, es fielen lediglich Vertriebskosten in Höhe des Agios von 5 Prozent an. Tatsächlich gab es bei dem Fonds jedoch laut Staatsanwaltschaft über das Agio hinaus sogenannte weiche Kosten in Höhe von mehr als 14 Prozent - und die wurden im Verkaufsgespräch bewusst nicht erwähnt, behaupten die Ankläger. Den dadurch in 76 Einzelfällen entstandenen Schaden beziffern sie auf insgesamt fast 500.000 Euro.

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