Freitag, 17. August 2018

Medienaktien Old Economy schlägt Facebook und Google an der Börse

US-Präsident Trump zu Gast bei der "New York Times": Die Dauerkritik aus dem Weißen Haus scheint der Zeitung zu nützen, die Abonnentenzahl stieg zuletzt erstmals auf mehr als eine Milliarde.
AP/Hiroko Masuike/The New York Times
US-Präsident Trump zu Gast bei der "New York Times": Die Dauerkritik aus dem Weißen Haus scheint der Zeitung zu nützen, die Abonnentenzahl stieg zuletzt erstmals auf mehr als eine Milliarde.

Zeitungskrise, war da was? Zumindest einigen Verlage gelingt offenbar der Übergang in die neue Medienwelt gar nicht so schlecht. In den vergangenen Jahren haben IT-Riesen wie vor allem Facebook und Alphabet (vormals Google) den klassischen Printverlagen schwer zu schaffen gemacht, denn sie lenkten einen Großteil der Anzeigenerlöse, die früher auf gedruckte Medien entfielen, um ins Internet. Doch inzwischen zeigt sich, dass auch Zeitungsverlage in der digitalen Welt erfolgreich manövrieren können.

Ein Beispiel ist die US-amerikanische Traditionszeitung "New York Times", die in der vergangenen Woche ihre Geschäftszahlen für 2017 vorgelegt hat. Dabei wurde klar: Die Zeitung hat zwar im Printbereich weiterhin zu kämpfen - dafür boomt jedoch das Onlinegeschäft. Während beispielsweise die klassischen Umsätze des Verlages um mehr als 8 Prozent schrumpften, legten sie im Digitalgeschäft um 8,5 Prozent zu. Mit Hilfe von Sonderangeboten steigerte die "NYT" ihre Einnahmen im Abonnement-Geschäft zudem erstmals auf mehr als eine Milliarde Dollar.

Einer der Treiber des Leserinteresses am Angebot der "Times" ist offenbar ausgerechnet US-Präsident Donald Trump. Er kritisiert das Blatt seit Beginn seines Wahlkampfes regelmäßig und stellt die journalistische Qualität in Frage. Ein Großteil der Amerikaner scheint sich davon jedoch nicht beirren zu lassen - im Gegenteil: Der "NYT" gelang es inzwischen, den Anteil der Abonnentenerlöse an den Gesamtumsätzen auf 60 Prozent zu steigern. Angesichts der Konkurrenz von Facebook, Google und Co. im Werbegeschäft ein beachtlicher Erfolg.

Der macht sich auch an der Börse bemerkbar: Die Bekanntgabe der 2017er Geschäftszahlen sorgte bei der Aktie der "New York Times" vergangene Woche für einen Kurssprung um 10 Prozent. Zwar ist am Aktienmarkt meist von der Hausse der IT-Aktien um Amazon Börsen-Chart zeigen, Apple Börsen-Chart zeigen sowie Facebook Börsen-Chart zeigen und Google Börsen-Chart zeigen die Rede. Die wohl größte Konkurrenz im Kampf um Werbegelder konnte die Aktie der "New York Times" jedoch auf Sicht eines Jahres an der Börse zuletzt hinter sich lassen: Sowohl Facebook als auch Google schnitten in den vergangenen zwölf Monaten schlechter ab, wie die Grafik zeigt:

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Was die Grafik ebenfalls zeigt: Auch der Axel Springer-Konzern Börsen-Chart zeigen, mit "Bild", "Welt" und vielen anderen Publikationen eines der größten Medienhäuser Europas, hat die Konkurrenz der US-IT-Konzerne an der Börse in den vergangenen zwölf Monaten ebenfalls abgehängt. Der Konzern hat seine Geschäftszahlen für 2017 zwar noch nicht veröffentlicht. die Ergebnisse des dritten Quartals deuteten aber bereits an, wohin die Reise im Hause Springer geht: Binnen neun Monaten steigerte das Unternehmen seinen Gewinn (Ebitda) um 13 Prozent. Mit dem Umsatz ging es im gleichen Zeitraum um 7 Prozent nach oben.

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Bemerkenswert: Den größten Teil des Gewinns macht der Axel Springer Konzern längst mit digitalen Aktivitäten. So wuchs der Bereich Digitale Medien in den ersten neun Monaten 2017 um 11,7 Prozent. Rund 77 Prozent der Gewinne kommen bereits aus diesem Geschäftsfeld.

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